PAYMEY stellt den Geschäftsbetrieb ein

Mit großem Bedauern geben wir die Nachricht weiter, dass die PAYMEY GmbH einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt hat. Trotz intensiver Bemühungen in den letzten Monaten, ist es dem Team um Gründer und Geschäftsführer Tobias Pfütze nicht gelungen, eine Anschlussfinanzierung zur Fortführung des Unternehmens zu sichern.

Das Startup, das Mobile Payment für das Smartphone entwickelt hat, sammelte in zwei Finanzierungsrunden in 2013 und 2014 insgesamt 400.000 Euro über die Crowd ein. Tobias Pfütze berichtete uns, dass das Team von PAYMEY bis zuletzt versucht hat, eine Anschlussfinanzierung zu verhandeln und dazu mit zahlreichen Investoren gesprochen und nach eigener Angabe alle erdenklichen Optionen zur Weiterführung des Unternehmens geprüft hat – leider jedoch ohne Erfolg. In Abstimmung mit den Gesellschaftern hat Tobias Pfütze daher am Mittwoch, den 25.03.2015, Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens beim Amtsgericht Charlottenburg gestellt.

Wir haben mit ihm über die Hintergründe gesprochen. Seine Investoren hat er gleich am Tag der Insolvenzanmeldung über den Stand der Dinge informiert. Im folgenden Interview erläutert er die Entwicklungen der letzten Monate und wie es zu der Insolvenz gekommen ist.

 

Seedmatch: Hallo Tobias, wir haben von eurer Insolvenz gehört, das sind bedauerliche Nachrichten. Wie geht es euch jetzt?

Tobias Pfütze, Gründer und CEO von PAYMEYTobias Pfütze: Hallo, sicherlich bin ich und wir alle als Gesellschafter und direkte Beteiligte momentan sehr enttäuscht. Wir versuchen professionell mit der Situation umzugehen und reflektieren einzeln und im Team die Geschehnisse und versuchen positiv in die Zukunft zu blicken.

 

Seedmatch: Was ist konkret passiert? Was sind die Gründe für die Insolvenz?

Tobias Pfütze: Ich denke, dass es zum jetzigen Zeitpunkt noch zu früh ist um den einen bzw. die Gründe konkret zu nennen. Persönlich gehe ich von einer Vielzahl von Gründen aus, die in der Summe zum Insolvenzantrag führten.

 

Seedmatch: Wie gut hat euer Geschäftsmodell funktioniert?

Tobias Pfütze: Auf operativer Seite hatten wir stets sehr positives Feedback. Allerdings war unser Geschäftsmodell auf den laufenden Betrieb und Umsätze aus diesem ausgelegt und zu diesem Punkt sind wir leider nicht gekommen. Hintergrund hierzu ist, dass unsere Projektplanung stets von einem – über die Seedmatch-Finanzierungen hinausgehenden – höheren Liquiditätsbedarf ausgegangen ist. Somit waren Meilensteine an Mittel und einen Zeitplan geknüpft, der sich letztlich nicht realisieren ließ. Mittel, Zeitplan und Meilensteine des Projektes standen dabei natürlich in gegenseitigen Abhängigkeiten. In unserem Fall hat dann nach und nach eine Negativ-Spirale eingesetzt.

 

Seedmatch: Wie habt ihr die Seedmatch-Investoren über die Situation informiert?

 Tobias Pfütze: Wir haben die Seedmatch-Investoren immer versucht, auf dem Laufenden zu halten, ohne den Geschäftsbetrieb zu vernachlässigen. An dieser Stelle bin ich wirklich dankbar, dass die Crowd-Investoren so professionell reagieren, hierfür habe ich größten Respekt und Hochachtung. Einen gerechtfertigter Kritikpunkt unserer Investoren ist sicherlich die zeitweise begrenzte Kommunikation von unserer Seite. Wir versuchen dies in der momentanen Situation mit entsprechender Transparenz und detaillierten Informationen zum Geschäftsbetrieb der vergangenen Monate nach und nach zu entschuldigen. Die angespannte Liquiditätssituation und Problematik wurde schon frühzeitig über den Investor-Relations Kanal und die PAYMEY-Quartalsberichte kommuniziert.

 

Seedmatch: Wie viele Seedmatch-Investoren sind von der Insolvenz betroffen und wie geht es für diese jetzt weiter?

