„Es geht darum, die geölte Maschine mit genug Sprit zu versorgen, um wirklich durchzustarten“ – RESTUBE im Gespräch

Auf dem Fahrrad tragen wir einen Helm, beim Skifahren Protektoren und beim Schwimmen? Allein in Deutschland sind im Jahr 2014 fast 400 Menschen ertrunken. Christopher Fuhrhop, Gründer von RESTUBE, erlebte selbst eine kritische Situation beim Kitesurfen und will das Wasser seitdem mit Hilfe seiner Erfindung sicherer machen. Mit diesem Ziel hat das Karlsruher Startup RESTUBE zur Selbst- und Fremdrettung entwickelt: Eine in Sekundenschnelle aufblasbare Boje, die mehr Sicherheit bei allen Aktivitäten im und am Wasser geben soll – ohne dabei die Bewegung einzuschränken. Wir haben Christopher vor dem Fundingstart am Donnerstag auf den Zahn gefühlt.

 

Seedmatch: Hallo Christopher! Morgen startet das Crowdfunding für RESTUBE. Stell dich doch bitte kurz vor und erkläre in zwei bis drei Sätzen, was hinter dem Namen steckt.

Christopher Fuhrhop: Servus, vor allem habe ich Spaß daran die Leute um mich herum zu begeistern und lasse mich auch selbst gerne von großen Visionen anstecken! An der Uni Karlsruhe konnte ich mein Maschinenbaustudium mit einer Diplomarbeit über RESTUBE abschließen. Gemeinsam mit meinem Mitgründer Marius haben wir RESTUBE von der Idee bis hin zum Produkt entwickelt. Eins kam zum anderen und heute bringe ich RESTUBE als Geschäftsführer mit unserem Team Schritt für Schritt auf die nächsten Stufen. Wir haben schon heute über 20 Leben gerettet! RESTUBE hat also viel mit Rettung zu tun und so kam auch der Name zu Stande: Was zu Beginn als eine Kurzform von „rescue tube“ gedacht war hat mittlerweile noch vielmehr den Hintergrund, dass RESTUBE auch schlichtweg Deine „Pause im Wasser“ ist. REST TUBE > RESTUBE. Bei uns geht es sowohl um Mehr Freiheit, als auch mehr Sicherheit im Wasser.

BERLIN, GERMANY - JUNE 30: Christopher Fuhrhop and Marius Kunkis attend the Deutscher Gruenderpreis 2015 on June 30, 2015 in Berlin, Germany. (Photo by Franziska Krug/Getty Images)

BERLIN, GERMANY – JUNE 30: Christopher Fuhrhop and Marius Kunkis attend the Deutscher Gruenderpreis 2015 on June 30, 2015 in Berlin, Germany. (Photo by Franziska Krug/Getty Images)

 

Seedmatch: Wie bist du auf die Idee gekommen, ein solches Produkt zu entwickeln? Was ist das Besondere an RESTUBE?

Christopher Fuhrhop: Vor ein paar Jahren hatte ich eine kritische Situation im Wasser und musste ewig schwimmen. Im Nachhinein war ich sehr erstaunt darüber, wie viele andere Leute auch schon solche Situationen erlebt haben, das Thema aber irgendwie eine Art Tabu ist. Man spricht kaum über die Gefahren des Wassers. Kein Wunder, denn im Urlaub oder in der Freizeit denkt man nicht gerne an solche Dinge. So kam mir die Idee, etwas zu entwickeln, das man immer bei sich haben kann. Und das ist auch schon das Besondere: RESTUBE ist so einfach. Ein kleines Päckchen mit genug Auftrieb (ca. 7,5l), um die meisten Situationen direkt zu entschärfen. Oder einfach um eine schönere Zeit im Wasser zu haben und einen freien Kopf, quasi den „peace of mind“.

 

Seedmatch: Vom ersten Gedanken zum fertigen Produkt – wie lange habt ihr gebraucht, bis ihr dem ersten Kunden das erste RESTUBE verkauft habt? Welche Herausforderungen gab es?

