Wie ein Artikel in der WirtschaftsWoche einem Startup schaden kann

Am vergangenen Donnerstag erschien die aktuelle Ausgabe der WirtschaftsWoche. Darin ein Artikel von Marcus Pfeil zum Thema Crowdinvesting mit der Überschrift „Im Schwarm in die Pleite“. Am 15. Mai erschien dieser Artikel noch einmal im Handelsblatt. Da zahlreiche Aussagen in diesem Text schlichtweg falsch sind, möchte nicht nur Michael Schiemann, der Gründer von Life Action Games, dessen Startup in dem Artikel als „Sündenbock“ auserwählt und als „so gut wie pleite“ dargestellt wurde, Stellung zu diesem Text beziehen, sondern auch wir. (mehr …)

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lifeaction: “Die Präsentation fürs Crowdfunding muss jeden Menschen auf die Reise mitnehmen.“

Crowdfunding im Games-Fieber! Wie heiß das Thema Gaming für User und Investoren ist, bewies sich einmal mehr beim Funding für das Startup lifeaction, das bereits nach reichlich 2 Stunden das maximal mögliche Fundinglimit von 100.000 Euro erreicht hatte.

Lifeaction ist auch wirklich ein außergewöhnlich spannendes Projekt: Erklärtes Ziel ist, die Grenzen der Realität zu sprengen und Spielfilm-Action ins echte Leben zu bringen. Computerspiele und Filme werden mit lifeaction durch mobile Endgeräte, Geolokalisierung und Augmented-Reality-Elemente auch außerhalb der 4 Wände erlebbar – und die Spieler können gemeinsam und „mitten in der Realität“ ein völlig neues und interaktives Spielerlebnis genießen!

Michael Schiemann und sein Team haben die technische Basis ausführlich erprobt und entwickeln aktuell das erste digitale Live-Rollenspiel, das in 2-3 Monaten veröffentlicht werden soll. Über 2000 Testspieler haben bereits begeistert mitgespielt, somit den Proof-of-concept erbracht und eine Ahnung bekommen, wie das Ganze in der Realität funktioniert. Bis dahin ist noch eine Menge zu tun und mit dem Kapital und der Unterstützung der Mikroinvestoren kann lifeaction die nächsten Schritte zügig angehen.

Wir haben nachgefragt, wie das lifeaction-Team das Crowdfunding und den Ansturm auf seine Beteiligungen erlebt hat.



Seedmatch: Herzlichen Glückwunsch zum Speed-Crowdfunding! Euer Crowdfunding war bereits in reichlich 2 Stunden erfolgreich beendet – und wir haben nach dem Funding noch eine ganze Reihe von Anfragen bekommen, ob es nicht doch noch irgendeine Möglichkeit gibt, als Investor dabei zu sein… Wie erklärt ihr euch diesen unglaublichen „run“ auf die Beteiligungen an eurem Startup?

lifeaction-Team: Es war in der Tat ein sehr spannendes Erlebnis! Es war ein bisschen so wie bei E-Bay, wir haben permanent die F5-Taste gedrückt und jedes Mal war ein noch höherer Prozentbetrag zu sehen. Mit dieser Geschwindigkeit haben wir selber nicht gerechnet. Viele Freunde und Fans waren online und haben zusammen mit uns das Funding erlebt.

Insgesamt denken wir, dass es verschiedene Faktoren waren, die zum Erfolg geführt haben. Der unserer Meinung nach wichtigste Faktor war unser innovatives Produkt. Es ist neu, spricht viele Menschen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Gewohnheiten an und ist somit für eine breite Zielgruppe auch bei den Investoren interessant. Unsere größte Befürchtung dabei war, dass die Investoren unser Produkt nicht gleich verstehen, dass es neu, zu komplex und nicht schnell genug verständlich ist. In diesem Punkt hat uns unser Screencast-Video sicherlich gut weitergeholfen und das Produkt schnell und anschaulich erklärt. Aus dem Feedback der Investoren wissen wir, dass gerade das spielerische Live-Element gepaart mit modernen Technologien wie Augmented Reality viele Investoren überzeugt hat.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist unser eingespieltes Team. Es ist, so glauben wir, deutlich geworden, dass wir gute Erfahrungen und Know-how in allen unseren Arbeitsbereichen mitbringen, interdisziplinär aufgestellt sind, eine gute Ausbildung als auch die notwendige Durchsetzungskraft besitzen, unser Vorhaben zügig umzusetzen.

Unser fundierter Business-Plan, unsere Präsentation, ein lukratives Beteiligungsangebot als auch die Fragen der Investoren und unsere schnellen Antworten dazu runden das Setting ab.



Seedmatch: Wann seid ihr auf die Idee gekommen, euer Startup über Crowdfunding zu finanzieren und welche Punkte haben euch überzeugt, diesen Weg zu gehen?

Michael Schiemann: Ich habe Jens-Uwe Sauer, den Gründer von Seedmatch, vor knapp einem Jahr bei einem Kongress kennen gelernt und wir haben uns über Seedmatch und Crowdfunding unterhalten. Damals habe ich das Konzept nicht gleich verstanden und war selber etwas skeptisch, ob das in die eher konservative deutsche Kultur passen kann. Nach dem die ersten Startups aber dann erfolgreich über Seedmatch finanziert wurden war uns klar, dass es funktionieren kann und eine für uns passende Alternative zu herkömmlichen Finanzierungen ist. Wir haben uns auch Amerikanische Modelle und den Erfolg dieser angeschaut und beschlossen, es selber zu versuchen. Seedmatch war und ist aus unserer Sicht in Deutschland DIE Plattform für Crowdfunding.

