Tollabox stellt Insolvenzantrag – Interview mit Oliver Beste

Mit großem Bedauern geben wir die Nachricht weiter, dass Tollabox bzw. die Playducato GmbH einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt hat. Trotz intensiver Bemühungen in den letzten Monaten ist es dem Berliner Startup nicht gelungen, eine Anschlussfinanzierung zur Fortführung des Unternehmens zu sichern.

Im Juni 2013 führte Tollabox ein Crowdfunding bei Seedmatch durch und hat mit seinem Konzept der Überraschungsbox mit kreativen lernpädagogischen Spielideen, die per Abo nach Hause kommt, 599 Investoren überzeugt. Das Team von Tollabox hat bis zuletzt versucht, eine Anschlussfinanzierung zu verhandeln und dazu mit zahlreichen Investoren gesprochen. Da die Verhandlungen mit potentiellen Geldgebern nicht zu einer Einigung führten, haben die Gründer nun Insolvenz beantragt, ein vorläufiger Insolvenzverwalter ist bestellt. Die Investoren von Tollabox wurden bereits im Investor-Relations-Bereich auf Seedmatch über die Situation informiert.

Wir haben mit Oliver Beste, einem der Gründer der Tollabox, über die Hintergründe gesprochen. Im folgenden Interview erläutert er die Entwicklungen der letzten Monate und wie es zu der Insolvenz gekommen ist.

 Logo Tollabox

Seedmatch: Hallo Oliver, wir haben leider von eurer Insolvenz gehört, das sind bedauerliche Nachrichten. Wie geht es euch jetzt?

Oliver Beste: Wir müssen das eigene Baby aufgeben und enttäuschen diejenigen, die ihr Geld auf unsere Idee und uns als Team gesetzt haben. Entsprechend sind wir natürlich sehr niedergeschlagen und vom langen Ringen mit den Risikokapitalgebern auch erschöpft.

 

Seedmatch: Was ist passiert? Wie kam es zur jetzigen Situation?

Oliver Beste: Wir haben 2014 fast eine halbe Mio. Euro Verlust gemacht – bei 600 Tsd. Euro Umsatz. Wir brauchten also dringend frisches Geld. Doch mit mehreren VCs haben wir uns nicht auf Konditionen einigen können.

 

Seedmatch: Wie gut hat euer Geschäftsmodell funktioniert? Waren die Gründe für die Insolvenz externer oder interner Natur?

Oliver Beste: Die Zahlungsunfähigkeit und der Insolvenzantrag waren die direkte Folge der gescheiterten Finanzierungsrunde über 1,1 Mio. Euro.

Trotzdem glaube ich inzwischen, dass unser Geschäftsmodell auch mit weiteren 1,1 Mio. Euro gescheitert wäre, weil wir nur eine durchschnittliche Abodauer von 7,5 Monaten erreicht haben. 11 Monate wären erforderlich gewesen, um Mitte 2017 mit 20 Tsd. Abonnenten breakeven zu gehen. Die Abodauer ließ sich jedoch einfach nicht ausreichend steigern.

Wir haben immer wieder versucht herauszufinden, warum die von vielen Eltern mit positiven Facebook-Kommentaren empfohlenen Tolla-Boxen nach durchschnittlich nur 7,5 Monaten abbestellt wurden. Die Abbesteller haben vielfältige Gründe genannt: „Kind hat zu wenig Zeit“, „Kind zu jung“, „Urlaub“, „Preis“ usw. Selten hieß es „Tollabox gefällt nicht“ oder „Wir Eltern haben keine Zeit“. Weil der Mangel an Zeit ungern zugegeben wird, glauben wir inzwischen, dass die Eltern nicht mit dem Spielen hinterher gekommen sind. In persönlichen Interviews erfuhren wir von vielen, dass sich ungespielte Tollaboxen zu Hause stapelten wie ein Mahnmal mit der Botschaft: „Wir spielen nicht genug mit unserem Kind!“ und „Wir geben jeden Monat 20 Euro umsonst aus!“ Wir haben sogar in jede Tollabox eine Hör-CD gelegt, damit die Eltern unsere Tolla-Geschichte nicht mehr vorlesen mußten. Die erforderliche Steigerung der Abonnententreue um 50 % haben wir jedoch nie erzielt.

