Coworking-Spaces – amerikanischer Hype oder Trend mit Substanz?

Immer wieder hören wir von Gründern und Geschäftsführern auch außerhalb unserer Interviews, dass sie den entscheidenden Impuls für ihre Innovationen durch sogenannte „Out of the box“-Erfahrungen erhielten. Sie begaben sich meist eher zufällig denn zielgerichtet in eine ihnen unvertraute Situation, sprachen mit Menschen außerhalb ihres gewohnten sozialen Umfeldes und wechselten die Perspektive. Diese Erfahrungen können immer mehr Menschen auch ganz proaktiv forcieren, indem sie die ausgetretenen Pfade ihrer Büro-Routinen verlassen und sich in Coworking-Spaces einmieten. Analog eines Carsharings besitzt man hier keinen fixen Arbeitsplatz, sondern teilt sich mit einer Vielzahl anderer Menschen Arbeitsplätze und Büroinfrastruktur. In immer mehr deutschen Großstädten entstehen nach dem amerikanischen Vorbild modernste und offene Gemeinschaftsbüros. Doch bringt die abverlangte Flexibilität tatsächlich positive Nebeneffekte und ist so ein Angebot überhaupt tragfähig? Wir wollten es wissen.

Gemeinsam unabhängig voneinander arbeiten – das bezeichnet im Allgemeinen das Prinzip des Coworkings. Durch gemeinsame Gespräche bei der Kaffeepause oder den gezielten, kollaborativen Austausch kann die eigene Arbeit durch das Aufnehmen fremder Einflüsse, Ideen oder Denkansätze auf ein neues Level gehoben werden. Die natürlichen Beschränkungen der eigenen Lebens- und Erfahrungswelt sowie Denkstrukturen werden so ohne Zwang oder Wettbewerb aufgebrochen und neu verortet. Das schlägt sich auch in den Arbeitsergebnissen nieder. Diese Vorzüge wurden früh erkannt und gezielt gefördert. So preisen bereits zu Beginn des 17. Jahrhunderts einige Kirchenbücher die Vorteile des Coworkings an. Entgegen der landläufigen Meinung entstanden die ersten Orte für Coworking nicht im Silicon Valley. Das „c-base“ ist die erste bekannte Coworking-Einrichtung, die 1995 mit dem Ziel, Wissen und Fertigkeiten rund um Computer-Software und -Hardware sowie Datennetze zu fördern, in Berlin eröffnete. 1999 erweiterte eine New Yorker Softwarefirma ihre Flächen und öffnete sie auch für Freelancer und Startups. Noch heute existiert dieser erste amerikanische Coworking-Space. Seit dem entstehen fast überall auf der Welt kollaborative Arbeitsräume.
Während 2007 erst 14 Coworking-Spaces weltweit existieren – hauptsächlich in den USA, sind es zehn Jahre später bereits fast 15.000. Für 2020 werden knapp 26.000 Einrichtungen dieser Art prognostiziert. Doch warum ist die Nachfrage so groß? Lässt sich der Trend wirklich nur mit dem freien Gedankenaustausch und einer vermeintlich besseren Arbeitsleistung erklären?

Positive Nebenwirkungen

Coworking-Spaces werden von einer Vielzahl unterschiedlicher Gruppen genutzt. Freelancer, Geschäftsleute auf der Durchreise, Startups und zunehmend größere Unternehmen bis hin zu international agierenden Konzernen. Jede Zielgruppe verbindet mit dem Konzept eigene Vorteile: Allen gemein sind aber die kurzen Vertragslaufzeiten – je nach Anbieter können Einzel-Arbeitsplätze sowie ganze Teambüros und Meetingräume tages-, wochen- und monatsweise gebucht werden. Dabei ist es oftmals jedem selbst überlassen, ob er einen festen Arbeitsplatz, einen ganzen Raum oder sich jeden Tag einen neuen Schreibtisch suchen möchte. Viele Freelancer schätzen den Abstand zu ihrem Schreibtisch in der privaten Wohnung. Sie werden weniger von Freunden und der Familie als auch ihren haushaltlichen Pflichten und Ablenkungen gestört, können Kunden empfangen und genießen eine Geschäftsadresse mit buchbarem Telefonservice und Sekretariat. Insbesondere als Einzelkämpfer schätzt man die sozialen und kreativen Interaktionsmöglichkeiten mit anderen Coworkern. Geschäftsleute auf der Durchreise nutzen statt der Hotellobby einen zeitflexiblen Arbeitsplatz mit allen Annehmlichkeiten, die ihnen ihr eigenes Büro hätte bieten können. Junge Gründer haben es dagegen oftmals schwer, mit sehr begrenzten finanziellen Mitteln ein Büro anzumieten. Da der Erfolg ungewiss ist, scheuen sie die oft langjährigen Verträge für Gewerbe- und Büroimmobilien sowie die Anschaffungskosten für Mobiliar und Infrastruktur. Ein weiterer Vorteil: Egal, wie es kommt, mit Coworking-Spaces haben Startups die nötige Flexibilität, wenn sich das Team verkleinern oder schnell vergrößern muss. Alles, was das noch junge Team selbst nicht leisten kann, können sie mit verhältnismäßig wenig Aufwand an andere Coworker vergeben – seien es Grafiker, Journalisten, Entwickler oder vieles mehr. Jungunternehmer können ohne großen Aufwand auf externes Know-how zugreifen und genießen dennoch kurze Wege für Rücksprachen, Meetings und zeitintensive Projektarbeiten. Große Projekte stellen auch erfahrene Unternehmen und internationale Konzerne vor Herausforderungen. Spitzen im Flächenbedarf können sie dank Coworking-Spaces bedienen, ohne teure Arbeitsplatzkapazitäten inhouse vorhalten oder selbst neue Büroflächen mit langer Mietbindung in Kauf nehmen zu müssen. Zudem profitieren auch sie von der Pluralität an Know-how und Erfahrungen im Coworking-Ökosystem.