Tobias Pfütze: Insgesamt sind 509 Seedmatch-Investoren von der Antragstellung betroffen. Leider kann ich zum heutigen Zeitpunkt noch nicht sagen, wie es für die Seedmatch-Investoren weitergeht. Als Gesellschafter haben wir beschlossen, dass der Geschäftsbetrieb der PAYMEY GmbH eingestellt wird. Es wurde noch kein Gutachter bzw. Insolvenzverwalter benannt und das Verfahren auch noch nicht eröffnet. Letztlich entscheidet dieser von nun an.

 

Seedmatch: Hat eure Insolvenz weitere Konsequenzen für die Investoren über den möglichen Verlust ihres Kapitals hinaus?

Tobias Pfütze: Nein, meines Wissens nach ist eine sog. Nachschusspflicht in den Verträgen von Seedmatch nicht vorhanden und somit ist der Verlust von Kapital, über das bereits investierte hinaus, nicht möglich. Als Crowd-Investor fiebert man sicherlich mit und hat neben der Rendite vermutlich auch einen emotionalen Anspruch, dass das unterstützte Projekt nachhaltig erfolgreich wird. Dies ist in unserem Fall nun leider nicht länger gegeben. Wie wir den Seedmatch-FAQ entnehmen gibt es für die Crowd-Investoren im Falle eines (Teil-)Verlustes auch keine Möglichkeit dies steuerlich geltend zu machen. Es empfiehlt sich sicherlich, den Einzelfall mit einem Steuerberater zu besprechen.

 

Seedmatch: Was wäre das Beste, was euch und den Seedmatch-Investoren noch passieren könnte?

Tobias Pfütze: Der Verkauf des Produktes bzw. der IT-Infrastruktur an einen reichweitenstarken Partner (eine Bank o. ä.) wäre sicherlich das Beste für PAYMEY und die Seedmatch-Investoren.

 

Seedmatch: Gibt es noch Möglichkeiten PAYMEY nach der Insolvenz weiterzuführen?

Tobias Pfütze: Stand heute sehen wir leider keinerlei Möglichkeiten PAYMEY erfolgreich weiterzuführen.

 

Seedmatch: Rückblickend: Was hättet ihr anders gemacht?

Tobias Pfütze: Alles in allem hätte man sicherlich manche (strategische) Entscheidung anders treffen können, ob dies das jetzige Ergebnis dann geändert hätte ist meiner Meinung nach jedoch fraglich. Vorangegangener Satz soll kein abtun oder gar eine Standard-Antwort sein, vielmehr ist es mir und dem Team zum jetzigen Zeitpunkt schlicht noch nicht möglich ein sachlich und sinnvoll reflektiertes Fehlverhalten zu identifizieren. Selbstverständlich fassen wir uns zunächst an die eigene Nase und versuchen Fehler bei uns und den von uns getroffenen Entscheidungen festzustellen.

Zukünftige Projekte würde ich sicher nur noch starten, wenn die Liquidität zum Erreichen der eingeplanten Meilensteine für mindestens 18 Monate mit entsprechendem Puffer gegeben ist. In meinen Augen nimmt der Kapitalakquise-Prozess zu viel Zeit in Anspruch und stört den laufenden, operativen Betrieb massiv. Gründern und Startups aus Deutschland kann ich (zum heutigen Stand) nur raten, zunächst ein Geschäftsmodell umzusetzen, das es in ähnlicher Form auf ähnlichen Märkten bereits gibt und damit zu starten. Ich bin sehr dankbar, dass die Seedmatch-Investoren an mich und das PAYMEY-Team geglaubt haben und „echtes Risiko-Kapital“ zur Umsetzung des Projektes zur Verfügung gestellt haben. Ich kann versichern, dass wir stets mit bestem Wissen und Gewissen gehandelt haben und uns bis zuletzt immer zu 100 % für das Projekt PAYMEY eingesetzt haben.

Seedmatch: Tobias, Danke Dir für das Interview. Wir wünschen  Dir und dem gesamten PAYMEY-Team alles Gute für die Zukunft.

Logo PAYMEY

 

 

Wir möchten an dieser Stelle noch einmal darauf hinweisen, dass Startup-Investments aufgrund des hohen Risikos nur als Bestandteil eines diversifizierten Portfolios sinnvoll sind. Investoren sollten lediglich einen kleinen Teil ihres zur Verfügung stehenden Kapitals in Startups investieren und nur, wenn sie genug Kapital haben, um langfristig in eine Vielzahl von Startups zu investieren, um so das Risiko innerhalb dieser Investmentklasse zu streuen. Für allgemeine Fragen rund um das Thema Insolvenz haben wir unsere FAQ um den entsprechenden Bereich ergänzt.