Bestärkt in dieser Einschätzung hat mich Ende Januar ein Gespräch mit dem Gründer des amerikanischen Bastelboxenpioniers Kiwicrate. Sie hatten anfänglich 7 Mio. $ Risikokapital erhalten und sind jetzt immer noch in der Verlustzone, weil ihre Abodauer auch nicht länger ist als unsere.

Kind spielt mit dem Inhalt der Tollabox

Seedmatch: Warum gab es keine Anschlussfinanzierung über Seedmatch? Hätte euch diese geholfen?

Oliver Beste: Unsere Seedmatch-Investoren und Jens-Uwe Sauer haben uns sehr freundschaftlich mehrfach eine Anschlussfinanzierung in Aussicht gestellt. Wir haben das aus zwei Gründen nicht in Anspruch genommen:

  • Erstens wollten wir die Firma nicht noch mit weiteren Darlehensauszahlungen in fünf Jahren belasten. Das hätte der Cash-Flow nicht hergegeben.
  • Zweitens wollten wir den Seedmatch-Investoren das Risiko nicht noch einmal zumuten. Keine Gewissensbisse hatten wir bei VCs, also professionellen Risikokapitialgebern, denen wir in einer monatelangen Due Dilligence (Detailprüfung) alles haarklein erläutert haben.

 

Seedmatch: Gab es frühe Anzeichen für die bevorstehende Insolvenz?

Oliver Beste: Wir hatten fest mit der Finanzierung gerechnet und waren als Gründerteam überrascht, auf welchen kompromisslosen Positionen die Risikokapitalgeber am Schluss bestanden. Im Dezember und Januar haben wir mit den VCs mehrere notarielle Beurkundungstermine angesetzt. Dass wir uns nicht einigen würden, wurde erst vor Kurzem klar.

 

Seedmatch: Wie viele Seedmatch-Investoren sind von der Insolvenz betroffen und wie geht es für diese jetzt weiter? Was passiert jetzt mit den Investments?

Oliver Beste: 599 Seedmatch-Darlehensgeber sind von der Insolvenz betroffen. Viele davon sind Familienmitglieder, Freunde und Bekannte. Wir Gründer haben selbst rund 500 Tsd. Euro in Cash und Gehaltsstundung in der Firma stecken, die natürlich hinter allen anderen Forderungen zurückstehen.

Wenn das Insolvenzverfahren wie geplant am 1. Mai 2015 eröffnet wird, wird der Insolvenzverwalter jeden Seedmatch-Darlehensgeber anschreiben und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mitteilen, dass keine Mittel zur Darlehensauszahlung vorhanden sind. Ab Mai kann der Insolvenzverwalter eine Erklärung über den Verlust des Darlehens ausstellen, der steuerlich geltend gemacht werden kann.

 

Seedmatch: Gibt es noch Möglichkeiten, Euer Unternehmen während und nach der Insolvenz weiterzuführen?

Oliver Beste: Nicht mit teuer zu gewinnenden Abonnenten für Tollaboxen, weil sich das Marketing je Abonnent wegen der kurzen Lebensdauer nicht rechnet und die fixen Personalkosten zu hoch sind. Wir haben 3.500 Abonnenten. Ohne Neukundengewinnung schmilzt diese Zahl schnell.

 

Seedmatch: Was wäre das Beste, was euch und den Seedmatch-Investoren noch passieren könnte?

Oliver Beste: Wenn Kiwicrate oder ein ähnlicher Player die Tollabox kaufen würde und Deutschland weiter mit kreativen Boxen versorgt würde. Meine Anfrage hat Kiwicrate jedoch mangels Kapital ablehnen müssen.

 

Seedmatch: Wie reagieren Eure Investoren?

Oliver Beste: Bisher haben wir nur verständnisvolle und überraschend mitfühlende Kommentare von unseren Seedmatch-Investoren und Business Angels erhalten. Wir hätten uns bis heute keine bessere Unterstützung durch unsere Seedmatch-Investoren und durch das Seedmatch-Team wünschen können. Wir machen uns trotzdem viele Vorwürfe, dass wir gescheitert sind.

