Vom Krokusfeld in die großen Sterneküchen – Michael Sabet über seine Vision vom Miasa-Safran

Safran kann mehr als nur „den Kuchen gelb machen“: Das will Miasa beweisen und als „weltweit erste Premiummarke für Safran den internationalen Feinkostmarkt erobern“. Das Unternehmen wurde 2010 vom gebürtigen Stuttgarter Michael Sabet in Berlin gegründet und entwickelt seither immer neue Produkte, die mit dem edlen Safran verfeinert werden. So bietet Miasa mittlerweile neben der Rohware u. a. auch Safran-Reis, -Honig, -Espresso an. Wir haben mit Michael ein Interview geführt.

Michael Sabet ist CEO und Kopf von Miasa. Bevor er sich dem edlen Gewürz verschrieb, arbeitete er u. a. als Consultant für Strategic Sourcing bei der Portum AG und betreute Projekte zu E-Commerce und Supplier Relationship Management bei Audi. Vor der Gründung von Miasa agierte er noch zwei Jahre im Business Development der Degussa Bank GmbH in Frankfurt am Main. Vor dem Fundingstart haben wir mit Michael über das Potenzial und die Herausforderungen für das Unternehmen gesprochen.

 

Seedmatch: Hallo Michael, bevor wir über Miasa sprechen, kurz eine Frage an Dich: Wann und wofür hast du das letzte Mal Safran genutzt?

Michael Sabet: Am Sonntag habe ich Safran zum Verfeinern von Rührei verwendet. Das geht immer sehr einfach, schnell und schmeckt sehr gut.

 

Seedmatch: Ihr seid nach eigener Aussage der größte deutsche Importeur für Safran. Was heißt das konkret? Wie viel Safran wird jährlich von euch eingekauft?


michael_sabet-miasaMichael Sabet:
Es gibt in Deutschland mehrere große Industrieunternehmen, die den Lebensmittel-Groß- und Einzelhandel mit Gewürzen ausstatten. Daneben gibt es die Getränke- und Aromenindustrie. Beispielsweise gibt es von einem sehr bekannten Backpulver-Hersteller eine Mischung mit Safran. Wir haben in den vergangenen Jahren sehr viel Zeit investiert, um unsere potenziellen Abnehmer zu identifizieren.

Analog dazu kennen wir die ungefähren Volumen, die von den Safran-Exporteuren nach Europa geliefert werden. Alle Informationen, inklusive der Warenimportstatistiken, ergeben ein Bild, von dem wir ableiten können, dass wir den größten Import-Anteil haben.

Teilweise zählen Kunden zu unserem Kundenstamm, die wiederum an den Einzelhandel weiterverkaufen, z. B. mit unseren Verpackungslösungen.

Leider kann ich aufgrund der Wettbewerbssituation das genaue Importvolumen nicht nennen. Jährlich gibt es aber ein Gesamterntevolumen von ca. 250 bis 300 Tonnen. Der Anteil der Spitzenware lässt sich auf knapp 50 Tonnen pro Jahr definieren.

 

Seedmatch: Und wie kommt es, dass ihr hier so schnell die Spitzenposition einnehmen konntet?

Michael Sabet: Wir haben scheinbar eine Marktlücke entdeckt. Seit der Gründung haben wir von Jahr zu Jahr mehr Rohware verkauft. Unsere Kunden arbeiten mit uns nicht nur wegen unserer Preispolitik zusammen, sondern schätzen unseren Service und die Qualität der Produkte. Darüber hinaus haben wir eine Marke entwickelt, die genau dieses Vertrauen in uns widerspiegelt. Wir bündeln sozusagen die Bedürfnisse der einzelnen Kunden und können uns dadurch Skaleneffekte sichern. Auf Zuliefererseite bestehen ebenfalls Vorteile, denn diese müssen nicht an viele kleinere Abnehmer liefern.

 

Seedmatch: Wie entwickelt sich der Markt derzeit? Wo liegt sein Potenzial, das ihr für euch nutzen wollt?

Michael Sabet: Der Premium-Markt wächst und die Positionierung, entweder im Hochpreis- oder Niedrigpreis-Segment, ist eine Grundsatz-Entscheidung.

Da wir viel Energie und Leidenschaft in unsere Produkte stecken und wir auf einem hohen Qualitätsniveau arbeiten, war die Entscheidung schnell klar: Hochpreis-Segment.

Wir hatten Glück, denn dies war die richtige Entscheidung. Im Grunde genommen ist unser Geschäftsmodell ein Hybrid: Das Rohwarengeschäft sichert uns die Existenz und das Fundament, um im Endverbrauchergeschäft über unsere Markenartikel die Chance auf einen guten Deckungsbetrag zu haben. Die Marke und unsere weiterverarbeiteten Produkte ziehen sozusagen nach und werden privilegiert mit einer Extra-Portion „Lifestyle“ behandelt.

