Legal-Startup rightmart: „Wir wollen eine Dienstleistung bieten, die so einfach wie eine Bestellung bei Amazon ist“

Legal-Startups wie rightmart denken die Prozesse des Rechtsmarktes neu – und überarbeiten sie vor allem im Sinne der Rechtsberatung von Mandanten. Aber auch Kanzleien profitieren von schlankeren Strukturen und softwarebasierter Fallbearbeitung. Bevor rightmart sein Crowdfunding bei Seedmatch startet, haben wir mit zwei der vier Gründer gesprochen.

Jan Frederik Strasmann (CEO), der selbst Anwalt ist, will die Digitalisierung seiner Branche maßgeblich mitgestalten. Marco Klock (COO) kennen einige Seedmatch-Investoren noch als Co-Gründer des Startups edicted., welches im vergangenen Jahr von der Crowd finanziert wurde. Beide Startups, rightmart und edicted., ergänzen sich an vielen Stellen – und sollen die Rechtsbranche in Deutschland gemeinsam im B2C- und B2B-Bereich verändern.

 

Seedmatch: Ich hole die Post aus dem Briefkasten, darunter ein gelber Brief: mir soll der Führerschein entzogen werden. Ich bin aufgebracht und ratlos – was sollte ich eurer Meinung nach tun?

Jan Frederik Strasmann: Es passiert jährlich mehr als 500 Millionen mal, dass ein solcher „Verwaltungsakt“, also irgendein Bescheid, das Leben eines Menschen beeinflusst. Betroffen ist jede Altersgruppe und jede Bevölkerungsschicht. Ob Steuerbescheid, Rentenbescheid, Hartz-4-Bescheid, Bußgeldbescheid oder BAföG-Bescheid – Bescheide gehören zu unserer gesellschaftlichen Ordnung und sind, wenn man so will, der Output unserer Behörden.

Das Ärgerliche an Bescheiden ist die oftmals komplexe juristische Materie dahinter und die Tatsache, dass sie irgendwie wichtig für alle von uns sind. Gleichzeitig fühlt man sich auch irgendwie immer von den Behörden „verarscht“ – oder kannst du dich an einen Bescheid erinnern, bei dem du positiv überrascht warst?

So bestehen seit eh und je drei Möglichkeiten: Den Bescheid akzeptieren, sich selbst wehren oder einen Experten bezahlen. Letzteres ist leider teuer und es gibt nur wenige Juristen, die sich auf eine bestimmte Art von Bescheiden spezialisiert haben.

Mit rightmart lösen wir dieses Problem nun mit einer kostenlosen Überprüfung dieser Bescheide.

Jan Frederik Strasmann (l.) und Marco Klock von rightmart

Jan Frederik Strasmann (l.) und Marco Klock von rightmart

 

Seedmatch: Welche Vorteile ergeben sich für mich als Mandanten?

Jan Frederik Strasmann: Eine lästige, aber wichtige Angelegenheit wird kostenlos durch Experten geprüft und erledigt – das klingt ja eigentlich wie im Traum, oder?!

Nein, im Ernst: Wir kümmern uns komplett um etwas, was jedermann nervt. Selbst, wenn man einen Bescheid für 10,00 Euro Bußgeld akzeptiert, fühlt man sich nicht wohl bei der Sache. Da lohnt sich eine Überprüfung, wenn es einfach und kostenlos ist.

Genau das bietet rightmart schon heute im Bereich der Hartz-4-Bescheide und bis Mitte 2017 auch für Bußgeld- und BAföG-Bescheide. Gleichzeitig werden wir die Art und Weise dieser Dienstleistung mittels einer App noch einfacher für den Mandanten machen – da reicht quasi ein Foto des Dokuments und unser System legt los.

 

Seedmatch: Was genau steckt hinter rightmart? Woher kam die Idee?

Marco Klock: rightmart basiert auf einer Software, welche so gestaltet ist, dass (anwaltliche) Arbeit so effizient wie möglich gestaltet wird. Einmal vorhandenes Wissen wird systemseitig reproduziert, sodass Prozesse teilweise komplett automatisch laufen. Wir schaffen das ideale Zusammenspiel zwischen Juristen und Software, welches die Grundlage für die Zukunft der Rechtsdienstleistungen darstellt.

Und genau das war auch unser Ansatz: Recht raus aus der Luxusecke, rein in das Zeitalter des Dash-Buttons. Will sagen: Rechtsdienstleistungen mit der Assistenz von Software so effizient zu machen, dass große Teile der Dienstleistung kostenlos oder erfolgsbasiert dem Kunden angeboten werden können.

