„Ready for take-off“: Rotorvox wird „schon während des Fundings Umsätze generieren“

Ein weiteres Startup möchte mithilfe der Crowd hoch hinaus – im wahrsten Sinne des Wortes: Rotorvox startet am Donnerstag, den 9. Juli 2015 ab 12 Uhr, sein Crowdfunding bei Seedmatch. Die aus Carbon gefertigten Gyrocopter des jungen Unternehmens ermöglichen privater und kommerzieller Luftfahrt ein preiswerteres Flugerlebnis, als es bspw. mit Helikoptern der Fall ist. Wir haben vor dem Fundingstart mit dem Gründer und Geschäftsführer Ronald Schoppe gesprochen.

 

Seedmatch: Hallo Ronald! Am Donnerstag startet euer Funding und viele Leute fragen sich: Was ist überhaupt ein Gyrocopter?

Ronald Schoppe: Ein Gyrocopter, oder im Deutschen auch Tragschrauber genannt, ist ein Luftfahrzeug, das auf den ersten Blick wie ein kleiner Helikopter aussieht, jedoch ein grundlegend anderes Antriebsprinzip besitzt. Während bei einem Helikopter der Rotor motorisch betrieben wird, dreht er sich bei einem Gyrocopter durch den Fahrtwind – das nennt man Autorotation. Wahrscheinlich kennt jeder das Prinzip vom Ahornsamen, der sich wie ein Kreisel elegant zu Boden bewegt. Der Vortrieb entsteht durch einen so genannten Pusher-Motor hinter der Pilotenzelle.

Aufgrund der technischen Unterschiede sind Gyrocopter wesentlich einfacher zu fliegen und darüber hinaus deutlich günstiger in Betrieb und Wartung, da sie zur Klasse der Ultraleicht-Flugzeuge (ULs) gehören.

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Seedmatch: Wo finden Gyrocopter Einsatz? Wie definiert ihr eure Zielgruppe?

Ronald Schoppe: Gyrocopter werden vor allem privat als Luftsport- und Freizeitgerät, aber auch als Transportmittel eingesetzt. Auch im gewerblichen Bereich gibt es zahlreiche Anwendungsfelder für Gyrocopter. Angefangen bei Flugschulen, die Gyrocopter zu Ausbildungszwecken einsetzen, über touristische Einsatzgebiete wie Rundflüge bis hin zur Luftüberwachung vielfältigster Art. Auch in der Landwirtschaft werden Gyrocopter bereits eingesetzt.

Unsere Zielgruppe findet sich in beiden Bereichen wieder – sowohl im Privatmarkt, als auch im kommerziellen Sektor. Hobbypiloten profitieren dabei von dem hohen Komfort, den erstklassigen Materialien und der tadellosen Verarbeitung, denen sie im Rotorvox C2A begegnen. Bei einer gewerblichen Nutzung ist ganz besonders die hohe Nutzlast unseres Gyrocopters von Vorteil. Der großzügige Innenraum bietet dabei viel Platz für Gepäck oder technisches Equipment. Sogar ein Liegendtransport von Personen ist mit dem Rotorvox C2A möglich.

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Seedmatch: Wie kam es dazu, dass ihr ein solches Fluggerät konzipieren wolltet?

Ronald Schoppe: Für die Frage muss ich etwas ausholen. In der Zeit vor Rotorvox war ich bei Volkswagen Motorsport als leitender Ingenieur in der Fachgruppe Fahrwerk tätig. Für die Rallye Dakar wurden die Testfahrten immer mit einem Helikopter überwacht, was pro Flugstunde mit mehr als 1.000 Euro zu Buche schlug. Das war der Punkt an dem wir dachten: „Da muss es doch eine Alternative geben“. Jedoch haben die am Markt erhältlichen Gyrocopter unsere Anforderungen nicht erfüllt, sodass die Idee geboren war, einen eigenen Gyrocopter mit den Entwicklungs- und Fertigungsmethodiken aus dem modernen Motorsport zu entwickeln.

 

Seedmatch: Welche Vorteile haben Gyrocopter dabei gegenüber Helikoptern?

Ronald Schoppe: Anfangs habe ich bereits die deutlich geringeren Kosten für Wartung und Betrieb erwähnt – wir sprechen hier von rund 80% Ersparnis. Auch die Kosten für eine Fluglizenz sind deutlich geringer. Aber nicht nur wirtschaftliche Aspekte sprechen für den Einsatz eines Gyrocopters: Durch die angesprochenen Auf- und Antriebsprinzipien ist ein Strömungsabriss kaum möglich, was einen Gyrocopterflug sehr sicher macht. Außerdem ist ein Gyrocopter gegenüber Turbulenzen wesentlich unempfindlicher.

 

Seedmatch: Wer kann einen Gyrocopter fliegen? Muss man eine spezielle Ausbildung absolvieren?