Nach unserem Verständnis liegt das Potenzial für uns darin, dass durch die erhöhte Wahrnehmung der Marke „Miasa“ der Safran-Bedarf der privaten Haushalte steigen wird. Ich konnte in meinem Team und auch bei mir in den letzten Jahren feststellen, dass, wenn man einmal auf den Geschmack gekommen ist und mit Safran würzt, man es nicht mehr sein lassen kann.

Wenn ich mir den Markt ansehe, wird innerhalb unserer Zielgruppe vielleicht mit 0,5 g oder 1 g Safran im Jahr gekocht; vor allem Standardgerichte wie Risotto oder Suppen. Wir haben viele Befragungen durchgeführt und sind dabei auf enorme „Bildungslücken“ in Bezug auf Safran als Gewürz gestoßen. Vielen ist Safran auch einfach zu teuer.

Und genau hier liegt der Hebel, den wir betätigen wollen: Wir müssen es nur schaffen eine höhere Aufmerksamkeit zu erzeugen und die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten von Safran erklären, z. B. durch Videos oder Rezeptvorschläge. Ich bin mir sicher, dass der Verbrauch dadurch auf mindestens 5 g pro Jahr steigen kann. Allein ein „gutes“ Risotto Milanese benötigt schon mindestens 1-2 g.

Wie gesagt, ich spreche aus eigener Erfahrung und sehe das auch im Freundeskreis: nachdem ich dort kleine Proben ausgeteilt habe, wird immer häufiger mit Safran gekocht.

Miasa im Crowdfunding

 

Seedmatch: Ihr wollt nur Spitzenware aus dem Iran importieren. Wie garantiert ihr die Qualität eurer Produkte?

Michael Sabet: Wir sind jedes Jahr im Oktober zur Erntezeit vor Ort im Nordosten des Iran. Das Gebiet ist übrigens eine Reise wert! Während dieser Zeit avisieren wir unsere ungefähre Jahresmenge. In der Regel arbeiten wir mit Nummern, die die einzelnen Chargen kennzeichnen. Das bedeutet jeder Import bzw. jeder Einkauf lässt sich bis zu den Feldern zurückverfolgen. Das ist uns von Haus aus wichtig – allerdings fordern unsere Kunden das auch.

Die gleichbleibende Qualität zu gewährleisten, ist jedoch etwas komplex und wir müssen uns hier zunächst innerhalb der Leitplanken der internationalen Standards bewegen. Das bedeutet Labortests direkt vor Ort und dann erneut bei uns in Deutschland.

Allerdings noch viel wichtiger als der bürokratische Aufwand zur Einhaltung der Lebensmittel-Richtlinien ist das Verhältnis zu den Bauern und den exportierenden Unternehmen. Die Safranfäden sind sehr empfindlich. Deshalb ist der gesamte Prozess von der Ernte über die Trocknung und das Verpacken enorm wichtig. Die weiterverarbeitenden Prozesse müssen unbedingt sorgsam erfolgen. Zum Beispiel sollten die Fäden nicht verunreinigt werden. Bereits in der Trocknung darf nicht zu viel Restfeuchtigkeit im Produkt sein, was ja die Ware schwerer machen würde. Auch wichtig ist die Zeit für die Trocknung. Safran gewinnt seinen unverwechselbaren Charakter im Laufe des Trocknungsprozesses. Eine zu lange Trocknung kann aber auch bedeuten, dass das Aroma und der Geschmack nachlassen. Auf Miasa-Produktebene gilt ebenfalls größte Sorgfalt. Zum Beispiel müssen wir auf konstant richtige Mischverhältnisse achten und die Abfüllprozesse unserer Produkte ständig überwachen.

SafranFeld

 

Seedmatch: Wo kommt die Expertise für die Bewertung der Ware her?

Michael Sabet: Am Anfang war der Prozess sehr unübersichtlich und die Bewertung folglich schwierig. Es gibt viele unterschiedliche Anbieter und Qualitätsunterschiede. Doch nach einer gewissen Zeit stellte sich eine Faszination gegenüber den Details der Fädenqualität ein, sodass wir immer mehr Fragen gestellt und auf diese auch Antworten bekommen haben. Durch die regelmäßigen Besuche vor Ort konnten wir uns ein immer besseres Bild über das Produkt, dessen Anforderungen und den Handel machen. Allerdings sind wir parallel auch in den Lebensmittel-Sektor hineingewachsen. Das war zu Beginn aufgrund der enormen Hürden sehr frustrierend (Listungen, Internationale Standards, etc.). Dennoch konnten wir uns immer wieder motivieren und wissen heute, welche Ware für uns in Frage kommt und wie wir sie in den Handel bringen.

 

Seedmatch: Ihr habt schon einige große Namen als Partner gewinnen können. Habt ihr dadurch im Jahr fixe Abnahmemengen die euch in gewisser Weise Planungssicherheit geben? Oder kaufen die Partner „on demand“?