Wir hoffen durch unser Scheitern nicht das Crowdfunding an sich oder gar Seedmatch zu beschädigen. Auch erfahrene VCs und Business Angels erleben viele Insolvenzen in ihren Startup-Portfolios, weil selbst die besten Industrieexperten den Erfolg von Innovationen nicht vorhersagen können. Nur die Streuung über viele Investments und mehrjährige Geduld führt zum Erfolg. Wenige gute Exits müssen bei allen Risikokapital-Investoren viele Misserfolge ausgleichen. In der Regel sind nur 10 oder 20 % wirklich erfolgreiche Investments für den Gesamterfolg eines VC-Fonds verantwortlich. 50 % Abschreibungen sind keine Seltenheit. Der kritische Erfolgsfaktor ist die Möglichkeit, sein Risikokapital streuen zu können. Früher konnten das nur wenige Investoren mit sehr viel Risikokapital. Dank Crowd-Investing ist es jetzt möglich, schon mit wenigen tausend Euro in zehn oder mehr Startups zu investieren und sich mit ausreichender Risikostreuung an dieser Anlageklasse mit ihren hohen Chancen und Risiken zu beteiligen.

 

Seedmatch: Rückblickend: Was hättet ihr anders gemacht?

Oliver Beste: Den Risikokapitalgebern gegenüber hätten wir früher härter auftreten müssen, dann hätten wir mehr Zeit für die Lösung der Streitpunkte der letzten Wochen gehabt. Operativ haben wir uns zu stark auf die Kostensenkung bei der Abonnentengewinnung konzentriert und zu wenig auf die Verlängerung der Lebensdauer. Wir dachten, wenn wir bessere Kunden z. B. über TV kriegen, dann ist das Problem gelöst. War es jedoch nicht.

 

Seedmatch: Wie geht es für euch jetzt weiter?

Oliver Beste: Ich bin skeptisch (wie Nao aus unserer Tollabox-Geschichte) bezüglich einer Fortführung und kümmere mich um eine professionelle Insolvenzabwicklung. Béa ist immer optimistisch wie Kess von den Tollas. Sie prüft, wie sie über April hinaus Tollaboxen versenden kann oder ob sie zumindest digitale Anleitungen für Lernen durch Spielen verschicken kann.

 

Seedmatch: Vielen Dank für deine offenen Worte, Oliver. Wir wünschen  Dir und dem gesamten Tollabox-Team alles Gute für die Zukunft. Wir finden es sehr schade, dass eure Geschäftsidee nicht funktioniert hat – wir haben, wie auch eure Investoren, an euch geglaubt. Wir wünschen euch viel Erfolg bei dem, was ihr jetzt anpackt.

 Das Gruenderteam der Tollabox

Seit der Gründung in 2011 wurden über Seedmatch bereits 76 Finanzierungsrunden von 65 Startups erfolgreich durchgeführt. Über die Hälfte der jungen Unternehmen haben nach dem Crowdfunding bereits eine Anschlussfinanzierung erhalten – sei es über Venture Capital-Gesellschaften und andere institutionelle Investoren, Business Angels, strategische Investoren oder die Crowd selbst. Anschlussfinanzierungen sind eine wichtige Voraussetzung für Startups, um weiter wachsen und sich am Markt etablieren zu können. Bleiben diese aus, kann das den Fortbestand eines Unternehmens natürlich auch negativ beeinflussen.

Wir möchten an dieser Stelle noch einmal darauf hinweisen, dass Startup-Investments hochriskant und nicht für jeden Geldanleger geeignet sind. Im Allgemeinen sind Startups junge, innovative und noch nicht etablierte Unternehmen auf der Suche nach einem nachhaltigen Geschäftsmodell. Das Risiko des Scheiterns ist entsprechend hoch. Der langfristige Erfolg eines Startups hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab – so z. B. vom Team, technologischen Entwicklungen, Schutzrechten, gesetzlichen Rahmenbedingungen, dem Markt oder den Wettbewerbern. Für einen Startup-Investor ist es wesentlich wahrscheinlicher, dass er sein investiertes Kapital verliert, als dass er eine Rendite erzielt. Das Thema Portfoliostrategie haben wir an anderer Stelle hier im Blog gesondert aufbereitet: Investoren sollten ihr Risiko streuen, indem sie in verschiedene Startups investieren, anstatt alles auf eine Karte zu setzen. Denn bei jedem Investment ist ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals möglich. Für allgemeine Fragen rund um das Thema Insolvenz haben wir unsere FAQ um den entsprechenden Bereich ergänzt. Die Insolvenz-FAQ finden Sie hier.

Wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass Gründer die deutsche Wirtschaft nachhaltig voranbringen können. Das risikoreiche Unterfangen, ein Startup zu gründen, findet jedoch nicht ohne Weiteres die nötigen Finanzierungsmittel. Daher sind wir mindestens genauso überzeugt von der Kraft des Crowdfundings: Neben den mutigen Vordenkern braucht es auch die mutige Crowd, die bereit ist, dieses Risiko mit einzugehen. Denn nur so können neue, innovative Produkte und  Lösungen ihren Weg finden. Das Team von Tollabox ist mit einem tollen Produkt an den Markt gegangen, an das sowohl wir von Seedmatch, als auch fast 600 Investoren geglaubt haben. Leider hat der Markt nicht so reagiert, wie prognostiziert. Das zeigt, wie vielschichtig die Gründe für ein Scheitern sein können.

Wir wünschen dem Team von Tollabox alles Gute für ihre weiteren Vorhaben!

 

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  1. Playducato GmbH, Betreibergesellschaft von TOLLABOX stellt Insolvenzantrag | crowdinvestingszene.de sagt:

    […] Interview mit Oliver Beste von TOLLABOX auf Seedmatch zum Insolvenzantrag […]

  2. Lieber Oliver,

    für dieses Interview, eure Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und eure Ausdauer gebührt euch ganz großer Respekt.

    Crowdfunding ist nicht nur Partizipation an Erfolgen, sondern am Gründen als Solches. Dieses Interview lässt einen daran teilhaben, dass zu all den Ups auch Downs gehören.

    Euch alles Gute!
    Jakob

  3. Sandro sagt:

    „Die Zahlungsunfähigkeit und der Insolvenzantrag waren die direkte Folge der gescheiterten Finanzierungsrunde über 1,1 Mio. Euro.“

    Die anderen, die kein weiteres Geld verbrennen wollten, sind also Schuld an der Pleite?

    Und nicht das Geschäftsmodell und/oder die Unfähigkeit der Gründer?

    • Oliver Beste sagt:

      Hallo Sandro, hallo Konstantin,

      Ihr schreibt verständlicherweise verärgert, „Wieder eine Ausrede, die leider zu oft zu hören ist. Die VC-Kapitalgeber waren schuld, da sie nicht noch mehr Geld verbrennen wollten“ und zitiert zur Begründung Eures Vorwurfs meine Interview-Antwort: „“Die Zahlungsunfähigkeit und der Insolvenzantrag waren die direkte Folge der gescheiterten Finanzierungsrunde über 1,1 Mio. Euro.”

      Erlaubt mir das Mißverständnis aufzuklären. Es ist korrekt, dass ich als Geschäftsführer wegen der gescheiterten Finanzierungsrunde verpflichtet war, Insolvenz anzumelden. Die Runde ist nur nicht, wie ihr vermutet, an den Investoren gescheitert, sondern an uns, weil wir das Angebot der Investoren über 1,1 Mio. Euro auch nach Nachbesserungsversuchen von seiten der Investoren schlussendlich abgelehnt haben. Wegen aus Gründersicht noch unakzeptabler Klauseln und unterschiedlicher Wertvorstellungen.

      Bei meinem Verkaufsversuch an Kiwicrate habe ich dann kurz vor der Insolvenzanmeldung gelernt, dass unsere Abodauer-Planung von 11 Monaten für einen Breakeven in 2017 utopisch ist, weil Kiwicrate immer noch bei 7,5 Monaten stagniert und trotz 7 Mio. $ Startfinanzierung Verluste schreibt. Obwohl ihr Produkt seit Jahren so gestaltet ist, wie wir die Tollabox jetzt mit dem Investorengeld umgestalten wollten.

      Hätten wir mit dieser Erkenntnis trotzdem das VC-Geld oder neues Seedmatch-Geld „verbrennen“ sollen, um die 600.000 Euro der Crowd und unsere rund 500.000 Euro, die wir jetzt abschreiben müssen, mit offensichtlich sehr geringer Wahrscheinlichkeit zu retten?