Christopher Fuhrhop: Long story short, die Idee hat schon seit etwa 2006 irgendwo in der Schublade geschlummert, durch Zufall ging es an der Uni damit weiter und ich konnte Leute dafür begeistern, mitzumachen. 2011 kamen dann unsere Diplomarbeiten und ein erster funktionsfähiger Prototyp war geboren – mit aus Schwimmflügeln herausgeschnittenen Mundventilen und einem Auslöser aus einer Fahrradpumpe: großer Spaß! Mit NULL Startkapital konnten wir dann zum Glück 2012 ein EXIST Gründerstipendium der Bundesregierung aktivieren, als ISPO brand new Finalist auch die erste Messe besuchen (damals wussten wir nicht mal was der Unterschied zwischen einem Distributor, Agent oder einem Retailer ist), erste Vorbestellungen generieren und am 1.6.2012 dann den ersten Verkauf über den Onlineshop umsetzen. Dann habe ich in einer kleinen Roadshow die Küste Deutschlands abgefahren und RESTUBE vorgestellt. Teils gab es viele Fragen – wie Menschen eben so bei neuen Themen sind – und Teils Liebe auf den ersten Blick. Der Rest ist Geschichte.Boje-ClassicSeedmatch: Welche Unterstützung habt ihr auf diesem Weg erfahren?

Christopher Fuhrhop: Von allen Seiten haben wir Unterstützung erhalten. Vielleicht auch einfach weil es eine so simple Idee ist und mal wieder ein „echtes“ Produkt sein Glück als Startup probieren wollte. Klar haben Freunde & Family von Anfang an geholfen – das CIE, der Gründungsinkubator der Uni Karlsruhe, hat darüber hinaus eine Marktrecherche finanziert, wir durften am wbk & IPEK der Universität Karlsruhe bei Prof. Fleischer und Prof. Albers unsere Diplomarbeiten schreiben. Mit dem EXIST Gründerstipendium konnten wir uns dann ein Jahr auf die Entwicklung und den Vertriebsstart konzentrieren. Klaus Modelle Pforzheim oder Q-Prints sind Lokale Produktionsstäten, die uns noch heute unterstützen. Dann ging es weiter: Mit Marinepool oder Vaude konnten wir größere Produktionspartner gewinnen und durch das Junge Innovatoren Stipendium 2013 unsere Miete zahlen. Mit Familie Blanc konnten wir den ersten „Business Angel“ für uns gewinnen. Seit der letzten Finanzierungsrunde ist unter anderem auch Frau Prof. Susanne Porsche bei uns als Investorin dabei. Das sind nur Auszüge aus den hunderten Menschen denen wir dankbar sein können, den Weg so gehen zu können! An dieser Stelle: Danke!

 

Seedmatch: Wo steht ihr derzeit? In welcher Größenordnung bewegen sich eure Umsätze, wie groß ist das Vertriebsnetz?

Christopher Fuhrhop: 2015 haben wir knapp 700.000 Euro Umsatz gemacht. Wir sind mittlerweile bei circa 500 Händlern in 20 Ländern zu finden. Immer mehr Partner verkaufen unsere Produkte und es gibt immer mehr starke Multiplikatoren. Wir sind in vielen Surfläden zu finden, aber auch bei Globetrotter, SportScheck, Intersport, Sport2000, Bauhaus etc.. Wir sind außerdem offizieller Safety Partner und Ausrüster der Schweizer Lebensrettungsgesellschaft, die unsere RESTUBE lifeguard als Rettungsmittel seit etwa 8 Monaten einsetzen. Große Events mit bis zu über 2.000 Teilnehmern setzen RESTUBE verpflichtend für die Teilnehmer ein! Hier sind wir wiederum offizieller Safety Partner. Aus den Nischenmärkten kommend steht jetzt der Massenmarkt vor der Tür – mit einer breiten Basis, die wir die letzten Jahre sauber gelegt haben.

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Seedmatch: Im vergangenen Jahr habt ihr den Deutschen Gründerpreis in der Kategorie Startup gewonnen. Welche Bedeutung hat diese Auszeichnung für euch?