Seit der Gründung in 2011 wurden über Seedmatch bereits 76 Finanzierungsrunden erfolgreich durchgeführt. Anschlussfinanzierungen sind eine wichtige Voraussetzung für Startups, um weiter wachsen und sich am Markt etablieren zu können. In den seltensten Fällen bedeutet eine erfolreiche Crowdfundingrunde eine 100-prozentige Deckung des langfristigen Kapitalbedarfs. Bleiben Anschlussfinanzierungen aus, kann das den Fortbestand eines Unternehmens natürlich auch negativ beeinflussen.

Gerade in dieser Woche erfahren wir, wie nah Licht und Schatten der Startup-Finanzierung beieinanderliegen: Zwei Startups, die sich über Seedmatch finanziert haben, konnten vor wenigen Tagen eine erfolgreiche Anschlussfinanzierung verkünden. BLOOMY DAYS und Secucloud reihen sich somit ein in die Zahl der Startups, die sich erfolgreich eine Anschlussfinanzierung sichern konnten, sei es über Venture Capital-Gesellschaften und andere institutionelle Investoren, Business Angels, strategische Investoren oder die Crowd selbst.

Wir von Seedmatch glauben weiterhin, dass Deutschland mutige Gründer und ebenso mutige (Crowd-) Investoren braucht, um Innovationen auf den Weg zu bringen. Das Team von PAYMEY war mutig und hat genau das versucht. Die nun fehlende Anschlussfinanzierung führt nun leider dazu, dass es leider nicht funktioniert hat. Doch auch das Scheitern gehört dazu und ist keine Schande. Wir wünschen dem Team von PAYMEY alles Gute für seine weiteren Vorhaben.

 

Eigenen Kommentar schreiben

  1. Mal ehrlich sagt:

    Schön langsam wird es leider ziemlich deutlich, dass scheinbar kaum ein Seedmatch Startup seine Finanzen so plant auch ohne Anschlussfinanzierung überleben zu können. Da frage ich mich schon was der Zweck eigentlich sein soll? Die Crowd ausnutzen um die Chancen auf VC zu erhöhen? Oder dann die Crowd nach Geld fragen wenn kein VC bereit ist zu finanzieren? Crowdfinanzierung sollte eine Alternative zu VC sein und hat auch viele Vorteile gegenüber VC. Aber so langsam habe ich den Eindruck dass es nur Mittel zum Zweck ist. Finanzierung von der Crowd abstauben, auf Bekanntheit hoffen, dann zu VCs rennen und so lange betteln bis jemand einsteigt oder man halt Insolvenz anmeldet. Ich frage mich wie lange das Crowdinvestoren noch mitmachen, da muss die Rendite der erfolgreichen Startups schon richtig gut sein mittlerweile bei dem Risiko.

    • Seedmatch Team sagt:

      Hallo,

      vielen Dank für Ihren Kommentar. Erlauben Sie uns an der Stelle eine Anmerkung von unserer Seite. Die verpasste Anschlussfinanzierung von PAYMEY ist sicherlich sehr schade, aber man kann hinsichtlich der Finanzierung nicht alle Startups über einen Kamm scheren und verallgemeinern. Je nach Geschäftsmodell und Entwicklungsphase des Unternehmens spielt das Thema (Anschluss-) Finanzierung eine ganz unterschiedliche Rolle – ganz unabhängig davon, ob die Finanzierung über die Crowd, einen VC, Business Angel oder andere Modelle geschieht. So unterscheidet man ganz allgemein sogar drei Hauptphasen der Finanzierung: Early Stage, Expansion Stage und Later Stage. Die Art von Startups, die sich vornehmlich über Seedmatch finanzieren – skalierbare Geschäftsmodelle in einer frühen Phase – benötigen üblicherweise mehrere Finanzierungsrunden. Grundsätzlich kommunizieren die Startups bei Seedmatch ihren Kapitalbedarf und ihre Finanzierungsplanung für die nächsten 5 Jahre im Businessplan transparent für die Investoren – d. h. es ist klar ersichtlich, ob eine Anschlussfinanzierung nötig sein wird.

