„Startups sind die Innovationstreiber der Branche“ – Last Call für den Green Alley Award 2015

Die Vorbereitungen zum diesjährigen Green Alley Award laufen auf Hochtouren. Auch in diesem Jahr richtet Seedmatch gemeinsam mit dem Berliner Green Economy-Investor Green Alley den einzigen Startup-Wettbewerb aus, der sich auf die Circular Economy, also Kreislaufwirtschaft, spezialisiert hat. Weitere Partner sind in diesem Jahr das Londoner Accelerator-Programm Bethnal Green Ventures und die European Recycling Platform UK, wodurch die Brücke nach London, einer weiteren großen Startup-Metropole geschlagen wird.

Noch bis zum 15. September haben junge Unternehmer und Startups aus ganz Europa die Möglichkeit, sich für den Green Alley Award 2015 zu bewerben. Gesucht werden die besten Ideen rund um die Themen Recycling, Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit. Bewerber können ihr Pitch Deck ganz einfach online einreichen

Miriam Kehl ist Associate Director bei Green Alley Miriam Kehl ist Associate Director bei Green Alley und kennt sich als Referentin des Vorstands der Landbell AG für Rückhol-Systeme zudem mit den Herausforderungen der Kreislaufwirtschaft aus. Wir sprachen mit ihr darüber, warum die Recyclingbranche gerade für junge Unternehmer viele Möglichkeiten bereithält und was die Finalisten vom Green Alley Award erwarten dürfen.

 

Seedmatch: Hallo Miriam, schön, dass du, mitten in den Vorbereitungen zum Award, Zeit für uns hast. Bevor wir zum diesjährigen Award kommen, kurz zu Green Alley: Es gibt euch nun seit über 1,5 Jahren. Mit welchem Anspruch, welcher Idee seid ihr 2013 gestartet?

Miriam Kehl: Unsere Vision ist es, zu einem generellen Umdenken innerhalb der Kreislaufwirtschaft anzuregen und neuen Konzepten, Ansätzen und Ideen Raum für ihre Umsetzung zu geben. Durch meine Arbeit bei Landbell, dem Mutterkonzern von Green Alley, weiß ich, wie wichtig es ist, dass Rohstoffe aus Abfällen zurückgewonnen und ordnungsgemäß verwertet werden. Erst vor wenigen Tagen wurde eine Studie veröffentlicht, die verdeutlicht, dass wir uns insbesondere im Elektronikbereich um ein besseres Recycling bemühen müssen. Im Zeitalter von Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz muss sich der Fokus immer mehr von der reinen Abfallentsorgung hin zur Abfallvermeidung, zur intelligenten Wiederverwertung und damit letztlich zu einer gesteigerten Ressourcenschonung verschieben. Und so ist Green Alley entstanden: Unsere Mission ist es, innovative Ideen im Bereich der Kreislaufwirtschaft zu fördern und junge Gründer durch unser Expertenwissen zu unterstützen.

 

Seedmatch: Wie hat sich der Markt für Green Economy aus deiner Sicht entwickelt?

Miriam Kehl: Es gibt immer mehr Initiativen im Bereich der Green Economy, was eine sehr positive Entwicklung ist und die Bedeutung des Themas unterstreicht. Jeder weiß: Unsere Ressourcen werden immer knapper und wir können nicht auf die gleiche Art und Weise weiter wirtschaften wie bisher. Jedes Unternehmen, egal welcher Branche und Größenordnung, ist gefordert, seinen Beitrag zu einer Circular Economy zu leisten. Recycling und Kreislaufwirtschaft werden in diesem Zusammenhang zu Schlüsselthemen. Trotzdem klingen die Begriffe Abfall und Recycling einfach nicht sexy – hinter ihnen verbirgt sich kein Glamour. Doch wer genauer hinschaut, der entdeckt die zahlreichen spannenden Möglichkeiten für kreative Köpfe, Querdenker und Umdenker, die dann neue Projekte anstoßen und Startups gründen. Natürlich gibt es auch in diesem Geschäftsbereich gesetzliche Vorschriften und nicht zu wenige – aber dafür sind wir von Green Alley ja da: um erfolgsversprechende Ideen innerhalb der Kreislaufwirtschaft zu unterstützen.

