Demografischer Wandel belebt die Märkte

Die Gesellschaft wächst und vergreist. Dieser demografische Wandel initiiert einen Zuwachs bestimmter Zielgruppen und belebt damit Branchen, deren Geschäft von „Hause aus“ auf die Bedürfnisse dieser Kunden zugeschnitten ist. Hersteller von Treppen- oder Badewannenliften müssen sich demnach weniger Sorgen um ihre Zukunft machen, als Hersteller von Schaukelpferden. Als Hersteller von Pharmaprodukten haben Sie allerdings das ganz große Los gezogen. Seit zehn Jahren erlebt die sogenannte Biotech- und LifeScience-Branche einen überdurchschnittlichen Aufwärtstrend. Dieser zog im ersten Halbjahr 2017 nochmal ordentlich an. Damit gilt der Gesundheitsmarkt als Leitindustrie des 21. Jahrhunderts. Doch was geht damit genau einher?

Bis 2050 soll die Weltbevölkerung Hochschätzungen zufolge 9,7 Milliarden Menschen zählen. Die Anzahl der Über-60-Jährigen wird sich bis dahin mindestens verdoppeln. Bei der steigenden Lebenserwartung ist der Wunsch, länger gesund zu leben sowie erst gar nicht zu erkranken, auch bei jüngeren Menschen fest verankert. Das belebt zusätzlich zur demografischen Veränderung sowohl den primären als auch sekundären Gesundheitsmarkt. Der OECD rechnet für seine Mitgliedsstaaten mit einer Steigerung des Gesundheitssektors von derzeit 6 Prozent auf 9,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Allein für Deutschland würde das bei gleichbleibendem BIP einen Zuwachs von über 120 Milliarden US-Dollar bedeuten (Ausgangswert 2016).
Laut Evaluate Pharma stammen über 60 Prozent der neuen Medikamenten- und Testverfahrenszulassungen von innovativen Biotechnologieunternehmen – mit steigender Erfolgsquote. Das lässt große Pharmakonzerne aufhorchen. Allein im zweiten Quartal 2017 haben sich die Übernahmeaktivitäten mehr als verdoppelt.

Das Genom als Chance

Am 26. Juni 2000 traten das internationale Forschungskomitee gemeinsam mit dem amerikanischen Präsidenten vor die internationale Presse und gaben bekannt, dass das menschliche Genom entschlüsselt wurde. „Jetzt lernen wir die Sprache, mit der Gott das Leben erschuf“, schwärmte Bill Clinton. Die wirklich bahnbrechende Erkenntnis, die alle erwartet hatten, blieb allerdings aus. Denn jetzt fing die Arbeit erst an: Medizinisch relevante Erkenntnisse mussten aus der Genomforschung gewonnen werden, zum Beispiel die Identifizierung aller krebsverursachenden Gene. Durch die Entschlüsselung der DNA konnten nach und nach neue Rückschlüsse zur Identifizierung und Behandlung von Erkrankungen gezogen werden. In Fakt wurde die Genomik der Grundstein für personalisierte Medizin und der individuellen Behandlung von Krankheiten. Die bisherige Diagnostik und Therapie von Krebserkrankungen sowie die Früherkennung von Auffälligkeiten, die auf Krebs schließen lassen, wurde in vielerlei Hinsicht überholt und musste neueren Erkenntnissen und präziseren Verfahren weichen. Dieser Prozess dauert weiterhin an und Beteiligungsmanager nicht nur großer internationaler Pharmakonzerne beobachten Innovationen und neue Entwicklungen ganz genau. Krebs ist nach Herz-Kreislauferkrankungen nach wie vor in Deutschland die zweithäufigste Todesursache. Laut der Weltgesundheitsorganisation steigt die Anzahl an Menschen, die weltweit an Krebs erkranken und sterben, weiter an. Allein 2012 wurde bei 14,1 Millionen Menschen weltweit Krebs diagnostiziert. Die Neuerkrankungen nahmen zwischen 2008 und 2012 um 11 Prozent im Vergleich zum vorhergehenden Zeitraum zu. Laut WHO sei die Hauptursache der steigenden Erkrankungen in der Überalterung der Gesellschaft zu suchen. Aber auch Umweltfaktoren erhöhen altersunabhängig das Risiko, an Krebs zu erkranken.