      Manche Startups, die bei Seedmatch ein Crowdfunding starten, haben bereits einen VC oder Business Angels an Bord bzw. als strategischen Partner im Team und entscheiden sich dann für eine Anschlussfinanzierung über die Crowd. Bei anderen ist es genau anders herum – sie starten mit der Crowd und realisieren die Anschlussfinanzierung(en) über institutionelle Investoren. Das eine schließt das andere nicht aus. Ganz im Gegenteil. Es gibt hier ganz unterschiedliche Modelle, die auch durchaus schon erfolgreich umgesetzt wurden. Es gibt mehr als 30 Startups, die über Seedmatch eine erste Finanzierungsrunde abgeschlossen haben und im Anschluss eine erfolgreiche Anschlussfinanzierung über VCs oder andere Wege bekommen konnten. Es gibt aber auch einige Startups, deren Geschäftsmodell nach dem Crowdfunding keine Anschlussfinanzierung benötigte.

      Viele Startups entscheiden sich ganz bewusst für die Crowd, weil sie an das Modell glauben und nicht nur professionellen Business Angels oder VCs die Möglichkeit geben wollen, in interessante und innovative Ideen zu investieren – genau aus dem Grund ist auch Seedmatch gegründet worden, weil auch wir daran glauben, dass Privatinvestoren einen Zugang zu jungen Unternehmen haben sollten. Wie Sie sagen: Das Modell hat für Startups wie Investor Vorteile. Das hat unserer Ansicht nach nichts mit einem „Ausnutzen“ der Crowd zu tun. Die positiven Beispiele darf man an der Stelle einfach nicht vergessen.

      Beste Grüße
      Ihr Seedmatch-Team

  2. Robert sagt:

    > Allerdings war unser Geschäftsmodell auf den laufenden Betrieb und Umsätze aus diesem ausgelegt

    Auf was soll ein Geschäftsmodell sonst ausgelegt sein??

    > und zu diesem Punkt sind wir leider nicht gekommen

    Immerhin konnten die Gründer von dem eingesammelten Geld 2 Jahre gut leben.

  3. Dr. Marius Mair sagt:

    Sehr geehrtes Seedmatch Team,

    ich komme selbst aus der Venture Capital Branche und bin mir natürlich bewusst, dass Seedmatch auf eine Finanzierung in der „Seed-Stage“ abzielt (auch der Name deutet es schon an) und somit in den meisten Fällen eine Anschlussfinanzierung nötig ist. Zudem gehört natürlich auch das Scheitern zum Startup Dasein dazu.

    Meiner Meinung nach laufen Seedmatch bzw. deren Start-ups zwei fundamentale Dinge falsch, weswegen auch die nötigen Anschlussfinanzierungen ausbleiben. Zum einen, verfügen viele Start-ups nicht über die nötigen fachlichen Qualifikation und Qualitäten und versuchen aberwitzige Geschäftsmodelle (siehe Tampons for you) umzusetzten die von vornherein niemals von kompetenten „Nicht-Crowd“ Investoren finanziert worden wären. Zum anderen gibt es ein rechtliches/vertragliches Problem mit Folgefinanzierungen, da bei den Seedmatch Verträgen ein Squeeze-Out der Crowd-Investoren nicht möglich ist und somit jeder einzelne Investor kontaktiert und mit ihm verhandelt werden muss und dafür haben die wenigsten VCs die Geduld (zu Recht).

    Damit langfristig Seedmatch bestehen kann muss also die Qualität der Start-ups verbessert werden, durch mehr Kontrolle von Seiten Seedmatchs, und die Verträge müssen so angepasst werden, dass Folgefinanzierungen realisierbar sind. Dies alles ist aber so oder so nur relevant, sollten nicht ein Großteil der Seedmatch Start-ups Involvenz anmelden müssen, sobald die partiarischen Nachrangdarlehen in den Jahren 2016 und 2017 zurückbezahlt werden müssen.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Dr. Marius Mair

    • Thorsten Weigand sagt:

      …da bei den Seedmatch Verträgen ein Squeeze-Out der Crowd-Investoren nicht möglich ist und somit jeder einzelne Investor kontaktiert und mit ihm verhandelt werden muss und dafür haben die wenigsten VCs die Geduld (zu Recht).

      Warum muss den ein Squeeze-Out der Erstinvestoren, welche das meiste Risiko getragen haben, möglich sein?!