 

Seedmatch: Welche Rolle spielt Deutschland im internationalen Vergleich?

Miriam Kehl: Wenn es um die Green Economy geht, nimmt Deutschland weltweit eine Vorbildrolle ein. Das lässt sich schon daran festmachen, dass wir die Energiewende konsequenter umsetzen als jedes andere Land. Was die Zahl der Gründungen und die Risikobereitschaft junger Unternehmer angeht, sind die USA natürlich immer noch Spitzenreiter. Aber tatsächlich investiert China im Bereich Green Tech mehr als jedes andere Land. Für Deutschland gilt es also, agil und innovativ zu bleiben, denn gute Startups mit grünen Ideen werden nicht nur unsere Volkswirtschaft enorm bereichern, sondern auch zum Umwelt- und Klimaschutz beitragen. Mit Blick auf die Recyclingbranche nimmt Deutschland im europaweiten Vergleich mit einer Recyclingquote von mehr als 60 Prozent einen der ersten Plätze ein. Vor uns liegt nur noch Österreich.green_alley-plakat

 

Seedmatch: Der diesjährige Wettbewerb möchte die Brücke nach London schlagen. Wird das Thema Green Economy und Zero Waste in UK anders angegangen?

Miriam Kehl: UK hat ähnliche Probleme wie der Rest Europas. Nach offiziellen Statistiken nutzt jeder Europäer jährlich 16 Tonnen Material und davon werden 6 Tonnen als „Abfall“ entsorgt. Zum einen sollten wir natürlich alle versuchen, weniger zu verbrauchen. Zum anderen vergessen wir oft, dass viele wertvolle Materialen im Abfall stecken. Die Sharing Economy, also die Idee, lieber Dinge zu teilen anstatt sie zu besitzen, boomt in den größeren Städten. In UK gibt es beispielsweise berühmte Blogger, die über ihre Erfahrungen in Sachen Zero Waste im Internet berichten und dort viele Nachahmer finden. Den Leuten ist ihre Umwelt also nicht egal, sie beteiligen sich aktiv. Gerade die Stadt London setzt sich mit dem Waste & Recycling Board sehr stark für Infrastrukturprojekte im Bereich der Abfall- und Kreislaufwirtschaft ein und arbeitet gerade an einer Route Map für die Circular Economy.

 

Seedmatch: Welche Rolle spielen Startups in diesem Zusammenhang?

Miriam Kehl: Von Startups geht eine hohe Innovationskraft aus. Junge Unternehmer gehen einfach mit einem frischen Blick an die Sache heran und können daher Probleme auf eine ganz neue Art lösen. Im Bereich der Kreislaufwirtschaft ist dieser frische Blick besonders wichtig, denn Innovationen finden hier zunehmend in Nischen statt. Startups entwickeln Lösungen für konkrete gesellschaftliche Bedürfnisse, sie sind flexibel und schnell anpassungsfähig. Sie nehmen teilweise sogar gesellschaftliche Veränderungen vorweg und schaffen damit ein neues Bewusstsein bei den Verbrauchern aber auch bei den Unternehmen, bilden neue Zielgruppen und verändern Märkte. Damit werden sie zum Innovationstreiber der Branche. Genau deshalb fördert der Green Alley Award auch den Austausch zwischen jungen Unternehmern und etablierten Entscheidungsträgern.

 

Seedmatch: Welche Idee aus dem Bereich Green Economy hat dich in den letzten Jahren wirklich begeistert? Oder anders gefragt: Welches Gründerteam hättet ihr gerne bei euch im Co-Working-Space gehabt?

Miriam Kehl: Die drei Vorjahres-Gewinner des Green Alley Awards haben mich ziemlich begeistert. Unter ihnen war das finnische Startup RePack, das eine wiederverwendbare Versandtasche für den Online-Handel entwickelt hat. Oder auch GreenLab Berlin, die einen Biodünger aus Abfällen der Kakaoproduktion anbieten. Diese Beispiele verdeutlichen, wie einfach ein Umdenken sein kann. Klar wird auch, dass Abfall eine echte Ressource ist. Wir sind daher schon sehr gespannt, welche Neuerungen wir diesmal entdecken werden.

