„Unsere Programme haben empirisch nachgewiesene Wirksamkeit“ – Bernd Altpeter vom DITG im Gespräch

Das Deutsche Institut für Telemedizin und Gesundheitsförderung (DITG) aus Düsseldorf tritt an, um telemedizinische Versorgungskonzepte zum Standard in der Betreuung chronisch kranker Menschen zu machen. Das Team rund um Gründer und Geschäftsführer Bernd Altpeter möchte mit dem „nachweislich wirksamen E-Health-Programm“ Betroffene anleiten, durch einen veränderten Lebensstil zu mehr Lebensqualität zu finden. Das Funding für DITG startet am Donnerstag, um 12 Uhr. Wir sprachen im Vorfeld mit dem Gründer über seine Vision und bereits erreichte Ziele.


Bern Altpeter – Geschäftsführer der DITG

Seedmatch: Hallo Herr Altpeter. Zunächst einmal die Frage: Ein „Lebensstil-Interventionsprogramm“ für chronisch kranke Patienten – was genau kann man sich darunter vorstellen? Was ist eine Lebensstil-Intervention?

Bernd Altpeter: Zunächst einmal möchte ich erläutern, was eine chronische Erkrankung ist: Unter einer chronischen Erkrankung versteht man eine länger andauernde, schwer heilbare Krankheit. Fast 40 Prozent aller Bundesbürger gelten als chronisch krank, das sind mehr als 32 Millionen Menschen. Aufgrund der hohen Zahl redet man bei manchen Krankheiten auch von sogenannten Volkskrankheiten, wie zum Beispiel bei Diabetes. Hier geht man davon aus, dass etwa zehn Millionen Menschen in Deutschland sogenannte Typ-II-Diabetiker sind. Bei dieser Form des Diabetes kann unser Lebensstil einen großen Einfluss auf den Krankheitsverlauf nehmen. Deshalb wird sie auch Zivilisationskrankheit genannt. Unter Lebensstil bezeichnet man die Art und Weise der Lebensführung. In der Medizin geht es dabei um die gesundheitlichen Aspekte wie Ernährung, Rauchen, Schlafverhalten, Stress und Bewegung.

Entwickeln sich diese gesundheitlichen Aspekte negativ, führt es in vielen Fällen zu Übergewicht und Folgekrankheiten wie Diabetes. In Deutschland gelten bereits fast 70 Prozent der Männer und 50 Prozent der Frauen als übergewichtig. Sie sind somit potenziell gefährdet an Diabetes zu erkranken. Tendenz steigend.

Diesen Menschen verhelfen wir mit unseren Programmen zu einem gesünderen Lebensstil. Das bedeutet, sie erhalten von unseren „Gesundheits-Coaches“ via Telefon, Mail und SMS oder durch Informationen über unsere Online-Plattform Unterstützung in der Ausgestaltung des Alltags zur Verbesserung ihrer Bewegung und Ernährung sowie gegebenenfalls auch bei der Stressbewältigung oder im Umgang mit ihren Krankheiten. Vielen ist anfangs gar nicht bewusst, dass sie mit einem gesünderen Lebensstil auch selber großen Einfluss auf ihre Krankheit nehmen und ihren Gesundheitszustand zum Teil signifikant verbessern können. Dabei unterstützen wir sie.

Besonders wichtig ist dabei, dass wir den Teilnehmern auf Basis von realistischen Zielen helfen, ihr Verhalten so nachhaltig zu verändern, dass sie nach Ablauf von zwölf Monaten nicht wieder in ihre alten Verhaltensmuster zurückfallen.  

Die Umstellung des Lebensstils hilft den Gesundheitszustand eines Teilnehmers deutlich zu verbessern. Alle sogenannten Vitalparameter wie Blutzucker, -fette, -druck, Cholesterin, Gewicht usw. verbessern sich bei den Teilnehmern so signifikant, dass die betreuenden Ärzte die jeweilige Therapie anpassen und in vielen Fällen die Menge und Anzahl von Medikamenten reduzieren.

Neben der Krankheit selbst belasten viele Menschen nämlich auch die mit einer chronischen Erkrankung einhergehenden Medikamente.Der ganzheitliche Ansatz des eHealth Unternehmens DITG

 

Seedmatch: Medikamentöse Therapien sollen also reduziert und die Patienten stärker zu einem gesunden Lebensstil angeregt werden. Wer sind die Coaches, die den Patienten anleiten und wie lange begleiten diese einen Patienten?

