Wie Corporates und Startups voneinander profitieren

Startups mit innovativen Geschäftsmodellen und agilen Unternehmensstrukturen werden für Corporates heutzutage immer wichtiger. Viel zu groß ist die Tragweite und das Potential in der Zusammenarbeit mit den jungen Unternehmen, um die Digitalisierung des eigenen Betriebs erfolgreich zu meistern. Sei es technischer Natur, organisatorisch oder kulturell: Zwei Drittel der Konzerne in Deutschland spüren beschleunigten Veränderungsbedarf, der befriedigt werden mag. Im Mittelstand ist es mit 50 Prozent noch nicht ganz so gravierend, aber die Tendenz ist steigend.
Doch was wollen Corporates von Startups eigentlich genau und was bieten Sie im Gegenzug an?

Ein Beitrag von Cem Ergün-Müller, Gründer der Startupnight sowie Head of Digital Open Space der Deutschen Telekom.

Startups mit innovativen Geschäftsmodellen und agilen Unternehmensstrukturen werden für Corporates heutzutage immer wichtiger. Viel zu groß ist die Tragweite und das Potential in der Zusammenarbeit mit den jungen Unternehmen, um die Digitalisierung des eigenen Betriebs erfolgreich zu meistern. Sei es technischer Natur, organisatorisch oder kulturell: Zwei Drittel der Konzerne in Deutschland spüren beschleunigten Veränderungsbedarf, der befriedigt werden mag. Im Mittelstand ist es mit 50 Prozent noch nicht ganz so gravierend, aber die Tendenz ist steigend.
Doch was wollen Corporates von Startups eigentlich genau und was bieten Sie im Gegenzug an?

Die Ziele hinter der Zusammenarbeit mit Startups sind klar definiert: Neben einem schnelleren Wachstum, erhoffen sich Corporates den Zugang zu neuen, innovativen Technologien. Eines der populärsten Beispiele ist hier wohl die Übernahme des Virtual-Reality-Herstellers Oculus VR (Oculus Rift) durch Facebook (Kaufpreis: 2 Milliarden US-Dollar). Des Weiteren wünschen sich Corporates Zugang zu neuen Kunden- und Zielgruppen. Aber auch der Aufbau einer neuen Innovationskultur und das experimentieren mit alternativen, digitalen Geschäftsmodellen (z.B. die Media for Equity-Programme von ProSiebenSat.1 oder Axel Springer), treibt klassische Unternehmen in ihrem Engagement an.

Der Exit von Runtastic zeigt beispielhaft, wie Corporates von der Zusammenarbeit mit Startups profitieren können. Adidas hat durch den Kauf der Fitness-Company von einem Tag auf den anderen Zugang zu einer stark wachsenden Laufsport-Community erhalten, die gleichzeitig eine der Zielgruppen des Unternehmens abbildet. Durch die große, vorhandene Sammlung an Benutzerdaten (Streckendaten, Geschwindigkeit, etc.), konnte Adidas Schlussfolgerungen ziehen, um eigene Produkte wie Laufschuhe und andere Sportartikel für den Endkunden zu optimieren sowie Cross-Selling und Marketing zu pushen. Doch nicht nur für Corporates ist die Kooperation mit Jungunternehmen eine großer Gewinn.

Viele Startups starten bekanntlich in Nischenmärkten. Sie lösen Probleme, die vorher noch nicht gelöst wurden. Die Geschäftsmodelle entwickeln sich dementsprechend schnell, doch um stärker wachsen zu können, muss diese Nische auf lange Sicht verlassen und in größere Märkte expandiert werden. Genau in diesem Punkt können Corporates in einer Partnerschaft mit ihrem Markt-Know-how und ihren langjährigen Erfahrungen unterstützend zur Seite stehen. Nach Kauf eines Startups kann beispielsweise das Produkt bzw. der Service nahezu nahtlos dem bestehenden Kundenstamm über die etablierten Kommunikations- und Vertriebskanäle angeboten werden und schnelle Effekte und Ergebnisse erzielt werden. Der Vorteil: Die bereits langjährig bestehende Marke des Corporates genießt Vertrauen bei den Kunden das dabei hilft, Vorbehalte gegenüber einem unbekannten Startup abzubauen.