      Es war nicht meine Absicht, Investoren oder Kunden auch nur irgendeine Schuld zuzuschieben. Das widerspricht völlig unserem Denken und ich entschuldige mich für diesen falschen Eindruck. Wir sind gescheitert, unser Produkt so zu verbessern, dass Eltern es im Schnitt länger als 7,5 Monate im Abo behalten wollten. Oder ein neues wirtschaftlicheres Produkt zu erfinden.

      Schöne Grüße

      Oliver

  4. Konstantin sagt:

    Echt schade das es nicht geklappt hat. Fand die Idee eigentlich gelungen. Leider haben die Gründer nicht viel Sachverstand an den Tag gelegt.

    “Die Zahlungsunfähigkeit und der Insolvenzantrag waren die direkte Folge der gescheiterten Finanzierungsrunde über 1,1 Mio. Euro.”

    Wieder eine Ausrede, die leider zu oft zu hören ist. Die VC-Kapitalgeber waren schuld, da sie nicht noch mehr Geld verbrennen wollten. Ist halt leichter, eine Teilschuld bei den anderen zu suchen. Am besten noch den Familien mit Kindern die schuld geben, die die Tollabox nicht abonniert haben.

    „Wir haben 2014 fast eine halbe Mio. Euro Verlust gemacht – bei 600 Tsd. Euro Umsatz.“

    Wie schafft man es denn soviel Verlust anzuhäufen? Hätte die TV-Werbung wirklich sein müssen bei so einem Produkt? Hätte man sich nicht eher auf Adwords und Social Media Kampagnen konzentrieren sollen? Es handelt sich um kein Hightech-Produkt. Wie hoch waren den Eure Materialkosten bei einer Box??? Der Inhalt der Boxen bestand doch meistens hauptsächlich aus Pape, Papier und Wolle????

    Auch finde ich den Preis einer Box als viel zu hoch angesetzt! Für mindestens 17,95€ bekommt man größtenteils Plastik und Papier nach hause geliefert. Im direkten Vergleich zu den Ravensburger Experimentierkästen waren Euro Boxen einfach viel viel schlechter. Sorry wenn ich das so hart sagen muss!

    Hoffe natürlich trotzdem das die Insolvenz erfolgreich ausfällt und jemand die Idee noch rettet…

    • Oliver Beste sagt:

      Hallo Konstantin,

      gegen Eure Kritik an der Tollabox können wir wenig einwenden („Im direkten Vergleich zu den Ravensburger Experimentierkästen waren Eure Boxen einfach viel viel schlechter“). Die Kunden haben Euch durch Abbestellungen recht gegeben.

      Daneben werden bei Euch Ärger und Zweifel an unserem Wirtschaften laut und möglicherweise auch ein leiser Verdacht der persönlichen Bereicherung. Du fragst „Wie schafft man es denn soviel Verlust anzuhäufen?“ und Rene schreibt unten: „Ob die unglaublichen Beträge, die in Beratung etc. geflossen sind, wirklich sinnvoll verwendet wurden?“

      Die Beratungsgebühren sind neben Anwälten und Finanzierungskosten (z.B. 2013 60.000 Euro für Seedmatch) hauptsächlich die Honorare von uns Gründern. Unsere Honorare wurden größtenteils nicht ausgezahlt sondern gestundet und verfallen jetzt. Wir haben sie seit Langem nachrangig hinter die Seedmatch-Forderungen gestellt.

      Verschwendung und persönliche Bereicherung wäre ein falscher Eindruck: Béa und ich haben uns wegen der chronisch angespannten Finanzlage als Geschäftsführer im Schnitt 1.800 Euro brutto pro Monat gezahlt und dabei privat ca. 1.000 Euro Miete jeden Monat für die Firma übernommen sowie über 200.000 Euro Cash in die Firma eingezahlt, die jetzt weg sind.

      Hauptkostenblöcke sind Marketing, Material, Mitarbeiter, Versand und Programmierung.