      Über eine erleuchtende Antwort würde ich mich freuen.

      Grüsse

      • Marius Mair sagt:

        Sehr geehrter Herr Dr. Weigand,

        ich finde es schade, dass nur ein Teil meines Kommentares herangezogen bzw. beantwortet wurde und hoffe weiterhin auf eine umfangreichere Stellungnahme von Seiten Seedmatchs zur Problematik.

        In Sachen Squeeze-Out möchte ich abermals klar stellen, dass ich keinesfalls die Erst-Investoren benachteiligen möchte, ganz im Gegenteil. Es ist so, dass das Fehlen einer Squeeze-Out Möglichkeit eine Folgeinvestition, die in den meisten Fällen nötig ist, nahezu unmöglich macht. Dies ist so, weil kaum ein Investor in ein Unternehmen investieren möchte das bereits erhebliche Mittel, und das für einen relativ langen Zeitraum, für Zinszahlungen, Gewinnbeteiligungen und FK-Rückzahlungen eingeplant hat. Es ist aber vor allem auch für Seedmatch Investoren von Vorteil, wenn eine Squeeze-Out Möglichkeit vorhanden wäre, da die daraus folgende Übernahme des Unternehmens durch einen Investor oft die einzige Möglichkeit ist eine Insolvenz abzuwenden. Dabei profitieren die Seedmatch Investoren zudem ordentlich mit Gewinnen im meist 3-stelligen Prozentbereich. Dieses Squeeze-Out kann man gut finden oder nicht, aber es ist leider in der Praxis so, dass die Alternative ansonsten oft nur die Insolvenz ist.

        Ich möchte Ihnen mal über einen konkreten Fall bei einem Seedmatch Startup berichten, welcher mir über Umwege zu Ohren gekommen ist. Ein Startup hat einen Investor gefunden, welcher sich tatsächlich die Mühe gemacht hat mit allen Erst-Investoren zu verhandeln. Ein Großteil hat dem durchaus fairen Angebot des Investors zugestimmt, aber der letzte hat versucht für seinen Anteil eine 5-stellige Summe zu erpressen und konnte schließlich und endlich nur durch ein Gerichtsverfahren aus dem Unternehmen herausgedrängt werden. Durch diese Präzedenzfälle werden Seedmatch-Startups ganz schnell zu „heißen Kartoffeln“ die kein professioneller Investor anfassen möchte

        Wie bereits in meinem vorherigen Schreiben erwähnt, bin ich sehr gespannt wie die Startups das bei Seedmatch aufgenommen Fremdkapital zurückzahlen wollen, wenn es dann soweit ist. Ich wünsche natürlich Seedmatch und vor allem deren Startups das Beste, bin nur eben etwas kritisch gegenüber der Finanzierungsform.

        Mit freundlichen Grüßen
        Dr. Marius Mair

        • Milau sagt:

          Entschuldigung für die harten Worte – aber das was hier steht ist vollkommener Quatsch.

          Ein Investor der das meiste Risiko trägt sollle auch auch den grössten Gewinn erhalten. Gewinne im 3 stelligen Prozentbereich sind nicht im Vergleich zu den Gewinnen die von den VC an Ende eingefahren werden obwohl sie später einsteigen und somit das kleinere Risiko tragen.

          In den aussagen oben spiegeln eher die eingeninteressen einer Branche wieder die sich in ihrem Geschäftsmodel bedroht fühlt!

        • Thorsten Weigand sagt:

          Sehr geehrter Herr Dr. Mair,

          als erstes möchte ich mich bei ihnen für Ihre Antwort bedanken.
          Das Crowdfunding befindet aktuell in einer Phase, wo in Relation die negativen Nachrichten, die positiven Nachrichten überwiegen. Somit werden im Moment solche Diskussion z.T. recht emotional / unsachlich geführt.
          In meinem letzten Kommentar war es nicht meine Intention, mich auf diese Ebene zu begeben. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass wir alle von einander lernen können bzw. müssen, da dieses Finanzierunsmodell noch recht neu auf dem Markt ist. Von daher finde ich eine konstruktive Diskussion zwischen institutionellen und privaten Investoren äuserst wichtig. Seedmatch sollte diese ensprechend unterstützen, wobei dieser Blog nicht das geeignete Instrument dafür ist.