Ronald Schoppe: Um einen Gyrocopter fliegen zu können, wird eine Ultraleicht-Lizenz benötigt. Dazu benötigt man ein gültiges „Medical“, in dem die Tauglichkeit von einem Fliegerarzt bescheinigt wird. Wer noch keine Ahnung vom Fliegen hat, benötigt für die Ausbildung im Schnitt 35 Stunden. Wobei ein guter Fluglehrer immer dazu raten wird, die Ausbildung über einen längeren Zeitraum zu machen, um auch bei allen Wetterlagen geflogen zu sein. Wer schon eine Lizenz für eine andere Flugzeugklasse besitzt, hat es etwas einfacher. Übrigens kann man die Pilotenausbildung für Gyrocopter ab August 2015 auch direkt bei uns beginnen.

 

Seedmatch: Wie weit ist die Entwicklung des Rotorvox C2A vorangeschritten? Kann man ihn schon kaufen?

Ronald Schoppe: Der Rotorvox C2A ist bereits fertig entwickelt und hat am 17. Juni dieses Jahres die endgültige Verkehrszulassung – die so genannte Musterzulassung – durch den Deutschen Ultraleichtflugverband (DULV e.V.) erhalten. Der DULV ist in Deutschland neben dem Deutschen Aero Club mit den öffentlichen Aufgaben rund um Ultraleichtflugzeuge beauftragt.

Den Rotorvox C2A kann man auch schon kaufen – und es wurden auch schon mehrere Kaufverträge geschlossen. Die erste Auslieferung steht kurz bevor. In Deutschland sind wir selbst direkter Ansprechpartner für Interessenten. Für den europäischen und weltweiten Markt möchten wir ein Vertriebsnetz aufbauen, wofür wir auch schon in Verhandlungen sind.

 

Seedmatch: Gib uns doch bitte einen kurzen Einblick in den Markt auf dem ihr euch bewegt: Wie grenzt ihr euch von Wettbewerbern ab?

Ronald Schoppe: Die Zahl der zugelassenen Ultraleichtfluggeräte ist zwischen 2007 und 2014 um 25% gewachsen. Im selben Zeitraum sind die Verkehrzulassungen für Gyrocopter – als Teilbereich des Ultraleichtmarkts um mehr als 300% gestiegen (Quelle: Deutscher Aero Club e. V., Geschäftsbericht 2012 / 2013 / 2014 – eigene Darstellung):

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Der Rotorvox C2A ist von Grund auf nach den Methoden und Fertigungstechniken aus der Automobilbranche und dem Motorsport entstanden. Basierend auf einer Gesetzesänderung von 2013 ist er für ein maximales Abfluggewicht von 560 kg konzipiert. Zuvor galt in Deutschland für doppelsitzige Gyrocopter ein „Maximum Take Off Weight“ von 450 kg. Modelle ohne eine neue, an diese geänderte Bauvorschrift angepasste Musterzulassung dürfen auch heute nicht mit mehr als 450 kg abheben.

Durch den Technologietransfer aus dem Motorsport, haben wir ein Produkt geschaffen, das auch anspruchsvollste Piloten überzeugt. Sicherheit, Größe, Ergonomie, Sichtverhältnisse und Design sind dabei nur ein Teil der Bereiche, in denen wir uns von vielen Wettbewerbern unterscheiden. Die serienmäßige, extrem stabile Vollcarbon-Bauweise, wie man sie beim Rotorvox C2A beim Monocoque, Fahrwerk-, Leitwerk- und Mastanbindung sowie weiteren tragenden Teilen findet, ist bei Side-by-Side-Gyrocoptern (Gyrocopter für zwei nebeneinander sitzende Personen) einzigartig. Die Sicht ist durch die großen Fensterflächen und das freistehende Cockpit hervorragend. Darüber hinaus ist unser Gyrocopter voller technischer Finessen wie dem von uns entwickelten Rotorkopf mit einer wartungsfreien hydraulischer Vorrotation. Die hervorragenden aerodynamischen Eigenschaften unseres Fliegers und die optimale Anströmung des Propellers wurden zuletzt bei Messungen des DULV e.V. unter Beweis gestellt.

 

Seedmatch: Welche Bedeutung werden Gyrocopter in Zukunft haben? Zeichnen sich im Bereich der Luftfahrttechnik entsprechende Trends ab?

Ronald Schoppe: Wie schon gesagt, bieten Gyrocopter bereits durch ihre Bauart zahlreiche Vorteile gegenüber Helikoptern. Mit dem Rotorvox C2A haben wir diesen Vorsprung noch weiter ausgebaut. Unsere bisherigen Rückmeldungen und Anfragen bestätigen unsere Einschätzung, dass die Bedeutung von Gyrocoptern wie dem Rotorvox C2A in Zukunft weiter wachsen wird. Weitere Anwendungsfelder können sich durch zukünftige Änderungen der Zulassungsbestimmungen ergeben, wodurch noch größere Gyrocopter möglich wären.