Dass wir mit Hartz-4-Bescheiden oder mit dem Fokus auf Bescheide so große Erfolge in diesem Jahr erzielt haben, war eigentlich reiner Zufall: Wir brauchten einfach Mandate, um daran die vom Rechtsgebiet unabhängige Software zu entwickeln.

rightmart aus Sicht der Zielgruppen

 

Seedmatch: Es gibt eine Reihe von Anbietern, die mit ähnlichen Produkten wie euren an den Start gegangen sind. Was hat der Service von rightmart seinen Konkurrenten voraus?

Marco Klock: Die Kunden lieben die Einfachheit unseres Services und natürlich die Tatsache, dass keine Kosten entstehen. 2016 haben wir mehr als 3.500 zufriedene Kunden akquirieren können.

Dazu bedienen wir mit dem Bescheid-Thema ein Feld, welches aufgrund der hohen Komplexität von Kanzleien oder Dienstleistern bisher kaum skaliert wurde. Trotzdem sind wir auch für andere Ansprüche gerüstet: rightmart ist einer echten Kanzlei vorgeschaltet, die im Ernstfall durch alle Instanzen klagt. Dies können andere nur bedingt, da dort in erster Linie nicht die Kanzlei der Dienstleister ist.

Da wir aber langfristig denken, ist unser größter Vorteil der Ansatz unserer Software: Wir ersetzen nicht den Anwalt, sondern schaffen die optimal effiziente Zusammenarbeit zwischen Anwalt und Software – Stichwort „workflow“. Will sagen: Wir sind einfach schneller und besser, da Wissen zielgenau reproduziert werden kann und alle Mandate prozessorientiert bearbeitet werden.

Das Argument, ein moderner Dienstleister wie rightmart werden keine Mandate bearbeiten können, die „zu komplex“ sind, trifft auf uns nicht zu. Bei uns ist jede Komplexität möglich; von Fall zu Fall unterscheidet sich lediglich die Verteilung der Ressourcen. So gesehen sind die Bescheide nur unser erster Streich!

 

Seedmatch: Marco, du bist der Seedmatch-Crowd ja bereits als Co-Gründer von edicted. bekannt. Wie ist es darüber hinaus zu deinem Engagement bei rightmart gekommen?

Marco Klock: Wir haben uns Ende 2015 bei edicted. für eine neue Ausrichtung entschieden und dafür den Verlag C. H. Beck als starken Partner gewinnen können. Für edicted. ein riesiger Schritt und eine große Anschlussfinanzierung – also ein erfreuliches Thema für die Crowd.

Ebenfalls 2015 haben wir einen Teil der alten edicted.-Gesellschafter und mehrere Rechtsanwälte gewinnen können, um unter der Führung von Philipp Harsleben [Co-Gründer von edicted.; Red.] und mir das Konzept Kanzlei neu zu denken. Auch deshalb, weil wir beweisen wollten, dass Kanzleien so strukturiert sein können, wie wir es uns aus Sicht von edicted. propagierten. Dieses Konzept haben wir rightmart genannt.

Die Initiative ging also von Philipp und mir aus, wobei wir mittlerweile bei rightmart ein großes Team beschäftigen. Wir sind deshalb „nur“ die strategischen und technologischen Geschäftsführer.

 

Seedmatch: Scheinbar bietet der LegalTech-Bereich also eine Menge Potenzial! Welchen Einfluss, glaubt ihr, kann die Digitalisierung auf den Rechtsmarkt insgesamt haben?

Jan Frederik Strasmann: Die Digitalisierung wird den Rechtsmarkt genauso verändern, wie andere Branchen zuvor auch verändert wurden. Die Kunden lechzen nach einfachen Lösungen, auch für komplexe und intime Themen wie das eigene Recht.

Allen Kritikern zum Trotz wird es keinen Zweifel daran geben, dass die Rechtsdienstleistung in zehn Jahren eine komplett andere sein wird als heute. „Scheinbar“ unkomplexe Rechtsfälle wie die Prüfung von Bescheiden – was in der Realität gar nicht so einfach ist – oder der Anspruch auf Fluggastentschädigung sind nur Vorläufer einer neuen Generation von Dienstleistern. Dies wird enden in einer Konsolidierung des Marktes, bei der wenige Markenbzw. Player einen sehr großen Market-Share haben.

Aus Sicht des Kunden ist das nur zu wünschen, da nur diese neuen Player mit alten Konventionen brechen können. So wird der Rechtsrat der Zukunft den Kunden wie ein benutzerfreundliches Produkt mit Service und Support präsentiert.