 

Seedmatch: Deshalb nun auch zum Award. Letztes Jahr wurde er zum ersten Mal vergeben. Was hat sich seit dem letzten Award alles getan? Wie waren aus eurer Sicht die Rückmeldungen zu unserem gemeinsamen Projekt?

Miriam Kehl: Die Rückmeldungen waren durchweg positiv. Besonders die Vorjahres-Gewinner haben immer wieder deutlich gemacht, wie sehr sie vom Award profitiert haben. Sei es nun durch die neuen Kontakte aus unserem Netzwerk, die Medienaufmerksamkeit oder auch die Möglichkeit, gut vernetzt in Berlin zu arbeiten.

Neu ist, dass wir den Award nun ganz offiziell europaweit ausgeschrieben haben. Denn gute Ideen machen nicht an Ländergrenzen halt. Zudem ist Abfall eine globale Herausforderung und dafür braucht es länderübergreifende Lösungen. In diesem Jahr werden wir – neben Seedmatch – von zwei neuen Partnern aus UK unterstützt: Die European Recycling Platform UK mit Sitz in London ist unser Experte für den Elektronikbereich. Bethnal Green Ventures, die Sozial- und Ökounternehmer unterstützen, ist unsere Verbindung zur Londoner Startup-Szene.

 

Seedmatch: Die Bewerbungsphase für die diesjährige Verleihung ist im vollen Gange. Bewerbungen können noch bis 15. September eingereicht werden. Welchen Tipp hast du an Startups, die sich noch bewerben wollen?

Miriam Kehl: Sofort bewerben und nicht lange zögern! Die Bewerbung läuft online ab und Startups sollten unbedingt unseren Leitfaden nutzen, um die Bewerbung gut zu strukturieren. Wer den Green Alley Award gewinnen möchte, sollte nicht nur eine gute Idee haben, die die Kreislaufwirtschaft voranbringt oder ein Abfallproblem löst. Er oder sie muss auch die Fähigkeit besitzen, die Idee als Geschäftsmodell umzusetzen und zum Erfolg zu bringen. Dabei ist Engagement ganz wichtig und die Gabe, andere von seiner Idee begeistern zu können.Green Alley Award Deadline

 

 

Seedmatch: Möchtest du schon einen Zwischenstand zu den bisher eingegangenen Bewerbungen geben?

Miriam Kehl: Die Bewerbungsphase läuft noch bis zum 15. September und bereits jetzt haben wir Bewerbungen aus den verschiedensten Ländern der Welt erhalten, natürlich aus Deutschland und UK, aber auch aus Italien, Chile oder Indien. Aus dem letzten Jahr wissen wir: Viele Startups nutzen die gesamte Ausschreibungszeit, um ihre Bewerbung vorzubereiten und genauso ist es ja auch gedacht. Eine individualisierte Bewerbung, die auf das Thema unseres Awards eingeht, hat im Wettbewerb viel bessere Chancen, als eine standardisierte Unternehmenspräsentation. Deshalb freuen wir uns über alle guten Bewerbungen, die noch bis zur letzten Minute bei uns eingehen.

 

Seedmatch: Worauf können sich die Finalisten freuen?

Miriam Kehl: Alle Finalisten werden zur Abschlussrunde nach Berlin eingeladen. Anders als im letzten Jahr küren wir dieses Mal nur einen Gewinner. Dieser wird nicht nur finanziell unterstützt, sondern kann auch in unserem Co-Working-Space in Berlin arbeiten. Aber auch, wer den Award nicht gewinnt, wird in jedem Fall von der Veranstaltung profitieren. Vormittags finden verschiedene Workshops statt, in denen unsere Experten und Mentoren wertvolle Tipps geben. Abends öffnen wir die Türen für Medien und Gäste aus Politik und Wirtschaft. Da bietet sich also eine gute Gelegenheit zum Netzwerken. Am Abend, wenn die Finalisten ihre Idee vor unserer Jury pitchen, gibt es dann ein weiteres Mal wertvolles Feedback von außen. Rundum also einen spannenden Tag mit wertvollen Networking-Möglichkeiten – eine Chance, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

Seedmatch: Vielen Dank für deine Zeit, Miriam. Wir freuen uns auf das gemeisame Finale im November!