Da Gyrocopter durch ihr Auf- und Antriebsprinzip eine kurze Start- und Landebahn benötigen, wäre die Integration eines Senkrechtstarts für die Zukunft ein weiterer Schritt, um die Einsatzbereiche von Gyrocoptern deutlich auszuweiten. Hierfür ist jedoch eine Anpassung der gesetzlichen Rahmenbedingungen erforderlich. Schon jetzt sind aber zahlreiche Anwendungen in Kombination mit den immer besser, kleiner und leichter werdenden Kameratechnolgien umsetzbar. Wusstest du, dass man z. B. mit einer modernen Wärmebildkamera den Reifegrad von Früchten auf den Feldern bestimmen kann?

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Seedmatch: Nein aber das klingt spannend und eröffnet euch eine Vielzahl an Einsatzmöglichkeiten. Reden wir über euer Funding bei Seedmatch: Dass Startups sich für eine Crowdfunding-Runde entscheiden, hat verschiedene Gründe. Welche waren für euch ausschlaggebend und was soll mit dem frischen Kapital passieren?

Ronald Schoppe: Es existiert seit jeher eine Begeisterung fürs Fliegen. Der Rotorvox C2A vereint all die damit verbundenen Emotionen in einem Produkt, das Menschen bewegt und einen neuen Trend im Bereich Mobility setzt. Ein Crowdfunding ist aus unserer Sicht eine Win-Win-Situation. Wir erhalten nicht nur frisches Kapital, um die Weiterentwicklung unseres Unternehmens zu finanzieren. Wir erhalten vor allem ein riesiges Netzwerk an Botschaftern, die mit dem gleichen Enthusiasmus wie wir hinter unserem Unternehmen stehen und sich für den Rotorvox C2A begeistern.

Nach dem erfolgreichen Crowdfunding konzentrieren wir uns in erster Instanz auf den Aufbau der Serienproduktion und die Stärkung des Vertriebs im nationalen und internationalen Markt. Mittel- und langfristig werden wir das Kapital für verschiedene Entwicklungsprojekte, wie z. B. die Optimierung vom Propeller in Verbindung mit mehr Motorleistung oder auch zur Integration von verschiedenen Kamerasystemen nutzen, um zusätzliche Märkte für unser Produkt erschließen zu können. Man denke da nur an die Katastrophenhilfe zur Koordination der Rettungskräfte aus der Luft.

 

Seedmatch: Warum glaubt ihr, werdet ihr die Crowd von euch überzeugen?

Ronald Schoppe: Rotorvox bietet mit dem C2A ein fertig entwickeltes Produkt an, sodass das technische Risiko diesbezüglich minimal ist. Dadurch können wir bereits schon während des Fundings mit der Auslieferung beginnen, um Umsätze zu generieren, wovon letztlich auch die Crowd-Investoren profitieren werden. Begünstigt wird der Absatz außerdem durch die Platzierung im Hochpreissegment und die Eignung sowohl für private als auch gewerbliche Kunden.

Das hohe Interesse an unserem Gyrocopter zeigte sich auch auf der Luftfahrtmesse AERO Friedrichshafen, wo wir den Rotorvox C2A im April diesen Jahres zum ersten Mal dem fluginteressierten Publikum präsentierten.

Neben unserem Tragschrauber überzeugen auch die Menschen dahinter: Wir sind ein interdisziplinäres Team aus Ingenieuren, Wirtschafts- und Medienwissenschaftlern, die alle gemeinsam ein Ziel verfolgen – den Gyrocoptermarkt zu revolutionieren.

 

Seedmatch: Ronald, danke für deine Zeit und das Gespräch. Viel Erfolg für euer Crowdfunding!

 

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  1. mertens@vdsmp.de sagt:

    Sechs wichtige Fragen die nicht gestellt und beantwortet sind:

    Welche Käuferschichten werden angesprochen?
    Benötigt man einen Flugschein oder reicht die Fahrerlaubnis?
    Wie hoch wird der Kauf-Preis von-bis?
    Wie hoch zirka die Betriebskosten?
    Wo kann ich den Rotorvox parken und abstellen? In der Garage am Straßenrand?
    Wann würde eine Zulassung vorliegen, um von Berlin zur Ostsee nach Binz zu fliegen?

    • Hallo Herr Mertens,

      vielen Dank für Ihren Kommentar und den berechtigten Hinweis auf weitere Fragen zum Gyrocopter von Rotorvox, die Sie haben. Nur ist es so, dass ein Blog-Interview nie die komplette Bandbreite an möglichen Fragen zum Startup abdecken kann und soll – denn das würde schlicht den Rahmen sprengen. Für eine umfassende Vorstellung der Startups gibt es die Investmentstory und den Businessplan (nach Login). Hier stellen sich die Startups vor, sodass Sie eine solide Informationsgrundlage für ein mögliches Investment bekommen. Das Profil von Rotorvox können Sie hier abrufen und anschauen.
      Ihre Fragen sollten dort beantwortet werden – falls trotzdem noch weitere Fragen zu technisches Details auftreten, so kontaktieren Sie gern direkt das Unternehmen Rotorvox.

      Beste Grüße
      Tobias Körner
      Corporate Communications bei Seedmatch