Christopher Fuhrhop: Wir freuen uns enorm über diese bedeutende Auszeichnung, denn es zeigt wie unsere Arbeit langsam immer mehr Beachtung und Anerkennung findet. Diesen Montag haben wir mit dem ISPO GOLD AWARD zum zweiten Mal den wichtigsten Preis der Europäischen Sportfachbranche gewonnen, was wieder einen guten „Boost“ im Handel mit sich bringen wird, der langfristig seine Wirkung zeigt. Aber am Ende muss man es ganz realistisch sehen: Preise sind keine Ziele, man kann sich nicht von Ihnen ernähren und man sollte sich auch nicht damit brüsten! Es gibt tausende talentierte und motivierte Menschen, die ebenso an derselben Stelle stehen könnten. Solche Preise sind eine Unterstützung in der Kommunikation und helfen, wahrgenommen zu werden. Was aber heute zählt ist der Umsatz, den RESTUBE langfristig erreicht, die hunderte Leben die RESTUBE retten wird und, dass wir das mit unseren sehr klaren und ehrlichen eigenen Richtlinien auf die Spur bekommen.

 

Seedmatch: Hat die Entscheidung, eine Crowdfunding-Kampagne zu starten, besondere Gründe? Inwiefern passt dieser Schritt zu eurer Unternehmensstrategie?

Christopher Fuhrhop: Wir haben immer darauf geachtet, dass wir Wachstumsfinanzierungen mit weiteren Vorteilen verbinden. Die große Chance, die wir in der Crowd-Finanzierung sehen ist, dass eine große Anzahl an ganz unterschiedlichen Menschen an dem Wohl von RESTUBE interessiert sind und auch den Werdegang verfolgen und darüber sprechen. Crowdinvesting ist für uns also die Möglichkeit, neben den weiter nötigen Mitteln für das Wachstum, den Schritt in den Massenmarkt mit einer breiten Basis an Meinungsbildnern zu untermauern. Wir werden ganze Länder Missionieren und das können wir nicht alleine.

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Seedmatch: Wie sieht der Markt für Restube aus? Welche Kundengruppen wollt ihr ansprechen?

Christopher Fuhrhop: Vom Surfer, Kitesurfer, Windsurfer, Stand Up Paddler, über den Motorbootfahrer oder Segler, dem Kanuten oder Ruderer, dem Angler am Fels oder auf dem Boot bis hin zum Schnorchler, der Familie, der alten Dame oder dem Rettungsschwimmer. Unser Produkt ist so vielfältig einsetzbar, dass wir hierfür eine klare Marktzugriffstrategie entwickelt haben um absolut fokussiert vorzugehen. Alle Maßnahmen und Produkte orientieren sich genau an dieser Strategie.

 

Seedmatch: Was habt ihr mit dem frischen Kapital konkret vor? Wo soll es in den nächsten Jahren hingehen?

Christopher Fuhrhop: Jeder zehnte mit dem wir sprechen – egal aus welcher Zielgruppe – kauft RESTUBE. Wir wollen und vor allem im Bereich Vertrieb und Marketing stärken, um RESTUBE auf die nächste Ebene zu heben. Hierzu gehört ein amtliches Video, eine perfekte Webseite mit einem B2B-Backend, um die Prozesse schlanker zu gestalten, mehr Kommunikationsarbeit, Ausweitung des Produktportfolios und eine Verbesserung der Produktionskosten, um eine RESTUBE-Version tatsächlich für den Massenmarkt zu öffnen. Die Netzwerke bestehen, alles ist bereit für den Startschuss, es gibt viel zu tun. Jetzt geht es darum, die geölte Maschine mit genug Sprit zu versorgen, um wirklich durchzustarten. Wir freuen uns wenn Du mit am Start bist!

 

Seedmatch: Christopher, vielen Dank für deine Zeit und viel Erfolg für das Crowdfunding!

 

Warnhinweis: Der Erwerb dieser Vermögensanlage ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Vermögens führen.