Messbare Effekte verstärken Trend

Die immer stärker zunehmende Verstädterung befördert zusätzlich den Trend zu Coworking-Spaces. Denn die erhöhte Nachfrage nach Wohnraum verknappt die Kapazitäten für Büroräume und hebt den Mietspiegel. Laut Statista stieg der Mietindex für Büroimmobilien von 97,3 in 2006 binnen zehn Jahren auf 110,4. Sich mit einem eigenen Büro zu binden, wird in Summe für alle immer teurer und unattraktiver: für Selbstständige, Startups als auch etablierte Unternehmen. An den günstigeren Stadtrand auszuweichen, bringt zudem weitere Nachteile: Die Menschen arbeiten nicht mehr dort, wo sie leben. Über 59 Prozent aller Arbeitnehmer mussten 2016 zu ihrem Arbeitsplatz pendeln. Das führt nicht nur zu deutlich gestiegenem Verkehrsaufkommen, sondern auch zu mehr Kosten und damit einer geringeren Wertigkeit des Nettolohnes sowie zu Stress und kürzeren Erholungsphasen zwischen den Arbeitstagen. Je mehr Kilometer zwischen Wohn- und Arbeitsstätte liegen desto häufiger werden die Krankheitsfehltage der Arbeitnehmer aufgrund psychischer Überlastung. Das kostet auch den Betrieb viel Geld. Spürbarer Nebeneffekt ist eine geringere Mitarbeiterbindung. 35 Prozent aller Angestellten wären bereit, für mehr Flexibilität und Home-Office-Tage ihrem aktuellen Arbeitgeber sofort den Rücken kehren. Diese Personalfluktuation kostet ein Unternehmen durchschnittlich 70.000 Euro pro Arbeitnehmer. Betriebe, die diese Entwicklung kennen und die negativen Effekte vermeiden wollen, bieten deutlich mehr Arbeitsflexibilität als Mehrwert in Form von kleinen Zweigstellen in Coworking-Spaces an.
Deskmag, das Magazin über Coworking, untersuchte in einer weltweit angelegten Studie, wie zufrieden die Nutzer nach ihrem Umstieg auf Coworking waren: 85 Prozent aller Befragten gaben dabei an, deutlich motivierter zu arbeiten und 41 Prozent aller Coworker berichteten sogar von Umsatz- oder Lohnsteigerungen seit sie diesen Service nutzen und sich mit fachfremden Bürokollegen austauschen können.

Angesichts der Vielzahl an vorgestellten Argumenten und Daten drängt sich die Frage auf, warum nicht schon seit dem 17. Jahrhundert sogenannte Wissensarbeiter in kollaborativen Büro-WGs zu ihrer fachlichen und individuellen Exzellenz geführt werden.

[… beendete sie den letzten Satz ihres aktuellen Blogbeitrages und rief ins Nachbarzimmer: „Chef! Wir müssen uns mal unterhalten.“]

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  1. Charly Suter sagt:

    Sicherlich gibt es hier keine klare Antwort für jeden, aber die meisten Leute arbeiten besser wenn andere Leute da sind. Auch wenn man keine interaktion hat wie bei dieser amerikanischen Kaffeehauskette oder den CoWorking Büros wo jeder mit jedem arbeitet. Auf der anderen Seite gibt es ja auch jene Leute die sich auf die „einsame Insel“ zurückziehen um dort zu arbeiten, das Buch zu schreiben oder sich vorzubereiten auf eine Prüfung. Nichts desto trotz, der Mensch braucht interaktion und insofern haben CoWorking Büros eine absolute Berechtigung.

  2. Christian sagt:

    Ganz schön krasse Textwüste. Schon mal was von Absätzen gehört? Oder Zwischenäberschriften? Das ist sehr unangenehm zu lesen. Und bitte: Checkt eure Satzzeichen! Sowohl das, als auch die Qualität der Artikel lassen wirklich nach in letzter Zeit. Weniger Text, weniger (falsch verwendete) Allgemeinplätze und bitte mehr Inhalt! Vielen Dank!

    • Ines Becker sagt:

      Hallo Christian,

      vielen Dank für Dein offenes Feedback. Welchen Browser und welches Gerät nutzt Du, um unseren Blog zu lesen?
      Da nämlich auch wir Textwüsten ohne Gliederung ungern lesen, haben wir einfach mal ganz frech beim Schreiben Absätze und Zwischenüberschriften in unsere Beiträge eingefügt. Es kann natürlich sein, dass diese bei Dir nicht richtig dargestellt werden.

      Herzlichst,
      Ines Becker