Bernd Altpeter: Die Coaches sind die wichtigsten Erfolgsfaktoren unserer Programme. Durchschnittlich dauert eine Betreuung zwölf Monate. Diese Monate sind in unterschiedliche Phasen unterteilt. Wichtig ist vor allem die Intensivphase zu Beginn, um nicht nur kurzfristig Erfolge zu erzielen, aber vor allem, um die Motivation hoch zu halten. Zum Ende gibt es eine sogenannte Erhaltungsphase, in der wir überprüfen, ob die Teilnehmer ihr Alltagsverhalten tatsächlich so umgestellt haben, dass sie keine Unterstützung mehr benötigen. Verläuft diese positiv, dann ist die Nachhaltigkeit des Erfolgs gewährleistet.

Um eine qualifizierte Begleitung der Teilnehmer sicher zu stellen, verfügen alle „Gesundheits-Coaches“ neben einer fundierten Ausbildung als Diabetesberaterin, Diätassistenten, Oecotrophologen oder Ernährungs- bzw. Sportwissenschaftler auch über umfassende Berufserfahrung als Praxis- oder Klinikmitarbeiter. Sie sind also für die täglichen Herausforderungen im praktischen Umgang mit den Patienten bestens gerüstet.

 

Seedmatch: Und wo bringt sich DITG ein? 

Bernd Altpeter: Zunächst ist es sehr wichtig, dass das DITG gemeinsam mit dem Teilnehmer konkrete Ziele und Meilensteine zur Verbesserung des Gesundheitszustandes vereinbart. Das sind meistens Ziele im Bereich der Gewichtsreduzierung, des verbesserten Langzeitblutzuckers (HbA1C) und auch anderer Vitalparameter. Im laufenden Programm lernt der Teilnehmer, wie sich sein Lebensstil auf seine Erkrankung auswirkt und wie er positiven Einfluss auf das Krankheitsbild nehmen kann. Um dann seine vereinbarten Ziele auch realistisch erreichen zu können, geben die Coaches konkrete Hilfestellungen zur Verbesserung von Ernährung und Bewegung, die die Teilnehmer auch ihrem jeweiligen Alltag, angepasst an ihre individuellen Lebensumstände, möglichst einfach umsetzen können.

Es dürfen keine radikalen oder unrealistischen Veränderungen gefordert werden. Das frustriert die Teilnehmer und sie brechen das Programm ab. Wir hingegen haben eine extrem geringe Abbrecherquote. Je nach Programm zwischen 5 und maximal 15 Prozent. Davon beenden aber auch einige das Programm aus anderen gesundheitlichen Gründen vorzeitig, zum Beispiel wegen einer anstehenden Operation.

Anders als bei traditionellen Call Centern rufen unsere Teilnehmer nicht bei uns an, sondern wir bei ihnen. Pro Teilnehmer gibt es fest zugeordnete Coaches. Da die persönliche Beziehung zwischen Teilnehmer und Coach einer der größten Erfolgsfaktoren ist, haben wir uns für diese Form der 1:1-Betreuung entschieden. Im Falle von Urlaub und Krankheit gibt es eine feste Vertretung. Daher kommt es zu keinen Programmverzögerungen oder Nachteilen für die Teilnehmer.

Eine Beraterin die mittels Telemedizin Patienten berät

Foto: Marcus Simaitis

 

Seedmatch: Wer steckt hinter der Idee und wo liegt die Expertise des Teams?

Bernd Altpeter: Die Idee wurde schon vor einigen Jahren von Prof. Dr. Stephan Martin, heute Chefarzt beim Westdeutschen Diabetes- und Gesundheitszentrum (WDGZ), entwickelt. Seit 2006 erforscht er in zahlreichen medizinischen Studien, wie Menschen mit einer Veränderung ihres Lebensstils ihre Diabetes-Erkrankung erfolgreich bekämpfen können. Diese Forschung machte ihn national und international zu einem gefragten Experten. Schon damals begeisterte ihn die Idee, die Betreuung dieser Patienten über Telemedizin alltagstauglich zu gestalten.