Vor allem die möglichen Synergieeffekte aus dem Feedback, Netzwerk und den Anregungen von über 150 Investoren waren für uns das ausschlaggebende Argument für ein Crowdfunding. Weiterhin ist das Modell im Moment in Deutschland noch sehr neu und somit auch sehr interessant für die Medien, was wiederum gut für ein Startup ist, um bekannt zu werden.


Seedmatch: Wie habt ihr euch auf das Crowdfunding vorbereitet?

lifeaction-Team: Wir haben seit Januar etwa 4 Monate sehr hart am Produkt, Business-Plan und unserer Präsentation gearbeitet. Die meiste Zeit davon haben wir in unseren Prototypen und den Business-Plan investiert. Wir haben immer wieder Feedback von Usern, Experten und Coaches eingeholt und so unseren Prototypen und unser Business-Modell finalisiert. Mitte März haben wir uns dann das erste Mal mit Seedmatch getroffen. Innerhalb von 3 Wochen und zahlreichen durchgemachten Nächten und Wochenenden haben wir unsere Präsentation, also Webseite, Interview-Video, Screencast und den Finalen Business-Plan fertiggestellt. Etwa 5 Wochen nach unserem ersten Treffen haben wir dann auf Seedmatch gelauncht. Eine Woche vor dem Launch haben wir alles aktiviert was wir an Netzwerk hatten: wir haben alle Freunde und Bekannten informiert, über 1000 XING-Kontakte, E-Mail-Kontakte und Facebook-Freunde angeschrieben, über Twitter gepostet und zahlreiche Pressekontakte über unser Funding informiert. 2 Stunden nach dem Launch waren wir zu 200% finanziert und die Finanzierung war abgeschlossen.



Tobias Bartosch, Michael Schiemann und Kaj Limadjaja von lifeaction sind begeistert über das Speed-Funding


Seedmatch: Aus Eurer persönlichen Erfahrung heraus: worauf sollten Startups achten, die ein Crowdfunding planen? Welchen Aspekten sollten sie eurer Meinung nach besondere Sorgfalt und Beachtung schenken?

lifeaction-Team: Im Grunde genommen zunächst allen Aspekten die auch für das Startup wichtig sind: Arbeit an Produkt und Strategie ist essentiell. Also die Entwicklung und Abbildung einer innovativen Strategie und die verständliche und überzeugende Darstellung im Business-Plan. Wir können dabei die Blue Ocean Strategy von W. Chan Kim und Renée Mauborgne sehr empfehlen.

Dazu ist es gut sich frühzeitig mit Experten zu beraten und Feedback einzuholen, um selber immer wieder zu reflektieren. Wie kommen mein Produkt und meine Strategie bei potenziellen Kunden an? Ist mein Produkt und Geschäftsmodell verständlich erklärt oder muss ich an der Kommunikation arbeiten? Sehen auch andere das Potenzial? Und vor allem: Wo geht die Reise hin? Wie viel Potenzial gibt es und wohin kann sich das Unternehmen entwickeln? Man darf als Entrepreneur nicht zu klein denken!

In einem zweiten Schritt muss dann die Präsentation des Produktes (Webseite, Business Plan, Video) die Investoren und im optimalen Fall jeden Menschen auf die Reise mitnehmen und inhaltlich und optisch gut dargestellt sein. Die möglichst authentische Vorstellung des Teams ist unserer Ansicht nach ebenfalls sehr wichtig. Dann stehen die Chancen für ein erfolgreiches Funding sicherlich recht gut.


Seedmatch: Die Crowd-Investoren bei Seedmatch sind ja sehr aktiv. Habt Ihr auch schon erstes Feedback von Euren Investoren bekommen und mit welchen Anregungen oder Ideen kommen sie auf Euch zu?

lifeaction-Team: Das können wir nur bestätigen. Bereits vor dem Funding erhielten wir Mails und Anrufe mit Fragen, Ideen und Anregungen. Im Anschluss erhielten wir dutzende Kooperationsanfragen, Partnerangebote und Feedback und wertvolle Anregungen von Investoren. Die Anregungen sind unterschiedlicher Natur und reichen von Möglichkeiten der Zusammenarbeit bis hin zu Ideen für spezielle Events für Investoren und die Vermittlung von Kontakten. Grundsätzlich freuen sich auch sehr viele Investoren auf unser erstes digitales Live-Rollenspiel in Berlin! 🙂


Seedmatch: Auf welche Entwicklungen können sich die Investoren in den nächsten Monaten freuen und plant Ihr eigentlich auch ein spezielles Event für Investoren?

lifeaction-Team: Das größte Ereignis wird sicherlich unser erstes Produkt sein, dass wir im August dieses Jahres in Berlin veröffentlichen. Dabei haben unsere Investoren die besondere Möglichkeit an der Premiere teilzunehmen. Bereits vorab machen wir Test-Spiele, an denen ebenfalls interessierte Investoren teilnehmen können. Grundsätzlich versuchen wir unsere Investoren dort wo es sich anbietet in unser Vorhaben zu integrieren und von ihren Erfahrungen und Netzwerk zu partizipieren.

Auf Vorschlag eines Investors planen wir für die Zukunft ein jährliches bzw. halbjährliches Event, eine Art Keynote, wo wir versammelten Investoren unsere neuesten Entwicklungen präsentieren, Geschäftszahlen veröffentlichen, Feedback einholen, Kontakte und Netzwerk austauschen und zum Abschluss gemeinsam mit unseren Investoren eines unserer Spiele durchführen.

Seedmatch: Wir wünschen euch für die nächsten Schritte viel Erfolg!

lifeaction-Team: Vielen Dank für das Interview und wir wünschen euch viele innovative Unternehmen, die sich für ein Crowdfunding bei Seedmatch entscheiden!




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