          In meinen Augen ist die Kommunikation mit der Crowd natürlich aufwendiger als mit einem bzw. wenigen professionellen Investoren.
          Allerdings bitte ich zu bedenken, dass bei einen Squeeze-Out die Schwarm – Intelligenz und das virale Marketingpotentional verloren geht. Ich habe natürlich zur Kenntnis genommen, dass bei einem Squeeze-Out die „Altinvestoren“ fair entlohnt werden sollen.
          Wenn wir aber auf Ihr oben genanntes Beispiel näher eingehen wollen, verstehe ich nicht, warum wegen eines Investors dieser Aufwand betrieben worden ist. Formal hat dieser keinerlei Mitspracherecht, er ist von dem Effekt der Verwässerung betroffen und für das Darlehen werden erst einmal nur ein Prozent an Rückstellungen fällig.

          In mein Augen überwiegen somit die positiven Effekte. Als positives Beispiel möchte ich einmal Protonet in den Raum stellen.

          Falls ich kch etwas übersehen habe, würde ich mich auf eine kurze Erläuterungen freuen.
          Solange verbleibe ich mit freundlichen Grüßen

          Thorsten Weigand

  4. Andy sagt:

    Die deutsche Venture Szene ist nicht gerade dafür bekannt echte „Ventures“ einzugehen. Das bedeutet auch das die meisten Investoren nur dann Geld geben wenn der Proof bereits erbracht ist oder erbracht scheint. Gerade in der Startphase ist das so gut wie nicht möglich.

    crowdfunding ist für die meisten Gründer der letzte bzw. einzige Weg an Geld zu kommen. Hatten sie eine VC Finanzierung aufgrund eines „soliden“ Geschäftsmodell bekommen brauchten sie Euch nicht fragen. Wenn viele wenig geben schätzen die jeweiligen Geber wohl das Risiko geringer ein als „professionelle“ VCs das tun. Was das bedeutet kann sich jeder „Investor“ aka Geber denken.

    Das Risiko steigt weil die langfristige Finanzierung nicht gesichert ist und in einem Startup neben des Risikos Geschäftsmodell auch menschliche Fehler hinzukommen. Ergo: Investment nur wenn man drauf Verzichten kann. Crowdfunding ist dabei die maximale Ausprägung des Risikos weil neben oben beschriebenen nicht mal echtes Equity fließt. Man also im Fall einer Insolvenz nicht mal am Tisch sitzen kann.

    Mein Tipp: Finger weg oder nicht wundern. Corwdfunding ist nichts mit Ertrag sondern nur mit Risiko oder wo sind hier die Leute die aus den 76 Investments auch nur einen Euro mehr als Ihr Kapital gezogen haben.

  5. Christian sagt:

    Wieso soll denn ein Squeeze-out für eine Folgefinanzierung eine Rolle spielen? Wenn sowas vertraglich festgelegt wird, dann bleibt den Crowdinvestoren nur noch das Risiko. Wie sollen mit der dann noch möglichen Rendite die Ausfälle kompensiert werden? Es wurde ja bei einigen erfolgreichen Beispielen gezeigt, dass eine Anschlussfinanzierung weniger vom Squeeze-Out als vom Geschäftsmodell und der Entwicklung des Start-ups abhängt. Des Weiteren: eine Verwässerung der Crowd-Anteile reicht allemal aus, da sie sowieso kein Mitspracherecht haben. Das sieht bei den Gründern und weiteren Investoren ganz anders aus. Von daher: ich sehe keinen einzigen Grund, wie ein vertraglich festgelegter Squeeze-Out eine Anschlussfinanzierung wahrscheinlicher machen sollte.

    • Dr. Marius Mair sagt:

      Sehr geehrter Herr Christian,

      wenn sie §327 AktG (evtl. §39 WpÜG) durchlesen, dann verstehen sich sicher was ein sog. Squeeze-Out ist und wie die Handhabung eines solchen Falles funktioniert. Die Crowdinvestoren werden natürlich angemessen für ihr Investment entschädigt und haben auch erhebliche rechtliche Möglichkeiten gegen einen unangemessen Entschädigung vorzugehen.

      Warum ein Squeeze-out eine Anschlussfinanzierung wahrscheinlicher macht, können Sie gerne oben in meiner Antwort an Herrn. Dr. Weigand lesen.