Onkologie im Fokus von VC’s

Anhand dieser Entwicklungen fokussieren sich immer mehr Pharmariesen auf die Sparte Onkologie als wachsendes Geschäft. Die ihrem Umsatz nach Top-10 Pharmakonzerne im Bereich der Onkologie, sprich des Geschäfts mit der Erforschung, Prävention, Diagnostik und Therapie sowie der Nachbehandlung von Krebs, fahren schon jetzt Spitzenumsätze. Die Onkologie entwickelt sich immer stärker zum größten Wachstumstreiber. So prognostiziert EvaluatePharma für den Konzern Johnson&Johnson zwischen 2016 und 2022 einen Umsatzwachstum von fast 150 Prozent auf 12,5 Milliarden US-Dollar, Roche wird laut dieser Vorschau sogar knapp 28 Milliarden US-Dollar im Bereich der Krebstherapie umsetzen. Das gelingt natürlich nur durch strategische Zukäufe von kleinen aber innovativen Biotechnologieunternehmen sowie die Sicherung ihrer Patente. Für die großen Pharmakonzerne sind Übernahmen und strategische Investitionen in diese der schnellste und einfachste Weg, Wachstum zu generieren sowie neues Know-how zu sichern.
Die Medigene AG, welche eine komplementäre Therapieplattform zur Behandlung verschiedener Krebsarten erschuf, erlöste stolze 20,7 Millionen Euro in 2017, 4SC gelang eine Kapitalerhöhung von 41 Millionen Euro. Das Münchner Biotechnologie-Unternehmen fokussierte sich auf niedermolekulärer Krebstherapie. Pfizer, TOP-10 Mitglied der Pharmakonzerne will bis 2022 ebenfalls Umsatzsteigerungen von bis zu 150 Prozent stemmen und kaufte 2016 zur Zielerreichung dafür den Krebsspezialisten Medivation (gegründet 2004) für 14 Milliarden US-Dollar.

Die Healthcare-Branche boomt und ein Ende ist noch lange nicht in Sicht. Wer als Life-Science-Startup den richtigen Fokus legt, muss keine Nebenwirkungen befürchten.

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  1. Hellfire sagt:

    Mit erschreckender Vorhersagbarkeit, lässt Seedmatch einen Teaser im Blog „fallen“ für ein darauf folgendes Startup. Irgendwie belustigend. Hier ist es wohl, irgend eine Seniorenhilfe oder allenfalls Pharma. Schauen wir mal.
    Kleiner Tipp: Promotion heisst Überraschung und nicht das Abspulen ewig gleicher, stupider Abläufe.

    • Ines Becker sagt:

      Hallo Hellfire,

      trotz mangelnder Überraschungseffekte freut es mich, dass Sie unseren Blog so aufmerksam verfolgen.
      Unseren Blog verstehen wir nicht als Werbeinstrument für Promotionzwecke. Wir wollen an dieser Stelle nicht werben, sondern informieren und exklusive sowie unterhaltsame Einblicke in Branchentrends und Marktentwicklungen bieten. Wir werden Ihren Kritikpunkt aber gerne mitaufnehmen und uns überlegen, ob wir unsere Leser künftig durch mehr Promotion und überraschende, plakative Botschaften unterhalten wollen.

      Bis dahin freuen wir uns, Sie als treuen Leser durch unsere Routinen noch nicht vergrault zu haben und wünschen Ihnen einen aufregenden und unterhaltsamen Einstieg ins Wochenende – auch ganz ohne Sessellift. 😉

      Herzlichst,
      Ihre Ines Becker