Protonet-Event: „Wir wollen das Vorzeigebeispiel für Investor Relations sein“

Protonet: Das Hamburger Startup, das im vergangenen Jahr die Rekordsumme von 3 Millionen Euro über Crowdfunding bei Seedmatch eingesammelt hat, hat es geschafft, sich in den Köpfen der Crowd-Investoren einen festen Platz zu sichern.

Denn der Verlauf des Fundings war turbulent: Nachdem bereits 89 Minuten nach dem Start 750.000 Euro von der Crowd investiert wurden (Weltrekord!), sollte sich die Summe im Laufe des Tages (!) noch verdoppeln – Limit erreicht. Von dieser Dynamik überwältigt, wurde das Funding einige Tage später wieder geöffnet und das Limit auf 3 Millionen Euro erhöht – auch das wurde in kurzer Zeit geknackt.

Mit dem Erfolg kam eine enorme Medienpräsenz auf das Startup, das mit seinen Servern die Datenhoheit ihrer Kunden wahren will, zu: Spiegel Online, das Szene-Magazin t3n und sogar die US-amerikanische Website gigaom berichteten während des Fundings, u. a. deutsche-startups.de lieferte einen Beitrag zum finalen Erfolg.

Protonet hat mit seinem zweiten Funding (2013 lief die erste Runde bei Seedmatch) neue Maßstäbe für eine Crowdfunding-Kampagne und den Umgang mit dem Hype gesetzt. So auch jetzt wieder, wenn das Startup zu sich in die Hansestadt einlädt, um als erstes Startup eine Crowdinvestoren-Hauptversammlung einzuberufen. Aber der Reihe nach: Im Gespräch mit Philipp Baumgaertel, zuständig für die Investor Relations bei Protonet, erfahren Sie, was sich seit Ende des Fundings getan hat und welche Rolle die Beziehung zu den Investoren bei Protonet spielt.

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Seedmatch: Eure Crowdfunding-Rekordgeschichte hat nicht nur uns beeindruckt, sondern wurde auch von den Investoren wie auch medial sehr positiv aufgenommen. Wie ist seit Fundingende der Kontakt zu eurer Crowd? 

400_protonetPhilipp Baumgaertel: Auch für uns war das eine große Überraschung. Umso mehr waren wir uns sehr schnell einig und motiviert, diesen positiven Tenor beizubehalten. Die Crowd ist nicht einfach nur Geldgeber, sie ist unser “Partner in Crime”, sie steckt überall mit drin und wir begegnen ihr auf Augenhöhe. Deshalb suchen wir aktiv den Kontakt zu unseren Investoren und sind jeden Tag in Gesprächen mit ihnen.

 

Seedmatch: Wie wichtig und hilfreich war bzw. ist das Feedback eurer Investoren?

Philipp Baumgaertel: Wir nehmen Feedback grundsätzlich sehr ernst und dokumentieren jeden Wunsch und jede Kritik. Das bedeutet allerdings nicht, dass auch jeder Wunsch umgesetzt wird. Unsere Investoren kommen aus allen Gesellschaftsschichten und Branchen, unsere Kunden sind aber vorwiegend kleine Agenturen. An dieser Stelle muss man die Feature-Wünsche eindeutig unterscheiden und priorisieren.

 

Seedmatch: Die Themen Vertrauen und Transparenz sind enorm wichtig für euch. Wie versucht ihr beides bestmöglich umzusetzen? Wie schwer war bzw. ist es, das Vertrauen der Investoren zu gewinnen?

Philipp Baumgaertel: Vertrauen ist eigentlich immer ein Ergebnis von Taten und transparenter Kommunikation. Natürlich leisten wir uns auch mal Patzer, machen Fehler und treffen falsche Entscheidungen – das ist allerdings nichts unnormales, sondern in jedem Unternehmen Alltag. Was den Unterschied macht ist der offene Umgang damit. Wir geben regelmäßig Statements über Probleme und Fehlentscheidungen an unsere Investoren raus, um sie bestmöglich zu informieren. Auch die von uns ausgerufene Hauptversammlung, zu der alle 1.988 Investoren eingeladen sind, trägt zur Vertrauensbildung bei.

 

Seedmatch: Im Startup-Alltag hat man im besten Fall alle Hände voll mit operativem Geschäft. Wie schafft ihr es, den Kontakt zu den Investoren stetig zu pflegen?