Gerade in Sachen Preis-/Leistungs-Transparenz, Qualität und Kosten wird die Digitalisierung in der Zukunft den Rechtsmarkt nachhaltig verändern. Witzigerweise führt dies dazu, dass Unternehmen durch diese modernen Rechtsdienstleister eine weitere „Kontrollinstanz“ dulden müssen: Kunden werden ohne großen Aufwand und kostenlos selbst kleinste Rechtsfälle prüfen lassen können und sich so eher zur Wehr setzen, als es heute der Fall ist.

rightmart – ein Startup bei Seedmatch

 

Seedmatch: Die Crowdfunding-Kampagne von edicted. im vergangenen Jahr war erfolgreich. Nur einer der Gründe, warum ihr euch auch bei rightmart für eine Finanzierung von und mit der Crowd entschieden habt?

Marco Klock: Wir wollten, dass die Crowd auch an der rasanten Entwicklung von rightmart Teil hat. Nicht nur, um die Kontroverse der Doppeltätigkeit von Philipp und mir zu entlasten, sondern weil wir mit rightmart und edicted. gleich von zwei Seiten – nämlich B2c und B2B – den Rechtsmarkt nachhaltig prägen werden. Daran soll auch jeder bisherige Investor von edicted. teilhaben können.

Darüber hinaus ist rightmart ein Customer-Thema und quasi für jeden Investor interessant. Sei es ein Bußgeld- oder Wasauchimmerfürein-Bescheid: genervt ist jeder davon. Ich investiere doch noch lieber in etwas, was ich selbst auch noch verwenden kann. So schien ist rightmart insgesamt sehr gut geeignet.

 

Seedmatch: Wofür werdet ihr das Kapital der Crowd einsetzen?

Jan Frederik Strasmann: Im Wesentlichen wollen wir die Software-Entwicklung weiter forcieren. In Person nennen wir das neue Projekt „Bescheiddoktor“. Eine App, die es jedem ermöglicht, direkt einen Bescheid in unsere Systeme zu übermitteln und eine kostenlose Überprüfung anzustoßen.

Dies hilft uns aus Business-Sicht sehr, die Kunden zu binden und unsere Conversion Rates zu steigern. Aus Sicht des Kunden ist es einfach nur angenehm in einer Situation der Verärgerung mittels einer App eine passende Lösung parat zu haben.

 

Seedmatch: Ein Blick nach vorn: Welche konkreten Ziele habt ihr mit rightmart?

Marco Klock: Dieses Jahr werden wir mit mehr als 4.000 gewonnenen Neukunden abschließen, nächstes Jahr wollen wir auf 12.000 erhöhen. Gleichzeitig werden wir Ende Q1/2017 den „Bescheiddoktor“ zum Leben erwecken und zwei neue Produkte launchen. Wir haben schon heute das gesamte nächste Jahr mit Zielen abgesteckt, die unsere Produkte und unseren Service noch wesentlich besser machen.

Langfristig wollen wir mit rightmart die Marke vom Verbraucher-Rechtsmarkt sein. Wir wollen den Mandanten in Qualität, Preis und Support eine Dienstleistung bieten, welche die Durchsetzung des eigenen Rechts so einfach macht, wie eine Bestellung bei Amazon.

 

 

Warnhinweis: Der Erwerb dieser Vermögensanlage ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Vermögens führen.

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  1. Toni sagt:

    Hallo,

    ich bin eben über das Googeln von Rightmart auf diese Seite gestoßen und wollte kurz meine Meinung dazu äußern.

    Kurzum: Ich finde es total brilliant, dass sich mal jemand das Ziel setzt, die Bürokratie in diesem Land (vor allem die mit juristischem Gerüst) etwas zu vereinfachen und zugänglicher zu machen. Vor allem mit den ganzen neuen Rechtsfallen des Internets ist das wohl höchste Eisenbahn. Man muss inzwischen ja schon Seiten wie betrugstest.com in den Favoriten haben, um nicht dauernd irgendwelchen Betrügern auf den Leim zu gehen.

    Da bin ich allerdings auch schon bei dem Aspekt, mit dem ich mir ganz sicher bin. Und zwar das Strichwort „Digitalisierung des Rechtsmarkts“. Vielleicht ist es ein etwas altmodischer Gedanke, der da durchkommt, aber ich bin schon etwas skeptisch, wenn es darum geht, die kompletten Justiz-Vorgänge mit in den digitalen Kosmos zu nehmen. Denn sobald es etwas online (=öffentlich) ist, kann es bislang ja auch gehackt werden, oder?