      Mit freundlichen Grüßen
      Dr. Marius Mair

      • Dr. Marius Mair sagt:


        §327 AktG (evtl. §39 WpÜG) gilt natürlich nur wenn es sich um eine AG bzw. Aktionäre handelt und ist in diesem Falle nur beispielhaft zu betrachten. Mein Vorschlag wäre eben ein ähnliches Vorgehen in den Seedmatch Verträgen zu verankern.

        Mit freundlichen Grüßen,
        Dr. Marius Mair

        • Bartho Schulte sagt:

          Sehr geehrter Herr Dr. Mair,

          ihrem Vorschlag zur Verankerung eines Squeeze-Out in den Investmentverträgen muss ich widersprechen.

          Zunächst stellt sich mir die Frage, wieso ein Squeeze-Out denn überhaupt notwendig ist. Sie begründen dies damit, dass es für einen möglichen Business Angel zu aufwändig sei, mit jedem Investor einzeln zu verhandeln. Das verstehe ich, nur was spricht denn dagegen, ein Übernahmeangebot im Investorsrelationsbereich zu posten, auf das dann jeder einzelne aus der Crowdinvestor eingehen kann (Ähnlich einem Pflichtangebot nach WpÜG) Falls dieses Angebot attraktiv ist, werden Sie sicher nicht alle, jedoch bestmmt einen Großteil der Darlehen beidseitig frühzeitig auflösen können. Zudem stellt sich mir überhaupt die Frage, warum die Crowd überhaupt ein Problem darstellt, da die Crowd doch praktisch über keine Mitspracherechte verfügt…?

          Außerdem sehe ich es insb. sehr kritisch, ein junges Unternehmen bspw. durch eine standartisierte Unternehmensbewertung bspw. nach IDW S1 zu bewerten (Wie es regelmäßig bei einem Squeeze-Out nach HGB getan wird). Insbesondere dann, wenn keine nennenswerten Umsätze oder ähnliches generiert werden, führt doch eine solche Bewertung ad absurdum, weil doch die alleinige Einschätzung zukünftiger (hoch-risikobehafteter) Cashflows den Unternehmenswert ausmachen wird und ein möglicher Bewerter (der im besten Fall dann wahrshceinlich vom BA beauftragt) hier einen praktisch unendlichen Spielraum hat. Zusätzlich sehe ich hier zusätzlich einen enormen Kostentreiber, ein Gutachten zu erstellen und ein noch größeres Streitpotential.

          Weiterhin ist doch das Exitereignis praktisch ein Squeeze-Out, d.h. wenn die Gründer 50% der Anteile veräußern wird die Crowd doch herausgedrängt.

          Viele herzliche Grüße,

          Bartho Schulte

          • Christian Luxi sagt:

            Squeeze-Out: Risiko für die Crowd, Rendite für die Folgeinvestoren
            Exit: Risiko für die Crowd, Rendite auch für die Crowd

            Bei dem von Dr. Mair genannten Fall wird es sich um Bloomy Days handeln, das Ganze ist ja sehr merkwürdig verlaufen. Für 30% Rendite wird sich Crowdinvesting für die meisten Anleger wohl nicht lohnen, wenn man die bisherige Ausfallquote weiter hochrechnet.

            Und: ohne Squeeze-Out weniger Anschlussfinanzierungen? Wieso gehen dann professionelle Anschlussfinanzierer auch mal den anderen Weg und lassen den von ihnen finanzierten Start-ups eine Anschlussfinanzierung durch die Crowd zukommen? Bsp. EBS Technologies, das sowohl vom High Tech Gründerfonds als auch von Early Bird finanziert wurde. Wo könnte also der Anreiz für die BA´s liegen? Und im Umkehrschluss: warum sollten Anschlussfinanzierungen ohne Squeeze-Out unwahrscheinlicher werden? Wie Hr. Schulte schön bemerkt: im Crowdinvesting ist der Exit das Squeeze-Out und das ist auch gut so.

  6. Homer sagt:

    Ich wusste dass das nichts wird. Die reine Idee in die investiert wurde klang vielleicht ganz spannend, dass sich das ganze aber nicht so einfach umzusetzen lässt, durchsetzen wird und die Konkurrenz im Mobile Payment groß ist war klar. Wer sein Geld für solche „Startups“ verbrennt mit Gründern ohne Erfahrung und Netzwerken, der hat selbst Schuld. Da hätte man sein Geld lieber in kanadische Penny Stock AKtien investieren können.