Philipp Baumgaertel: Auch das ist operatives Geschäft und kein Add-On. Unser Produkt ist nicht E-Commerce oder Handel oder SaaS – wir sind ein Produkt, dass eine Bewegung und Backup aus der Gesellschaft braucht und wünscht. Mit unseren Investoren haben wir eine riesige Crowd hinter uns, die an unserem Erfolg interessiert ist. Das nicht zu nutzen, wäre schlicht fahrlässig.

 

Seedmatch: Wenn Du anderen Startups deine Top 5 der IR-Tipps geben solltest: Welche wären es?

Philipp Baumgaertel: Es gibt keine allgemeingültige Formel für eine gute Investorenkommunikation. Wir haben jedoch eine Umfrage unter unseren Investoren gemacht, die folgende Dinge als wichtig heraus stellte:

  1. Pünktliche Abgabe der Finanzberichte
  2. Zusätzlich zu den Quartalsberichten geben wir alle vier Wochen ein Status-Update heraus, das sehr gut angenommen wird.
  3. Eine schnelle Beantwortung aller Fragen
  4. Vernetzung der Investoren untereinander
  5. Eine persönliche Ansprache und persönlicher Kontakt

 

Seedmatch: Nun zu eurem neuesten Vorhaben: Am 21. Februar ladet ihr Eure Investoren nach Hamburg ein. Ihr seid das erste Startup, das nach seinem Crowdfunding eine Investoren-Hauptversammlung veranstaltet. Was hat euch dazu bewogen?

Philipp Baumgaertel: Auch dies ist ein Ergebnis durch Input, den wir aus der Investoren-Community bekamen und gut fanden. Die Entscheidung dafür war nicht schwer. Zum einen möchten wir im Februar die Menschen noch besser kennenlernen und unsere Partnerschaft aufbauen, besser und tiefer nutzen. Zum anderen möchten wir ein gutes Beispiel für Transparenz und Anlegersicherheit liefern, denn Crowdfunding ist durch den Gesetzgeber in Zukunft eingeschränkt. Da wir Crowdfunding weiterhin als wichtige Finanzierungsalternative für junge Unternehmen sehen, müssen wir zeigen, dass auch ohne Börsen-Prospekt ausreichend Transparenz geschaffen werden kann.

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Seedmatch: Warum glaubst Du, hat bisher kein Startup diese Form der Investoren-Betreuung gewählt? 

Philipp Baumgaertel: Eine intensive Investoren-Betreuung ist natürlich aufwendig und kostet Geld. Wir agieren nicht wie ein Konzern und haben den Anspruch an eine tolle Erfahrung für alle Beteiligten. Auch hier spielt eine innovative Herangehensweise eine Rolle. Ich kann mir vorstellen, dass viele Startups die Betreuung der Investoren nicht als Chance, sondern als Workload verstehen. Dies ist aber nur eine Vermutung.

 

Seedmatch: Was ist Ziel des Events?

Philipp Baumgaertel: Es gibt drei Hauptziele: Die Beziehung untereinander zu stärken, das Vertrauen in unsere Partnerschaft zu festigen und zu zeigen, dass wir Performance bringen. Wir wollen das Vorzeigebeispiel für Investor Relations sein. 

 

Seedmatch: Wie konkret sind eure Planungen schon: Was erwartet die Gäste?

Philipp Baumgaertel: Sehr konkret: Wir erwarten etwa 300 Gäste, die aus ganz Deutschland anreisen und werden uns stilecht in einer Kiez-Location versammeln. Neben den Jahreszahlen und der Strategie für 2015, stellen wir eine neue Kampagne und die Zukunft der Daten vor.

 

Seedmatch: Mit welcher Botschaft oder mit welchem Gefühl soll eure Crowd vom Event nach Hause gehen?

Philipp Baumgaertel: „Du, Maria, ich war heute auf der Veranstaltung von diesen Protonet-Leuten. Ich wusste ja nicht genau was die machen, aber hatte gerade Zeit. Du kannst dir nicht vorstellen, WIE wichtig dieses Thema für uns ist und WIE gut die das machen.“ – Über so einen Satz würden wir uns freuen.

 

Seedmatch: Danke für das Interview, Philipp. Wir wünschen euch viel Erfolg für das Event!