„Es ist wirklich beeindruckend, mit welcher Begeisterung die Fans vor Ort den Concert Stick aufnehmen!“ Branchenkenner Gerrit Schumann im Gespräch

Gerrit Schumann ist VP Europe beim weltweit agierenden Musik Streaming Service Deezer und eine anerkannte Führungspersönlichkeit in der internationalen Musikbranche. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, welches Potenzial seiner Ansicht nach der Live-Recording-Markt hat und was das Team von Bleecker Street mitbringt, um dieses Potenzial auszuschöpfen.

 

BleeckerStreet_Gerrit_SchumannSeedmatch: Sehr geehrter Herr Schumann, vielen Dank, dass Sie uns für ein Interview zur Verfügung stehen. Sie sind schon viele Jahre in der Musikbranche tätig und ein wahrer Branchen- und Marktkenner. Verraten Sie uns, welches ihr tollstes Konzert-Erlebnis war?

Gerrit Schumann: Es gab so viele, aber sicherlich gehört Page & Plant beim Bizarrefestival 1998 dazu.

 

Seedmatch: Mit Bleecker Street kann man sein Live-Erlebnis nach dem Konzert direkt als USB-Stick mit nach Hause nehmen. Wie schätzen Sie den Markt für diese Geschäftsidee ein?

Gerrit Schumann: Ich bin natürlich davon überzeugt, dass wir schon in naher Zukunft überwiegend Musik in einem zugriffsbasierten Modell über Streaming hören werden. Gleichzeitig werden damit aber auch fanorientierte Nischenprodukte immer wichtiger. Das belegt unter anderem die Entwicklung der Schallplatte in den letzten Jahren, eines der am schnellsten wachsenden Segmente im Musikmarkt mit zweistelligen Zuwachsraten, das mittlerweile wieder 1.5% des Marktes oder ca. 200 Mio. Euro pro Jahr ausmacht. Genauso ist der Concert Stick ein besonderes Fanprodukt, das eine sehr gute Ergänzung zur zunehmend virtuellen Musikwelt darstellt. Dazu kommt der wachsende Markt der Fanartikel als mittlerweile wichtiges Standbein für jeden Künstler.

sonic boomSeedmatch: Sie kennen das Team von Bleecker Street schon aus Ihren simfy-Tagen. Aus ihrer Sicht: Welches besondere Potenzial bringt das Team mit, um mit ihrer Idee erfolgreich zu sein?

Gerrit Schumann: Ganz entscheidend für die Skalierung des Geschäftsmodells ist das Thema Lizenzierung. Um das zu erreichen, ist das Thema Track Record und Reputation immens wichtig, denn Künstler und Labels müssen das Vertrauen in eine perfekte Umsetzung haben. Und genau das hat das Team schon mehrfach bewiesen. Und neben der Erfahrung bringt das Team auch eine Leidenschaft und Auge für das Detail am Produkt und der Produktion mit, was es aus meiner Sicht auch einzigartig macht.

KISS_WaldbuehneSeedmatch: Mit simfy-live haben Sie ja bereits das gleiche Konzept angeboten, wie es nun auch die Bleecker Street anbietet. Was hat damals dazu geführt, das Live-Recording Geschäft aufzugeben?

Gerrit Schumann: Das lag an der Fokussierung auf simfy. Das Livebusiness hat damals sehr gut funktioniert, aber wir mussten unsere Ressourcen damals einfach fokussieren, trotz des Erfolges und des sehr guten Umsatzes mit Livekonzerten.

 

Seedmatch: Derzeit bewegen sich Bleecker Street mit ihrem Konzept ja nahezu alleine in diesem Markt. Warum glauben Sie, hat nach simfy-live kein Wettbewerber versucht, das Konzept aufzunehmen und selbst anzubieten?

Gerrit Schumann: Die Eintrittsbarriere ist relativ hoch und es ist ein Marktsegment, kein breiter Massenmarkt. Diese Kombination ist eigentlich die perfekte Marktumgebung für maximal eine Handvoll von Playern.

 

Seedmatch: Wie beurteilen Sie als Branchenkenner das Risiko, dass die großen Musik-Labels oder Veranstalter das Konzept der Bleecker Street irgendwann selbst anbieten?

Gerrit Schumann: Ich sehe bei keinem der genannten Marktteilnehmer die Kompetenz oder Ressourcen, um etwas ähnliches anbieten zu können oder zu wollen. Es bedarf eines hohen Grads an Spezalisierung, um in der gesamten Prozesskette von Lizenzierung, Vertragsgestaltung bis hin zu Recording, Produktion und Auswertung ein perfektes Produkt anbieten zu können.

Bleecker-Street_Backstage

 

Seedmatch: Warum bietet sich aus ihrer Ansicht das Konzept der Bleecker Street für ein Crowdfunding an?

Gerrit Schumann: Ich denke, viele Crowdinvestoren sind gleichzeitig auch Musikliebhaber und Konzertbesucher und können nachvollziehen, wie gut sich ein derart emotionales Produkt verkaufen lässt. Wer noch Zweifel hat, schaut sich das am besten selber einmal vor Ort bei einem Konzert an, um sich einen Eindruck zu verschaffen. Es ist wirklich beeindruckend, mit welcher Begeisterung die Fans vor Ort den Concert Stick aufnehmen.

 

Seedmatch: Die Crowd hat im Vorfeld viel zum Konzept und Skalierbarkeit der Bleecker Street spekuliert. Wie würden Sie als Branchenexperte noch Zweifelnde überzeugen wollen?

Gerrit Schumann: Viele Bereiche können technisch optimiert und skaliert werden – wie z.B. der Aufnahmeprozess und die Produktion der USB Sticks. Auch beim Einkauf lassen sich mit zunehmeneden Volumina durchaus signifikant bessere Konditionen erzielen. Und letztendlich ist gerade die Musikindustrie eine sehr stark durch Empfehlungsmarkting geprägte Branche – dadurch skalieren dann eben auch Aspekte wie Akquise neuer Künstler und Lizenzierung. Hier ist der Vergleich zu den Konzertveranstaltern durchaus sinnvoll, die es ja geschafft haben, durch Expansion immer mehr Skaleneffekte zu erreichen.

 

Seedmatch: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Schumann!