Darüber hinaus bietet die Partnerschaft mit einem großen Corporate finanzielle Sicherheit. Entwickelt sich das Geschäftsmodell vielversprechend und die Erwartungen werden nach dem Aufkauf erfüllt, sind die Konzerne weiterhin gewillt kontinuierlich zu investieren, um ein schnelles und aggressives Wachstum zu forcieren. Je größer die Startups dadurch werden, desto stärker gelangen sie in den Fokus der rechtlichen Instanzen und unterliegen damit teilweise deutlich strengeren rechtlichen Anforderungen. Hierbei können die Corporates mit ihren erfahrenen Rechtsabteilungen große Hilfestellungen leisten. In Summe kann also eine solche Kooperation bei der Skalierung und Internationalisierung helfen.

Immer mehr Corporates engagieren sich bei Startup-Acceleratoren oder gründen ihre eigenen Förderprogramme, um Jungunternehmen aktiv zu unterstützen und sich in der Branche als Innovatoren zu positionieren. So bietet auch die Wirtschaftsförderung Berlin Partner Möglichkeiten für Corporates mit Startups zu kooperieren, beispielsweise mit dem Austauschprogramm Start Alliance Berlin, das 2015 initiiert wurde. Das Hauptziel ist es, Startup-Unternehmen bei der Internationalisierung zu unterstützen und die Gründerszenen der Partnerstädte New York, Tel Aviv, Shanghai, London und Paris miteinander zu vernetzen. So können die individuelle Geschäftsmodelle an internationale Anforderungen angepasst und wettbewerbsfähig gemacht werden. Die je nach Region von zwei bis sechs Wochen lang andauernden Batches, beinhalten Mentoring-Programme, die von unterschiedlichsten Corporate-Vertretern übernommen werden. Startups werden dabei freie Büroflächen zur gemeinsam Arbeit zur Verfügung gestellt und ihnen wird der Zugang zu lokalen Startup-Events wie der Startupnight in Berlin ermöglicht. Ein weiterer relevanter Player im Markt ist die Investitionsbank Berlin. Für Unternehmen in der Gründungsphase hält die IBB vielfältige Angebote bereit. Die Förderprogramme unterstützen junge Berliner Unternehmen mit Personal- und Sachmittelzuschüssen, individuell zugeschnittenen Darlehen sowie mit nicht-monetären Förderangeboten bei Existenzgründung und -festigung.

Mit der Vision, Startups und Konzerne zu vernetzen, erhalten auf der Startupnight über 250 Startups aus vier Kontinenten die Möglichkeit, vor Konzernen, Investoren und einem großen Publikum, ihre Geschäftsmodelle und Produkte vorzustellen. In diesem Jahr werden über 5.000 Teilnehmer erwartet, die sich von neuen Trends und Entwicklungen in den Bereichen Mobility, Energie, Kommunikation, AI, VR, AR, Health, Fintech und vielen weiteren Industrien und Technologien inspirieren lassen wollen. Die Startupnight wird gemeinsam von der Deutschen Telekom, Volkswagen, E.ON, der Deutschen Bank, Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie sowie der Investitionsbank Berlin organisiert.

 

Zum Autor: 
Cem Ergün-Müller ist Head of Digital Open Space bei der Deutsche Telekom AG und Gründer der Startupnight. Als Innovationsmanager ist es sein Ziel, das Innovations-Netzwerk der Telekom über alle Ebenen zu erweitern und darüber hinaus an Co-Creation und Co-Innovation mit anderen Corporates zu arbeiten.

Zuvor war er Head of Communication sowie Managing Director Connected Living bei T-Labs.

Cem Ergün-Müller wurde in Mailand geboren, studierte Marketing und Kommunikation und erweiterte seine Expertise mit einem Master in Enterprise Information Management an der Universität Reading.

Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Erfahren Sie mehr über die Zusammenarbeit zwischen Corporates und Startups am 8. September auf der Startupnight in Berlin!