      Weil das Produkt eine monatliche kreative Entwicklung darstellt wie bei einer Zeitschriftenredaktion, ist es personalintensiv. Der Durchschnittsbruttolohn der 11 Mitarbeiter liegt bei ca. 2.500 Euro:
      1 CEO
      1 Leiterin Produktentwicklung, Pädagogik und Social Media, PR
      1 Leiterin Produktion- Logistik und Customer Service
      1 Leiter Finanzen, IT und Marketing
      1 Designerin für Anleitungen und illustrierte Geschichte
      1 Produktentwickler für Spiele
      1 Customer Service Agentin
      1 Einkäuferin Material
      1 Programmierer
      1 Online-Marketing-Mitarbeiter
      1 Praktikant Video- und Audioproduktion (Tolla-Geschichte und Audio-CD)

      TV haben wir aus Sorge vor hohen Kosten erst sehr spät nach 20 anderen gescheiterten Marketingmethoden ausprobiert. Wir hätten es besser früher gemacht, denn die TV-Werbung ist wirtschaftlicher als Adwords und Social Media, weil unser Produkt erklärungsintensiv ist und wir günstige TV-Deals verhandeln konnten. Die TV-Kunden haben zudem eine längere Lebensdauer und weniger Zahlungsausfälle.

      Du schreibst „Auch finde ich den Preis einer Box als viel zu hoch angesetzt! Für mindestens 17,95€ bekommt man größtenteils Plastik und Papier nach hause geliefert“

      Es gibt viele Kosten pro Box, die leicht übersehen werden:

      – 4 Euro durchschnittliche Rabatte (für mehrmonatige Abos, Discounts etc.)
      – 3 Euro für 19% MwSt.
      – 6 Euro Material
      – 2 Euro Konfektionierung, Lagerung, Versand
      – 3 Euro Porto
      – 0,50 Euro Zahlungssystemanbieter (Paypal, Adyen etc.)
      – 1 Retourekosten (Porto, Bearbeitung, Umsatzausfall)
      – 1 Euro Zahlungsausfälle und Chargeback-Kosten (über 5% Kunden, die nicht zahlen)

      Die Marketingkosten pro Neukunde sind mit über 30 Euro bei 7,5 Monaten Abodauer ebenfalls zu hoch.

      Ich hoffe das wirft etwas Licht ins Dunkel.

      Oliver

      • Ralf siebert sagt:

        1. Das ist der Klassiker! Warum betreibt Ihr das Geschäft nicht selbst und habt so einen Wasserkopf an Personal! Der Tag hat immerhin 24 Stunden und 16 Stunden kann man da gut arbeiten!

        2. Die aufgeführten Kosten für die Box sind sicherlich richtig. Die Marketingkosten sind klassisch bedingt. Wusste Ihr, dass Ihr rund 65.000 Kunden plus deren Freunde habt?

        3. Ich glaube, dass ich mich heute als Kind sehr schnell mit der Box langweilen würde. Das ist vorgekaut und ich hätte nichts selbst zu entdecken. Kinder sind Entdecker! Und Selbstmacher! Siehe mein Beispiel „Flitzebogen“ weiter unten.

        Oliver, auf an Dich die Fragen, wollt ihr das Geschäft fortführen und erfolgreich machen? Oder lieber jammern?

        Beste Grüße vom Dorf,
        Ralf 🙂
        P.S. Es gäbe da sicher ein paar Ansätze, die Kehrtwendung hin zu bekommen, wenn man will!

  5. Jan sagt:

    Liebes Tollabox Team,

    „das Leben geht weiter“, also Kopf hoch, Kopf auslüften und weiter gehts. Es gibt noch viele Ideen die auf Gründer warten:).

    Einen Frage habe ich jedoch zu den immer wieder auftauchenden Hinweis zur steuerlichen Geltendmachung. Ihr schreibt….“Ab Mai kann der Insolvenzverwalter eine Erklärung über den Verlust des Darlehens ausstellen, der steuerlich geltend gemacht werden kann“.

    Im Steuer FAQ von Seedmatch findet sich jedoch folgender Passus:
    „Die aktuellen Verträge von Seedmatch sehen ein Investment in Form eines partiarischen Nachrangdarlehens vor. Partiarische Darlehen sehen keine Beteiligung an den Verlusten aus der operativen Tätigkeit des Startups vor, so dass auch eine steuerliche Geltendmachung von laufenden Verlusten des Startups beim Investor nicht möglich ist. Ähnlich verhält es sich bei dem möglichen (Teil-)Verlust des Darlehensrückzahlungsanspruches aufgrund von Liquidation oder Insolvenz des Startups. Auch hierbei handelt es sich um einen einkommenssteuerrechtlich nicht berücksichtigungsfähigen Verlust“

    Wenn ich das richtig deute nützt mir als Privatperson die Bescheinigung des Insolvenzverwalter nicht wirklich was, oder?!