Ärzte haben nicht die Zeit, ihre Patienten täglich zu überwachen und zu betreuen. Die Telemedizin gibt uns seit einigen Jahren die Möglichkeit, tagesaktuelle Daten zu Bewegung, Ernährung, Blutzucker und Blutdruck zu erheben und somit dem Patienten zeitnah wertvolle Tipps zur Verbesserung seines Gesundheitszustands zu geben.

Ich persönlich habe mich im Rahmen meiner Tätigkeit als Unternehmensberater mit der Optimierung der Versorgung von Diabetikern befasst. Seit 2006 bin ich als Unternehmer im Bereich Telemedizin tätig und befasse mich damit, innovative Geschäftsmodelle wirtschaftlich erfolgreich und national wie auch international skalierbar zu machen. Ergänzend habe ich in den letzten Jahren international im Bereich Digitalisierung des Gesundheitsmarkts gearbeitet. Mit dem DITG möchte ich nun beweisen, dass es durch den Einsatz moderner Technologien möglich ist, Gesundheit wirkungsvoller und kostengünstiger zu gestalten und so die kontinuierliche Abwärtsspirale aus steigenden Kosten und immer schlechterer Versorgung zu durchbrechen.Das Team des DITG

 

Seedmatch: Wie sieht der Markt dafür aus? Was hat DITG dem Wettbewerb voraus? Wie grenzt sich DITG von anderen nicht-medikamentösen Therapien ab?

Bernd Altpeter: Wir stellen fest, dass es für die Pharma-Industrie im molekularen Bereich immer schwieriger wird, innovative Präparate zu entwickeln, die bei bestehenden Krankheiten signifikante Therapiefortschritte erzielen. Entsprechend werden nicht nur die Entwicklungen und Zulassungsverfahren immer teurer, sondern auch die Kosten der Therapien. Vor diesem Hintergrund gibt es eine steigende Nachfrage der Versicherungs- und auch der Pharmaindustrie nach alternativen Versorgungskonzepten.

Auch der Staat subventioniert solche Programme. Am 23. Juli 2015 trat das Gesetz zur Stärkung der Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung (Versorgungsstärkungsgesetz) in Kraft. Es zielt darauf ab, auch in Zukunft eine gut erreichbare, medizinische Versorgung der Patientinnen und Patienten sicherzustellen. Um diese Entwicklung weiter zu unterstützen, wurde 2015 zeitgleich der sogenannte Innovationsfonds verabschiedet. Er ist ein gesundheitspolitisches Instrument zur Förderung der Integrierten Versorgung und Versorgungsforschung. Ab dem Jahr 2016 wird er mit jährlich 300 Millionen Euro ausgestattet. Er  soll innovative, sektorenübergreifende Versorgungsformen und die Versorgungsforschung fördern.

Aktuell gibt es keinen Wettbewerber auf dem Markt der Telemedizin, der ein vergleichbares therapiebegleitendes Programmangebot mit ähnlich guten medizinischen Ergebnissen hat wie wir. Im Gegensatz zu anderen Anbietern beruhen unsere Programme auf umfassenden Studienergebnissen, die ihre medizinische Evidenz – empirisch nachgewiesene Wirksamkeit – nachweisen. Diese Studien, die unter Leitung von Prof. Dr. Martin durchgeführt wurden, beweisen, dass wir evidenzbasierte Telemedizin praktizieren. Nach meiner Kenntnis kann diese Aussage bisher weltweit niemand sonst treffen.

 

Lesen Sie auch den zweiten Teil des Interviews mit Bernd Altpeter. Darin beantwortet er unter anderem die Fragen, wie Krankenkassen und Ärzte das Beratungskonzept von DITG aufnehmen und warum sich das Unternehmen für die Crowd entschieden hat.

 

Warnhinweis: Der Erwerb dieser Vermögensanlage ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Vermögens führen.

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  1. Das Vorhaben des DITG hat unser Team sehr gerne mit einem Imagefilm unterstützt! Wir freuen uns das die Kampagne nun mehr Investoren erreicht und wünschen Herrn Altpeter und seinem Team auf dem Weg der Crowdfunding Aktion alles Gute.

    Freundliche Grüße
    Carsten Rusch
    Kreativfilm TV