Michael Sabet: Wir haben begonnen uns auf Basis von Jahreskontrakten die Jahresbedarfe unserer Kunden zu sichern. Dadurch gewinnen wir eine große Planungssicherheit für das Jahr.

Unsere Stärke ist allerdings auch das Geschäft „on demand“. Denn mit unserem Rohwaren-Zentrallager verfügen wir in Kooperation mit unserem Partner Rhenus über einen Logistikprozess, der es möglich macht, unsere Kunden innerhalb von 24 h zu versorgen. Es kommt immer öfter vor, dass Kunden kurzfristig anfragen und dann innerhalb weniger Tage ihre Ware benötigen.

Die Groß- und Einzelhandelsketten arbeiten ebenfalls mit Jahreskontrakten. Das bedeutet, dass unseren Produktionen und auch der Rohwarenbeschaffung in der Regel Aufträge zu Grunde liegen. Wir benötigen für eine neue Produktion z. B. für Kunden aus dem Groß- und Einzelhandel eine Vorlaufzeit von ca. 8 Wochen.

 

Seedmatch: Ganz frisch: Euer neuester Deal mit der METRO. Was genau beinhaltet er und was bedeutet er für euer Geschäft?

Michael Sabet: METRO ist einer der größten Großhändler weltweit. Wir haben sehr lange an dieser Zusammenarbeit gearbeitet. Aktuell läuft unsere Osteraktion mit einem bundesweiten Roll Out. Für uns ist METRO sehr bedeutend, da wir unsere Produkte über ihre europaweite Struktur von 500 Standorten direkt an die lokalen Endverbraucher absetzen können.

Darüber hinaus erleichtern wir uns im Zuge unserer Internationalisierung die Markteintritte in den einzelnen Ländern, da wir bei einem europaweiten Roll Out bereits in den Ländern am POS (Point of Sale) vertreten sind.

 

Seedmatch: Ihr wollt eurem Wachstum Schwung geben. Warum habt ihr euch für ein Crowdfunding entschieden?

Michael Sabet: Wir mussten leider im letzten Jahr feststellen, dass wir trotz eines sehr gut aufgestellten Teams und einem erfolgreichen Vertrieb an unsere finanziellen Grenzen stoßen, was die Liquidität anbelangt. Das Maximum, das wir generieren können, stammt aus den uns zur Verfügung stehenden Mitteln, die das Bestandsgeschäft finanzieren.

Wir sehen das Potenzial und machen unsere Sache gut. Und deshalb ärgert es uns sehr, dass wir ausgebremst sind und nicht vorwärts kommen. Daraus entstand der Gedanke unsere Idee bei Seedmatch vorzustellen. Wir haben ein großes Wachstumspotenzial und möchten viele an unserem Vorhaben teilhaben und profitieren lassen. Das entspricht unserer Firmenphilosophie: Wir haben gelernt, dass es Sinn ergibt zu teilen. Wir glauben an die Zukunft des Crowdinvestings, denn neben dem Thema Finanzierung bietet das Modell unglaublich viel Wissen, Netzwerke und Kapazitäten, die dann in Kombination mit einer Geschäftsidee langfristig Großes bewegen können.

 

Seedmatch: Was soll konkret mit dem eingesammelten Kapital passieren?

Michael Sabet: Wir möchten unsere Alleinstellungsmerkmale und Wettbewerbsvorteile schnellstmöglich ausbauen. Noch haben wir den Pioniergeist und die Stellung als First Mover, aber die Wettbewerber werden nicht schlafen. Also geht es insbesondere um die nächsten zwei Jahre. Je mehr wir wachsen, desto sicherer werden wir die führende Position behalten und sichern können.

Über die Hälfte des eingesammelten Kapitals fließt in die Rohwarenwarenbeschaffung. Diese möchten wir häufig umschlagen, um die Skaleneffekte nutzen zu können. Somit fließt das Geld immer wieder zurück und wir können neu beschaffen.

Da wir größtenteils auftragsbasiert produzieren möchten, werden wir den Vertrieb international stark ausbauen, um so ein Neugeschäft zu generieren. Das bedeutet die Schaffung eines internationalen Händler- und Distributionsnetzes für den Absatz unserer Produkte in unseren Zielmärkten zu realisieren. Dieses Neugeschäft möchten wir mit den Mitteln aus der Schwarmfinanzierung finanzieren.

Mit dem Rest werden wir in neue Produkte und in das Marketing investieren, damit wir unseren Kunden immer wieder neue Erlebnisse bieten können.

Wir freuen uns, gemeinsam mit der Crowd zu wachsen und sie als Partner an unsere Seite zu nehmen.

 

Seedmatch: Lieber Michael, danke für das Gespräch und viel Erfolg für euer Funding!