    Beste Grüße
    Jan

    • Oliver Beste sagt:

      Hallo Jan,

      Du hast recht mit dem steuerlichen Hinweis auf die FAQs. Im Investorenkanal habe ich das bereits zitiert, bin allerdings bisher zum Glück Laie bei Steuer- und Insolvenzfragen. Ich rate, den eigenen Steuerberater zu fragen. Vielleicht hat er noch eine kreative Idee. Unser Insolvenzverwalter bietet eine solche Bescheinigung nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens am 1. Mai an.

      Schöne Grüße

      Oliver

  6. Rene sagt:

    Guten Tag,

    ich finde es enttäuschend, dass man als „Investor“ erst durch den Newsletter über den Antrag informiert wird.

    Nach den Gründen zu suchen ist jetzt irgendwie müßig. Als „Investor“ hätte man scheibare Fehler der Gründer sowieso nicht beeinflussen können. Das Geld ist futsch.

    Ob die unglaublichen Beträge die in Beratung etc. geflossen sind wirklich sinnvoll verwendet wurden? Wer an welcher Stelle wie viel Geld „verdient“/bekommen hat oder nicht ist jetzt egal.

    Auch „Tollabox“ reiht sich in die leider sehr lange und wenig erfreuliche Liste der Insolvenzen ein.

    Mein Fazit nach 3 Verlusten: Ich werde kein Geld mehr über Plattformen wie Seedmatch oder ähnliche investieren. Lieber unterstütze ich in Zukunft Hilfsprojekte in der dritten Welt.

    Enttäuschte Grüße
    René

    • Oliver Beste sagt:

      Hallo Rene,

      wir haben am Tag der Benennung des Insolvenzverwalters, Freitag dem 13.2., sofort im Investorenkanal berichtet.

      Ich glaube Du kannst Deine Email-Einstellungen bei Seedmatch so einstellen, dass Du neue Meldungen sofort und nicht nur wöchentlich bekommst.

      Schöne Grüße

      Oliver

  7. Rene sagt:

    Hallo,

    eine ergänzende Frage:
    Warum sollen jetzt noch Boxen versendet und damit Kosten verursacht werden? Gibt es entsprechende Verpflichtungen?

    Mir erschliesst sich der Sinn nicht oder wird durch Verzicht auf Werbung etc in den nächsten Monaten ein Gewinn gemacht?

    Gruss
    René

    • Oliver Beste sagt:

      Hallo Rene,

      ja, durch die Übernahme der Löhne durch das Arbeitsamt und die Streichung aller Marketingkosten wird bis zum 1. Mai sofort Gewinn gemacht, der als Insolvenzmasse an die Gläubiger (bzw. zuerst den Insolvenzverwalter 😉 ausgeschüttet wird. Nächste Woche habe ich zudem mit einem Kaufinteressenten einen Vorort-Termin hier, der sich auf Abovertrieb spezialisiert hat (Zeitschriften, Kosmetik- und Gourmetboxen) und vielleicht Synergieeffekte heben kann.

      Schöne Grüße

      Oliver

  8. Ralf siebert sagt:

    Hallo!

    Das ist sehr Schade, dass eine eigentlich gute Idee am Ende ist!

    Ich habe mir die WebSeite und die Boxen angesehen! Und auch die Erklärungen, wie Kinder zu sein haben. Stichwort: Ich-Smart.

    Viel zu wissenschaftlich und am Kind vorbei! Mein Sohn, heute fast 12 Jahre alt, soll das Leben lernen. Dazu gehört unter Umständen auch, dass er lernt, vom Baum zu fallen. Das wünscht sich kein Elternteil natürlich, aber manchmal gehört es einfach zu Leben dazu.

    Ich habe den kleinen Indianer-Bogen gesehen! Nette Idee! Aber wie baue ich so einen „Flitzebogen“ indem ich mir in der Natur einen Weidenast abschneide und aus Schilfrohr Pfeile baue. Dazu gehört ein gutes Stück Schnur und ein kleine Taschenmesser.

    Vielleicht bin ich zu alt, lebe auf dem Land und bin pädagogisch ungebildet und in der Steinzeit hängen geblieben. Aber ich habe in meiner Kindheit und Jugend gelernt, dass ich etwas erleben will und pädagogisch wertvolle Informationen nicht durch kluge Geschichten oder Konzepte mitgeteilt bekomme.

    Könnte das der Grund sein, für das Desinteresse an der Box? Ich unterstütze gerne weiter?!

    • Béa Beste sagt:

      Hallo Ralf,

      wir sehen eigentlich keine Unterschiede zwischen deiner Meinung, dass Kinder das Leben lernen sollen und unserem Konzept. Das Play-Curriculum beschreibt nicht, wie Kinder zu sein haben, sondern den Prozess, der ihnen verhilft, das zu werden, was sie sein können und wollen. Und dies auch nicht mal erschöpfend!

      Erlebnisse auf dem Land und in der Natur sind das Beste überhaupt – aber für diejenigen, die das nicht so einfach erreichen, finden wir die Idee „Spielen mit Zeug“ immer noch besser als fertiges Spielzeug. Und z.B. Kochen und Küchenexperimente decken wir ja auch ab – was auch zum Thema Lebenserfahrung zählt.

      Trotzdem: Es gibt gewiss viele Gründe fürs Scheitern, deine Ansätze sind bestimmt gültig und bedenkenswert.

      Herzlich,
      Béa

      • Ralf siebert sagt:

        Hmm?!

        Béa, wollt ihr das Geschäft fortführen und erfolgreich machen? Oder lieber jammern?

        Beste Grüße vom Dorf,
        Ralf 🙂

        P.S. Es gäbe da sicher ein paar Ansätze, die Kehrtwendung hin zu bekommen, wenn man will!

  9. Britta sagt:

    Hallo Béa, Oliver und MitstreiterInnen,

    Ich bin auch frustriert und enttäuscht wie andere hier. ABER: ich möchte euch ein Riesenlob aussprechen für eure Art, hier zu kommunizieren und die Einwände und Fragen der Investoren ernst zu nehmen. Tolla! Gerade auch im Vergleich zu anderen insolvent gewordenen startups hier auf Seedmatch. Ich wünsche euch von Herzen, dass eure Ideen, aber auch eure Unternehmens- und Kommunikationskultur demnächst doch noch honoriert werden!

  10. […] mittlerweile insolvent. Wie es dazu kam, erklärt Gründer Oliver Beste gegenüber Seedmatch in einem sehr offenen Interview, dass besonders das Absatzmodell Abo-Commerce beleuchtet. Tollabox hatte mit hohen Kundengewinnungskosten und mit einer zu kurzen „Lebensdauer“ der […]

  11. […] Die Sache mit der Vereinbarkeit läuft also nicht, die Eltern wissen nicht, wo ihnen der Kopf steht, und Bastelkisten kriegt der Nachwuchs vielleicht bald auch nicht mehr. Das ist keineswegs als Witz gemeint, das ist ernst, das ist eine Wirtschaftsmeldung, und sogar eine interessante. […]

  12. goas sagt:

    ich habe 3 kinder und würde nie fast 20 euro für eine box ausgeben, im kik um die ecke gibts immer wieder bastelsachen die runtergesetzt werden auf 0,10 euro^^ wir versorgen sogar unseren kindergarten mit solchen günstigen sachen und die freuen sich immer enorm, es gibt auch die papierbögen wo bunt sind wo man laternen etc. bauen kann kosten 20 blatt 2 euro. paar karton fetzen aus den kaufhäusern umsonst mitnehmen, kleber etc. hat man zuhause und so gibt man im monat nicht mal 2-3 euro zum basteln aus, wiso hier massenhaft geld ausgeben für so nen müll, es war mir von vornherein schon klar als ihr das aufgezogen habt das das ein pleite geschäft ist, da die leute billig leben wollen und nicht so überteuert.

    und leute die noch geld verlangen weil ich mit paypal zahlen will (gebührenabwälzung auf den kunden) ist laut paypal ja sowieso verboten. ne denen steck ich nicht mein geld in den rachen

    • Béa Beste sagt:

      „If you think, education is expensive, try ignorance“
      (Derek Bok, former President of the Harvard University)