Themenreihe „Portfoliostrategie“

Wer sich entschließt, bei Seedmatch ein Investment zu tätigen, wird an mehreren Stellen unseren Risikohinweisen begegnen. Nicht ohne Grund. Als Plattform sehen wir uns in der Pflicht, die Investoren auf das Risiko von Startup-Investments hinzuweisen. Diesem Aufklärungsauftrag möchten wir auch darüber hinaus gerecht werden und starten mit diesem einführenden Beitrag die Themenreihe „Portfoliostrategie“. In den kommenden Wochen erwarten Sie Interviews und Gastbeiträge, die sich um das Anlageportfolio im Startup-Bereich drehen.

„Ein Startup ist eine menschliche Institution, die dazu bestimmt ist, eine neues Produkt oder einen neuen Service in einem von extremer Unsicherheit geprägten Umfeld zu entwickeln.“

Eric Ries, Silicon Valley-Entrepreneur und Autor

Teil I: Diversifikation als Schlüsselwort – Das Risiko-Investment „Startup“

In ein Startup investieren heißt, Innovationen voranzutreiben und Teil von wirtschaftlichem Fortschritt zu sein. Nicht immer ist der Markt jedoch bereit für disruptive Ideen, nicht immer schafft es das Startup-Team, die eigene Innovationskraft auszuschöpfen. Laut einem Artikel von Gründerszene und einer Studie des Startup Genome Projekts hat durchschnittlich nur eines von zwölf Startups nachhaltig Erfolg. Diese Quote, die sich speziell auf die Entwicklung von Startups im Sillicon Valley bezieht, hat sich für Crowdfunding-finanzierte Startups in Deutschland bislang allerdings noch nicht bestätigt. Ohnehin gibt es derzeit noch keine validierten Zahlen oder aussagekräftige Statistiken für den noch jungen Markt. Seit 2011 haben von 59 Startups, die über Seedmatch ein Crowdfunding eingesammelt haben, lediglich fünf ihren Geschäftsbetrieb eingestellt. Die Zahl der Startups, die Crowdfunding als Finanzierungsform wählen, steigt jedoch stetig an. Es ist also zu erwarten, dass mit der Zeit auch die Zahl der Insolvenzen ansteigen wird.

Wenn auch das Thema Innovationsförderung wichtig ist: Die Renditechance ist beim Crowdfunding für Startups, wie auch bei klassischen Formen der Startup-Finanzierung (z. B. Business Angels, VCs, staatliche Fonds und Förderungen), natürlich von großem Interesse  für den Investor. Wer sich mittels Crowdfunding an einem jungen Unternehmen beteiligt, setzt auf eine Vermehrung seines eingesetzten Kapitals. Startup-Investments sind allerdings grundsätzlich als Kapitalanlagen der höchsten Risikoklasse einzustufen, sprich Risikokapital. Entsprechend stehen dem hohen Renditepotenzial eines Startup-Investments hohe Risiken gegenüber. Der Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist nicht auszuschließen, ja sogar wahrscheinlich. Auf der anderen Seite gilt aber grundsätzlich auch: Je riskanter ein Investment in ein Startup, desto höher die Renditeerwartung des Investors.

Wer als geübter Investor bereits Erfahrungen am Kapitalmarkt gesammelt hat, dürfte vergleichsweise gut imstande sein, das Risiko einzuschätzen und auch tragen zu können.

Kürzlich hat die EFNW GmbH, das An-Institut der Universität Oldenburg, die Studie „Zukunftsperspektiven im Crowdinvesting“ veröffentlicht, die diesen Punkt belegt. Sie stellt zum einen fest, dass Crowdinvestoren realistische, wenn auch ambitionierte Erwartungen an die zu erwartende Rendite haben. 70 % aller Crowdinvestoren schätzen ihre erzielbare Rendite auf max. 20 % p. a. Zum anderen wird  in einer 2013 unter Seedmatch-Investoren durchgeführten Umfrage gezeigt, dass sich die Mehrheit der Crowdinvestoren (ca. 92 %) sehr bewusst darüber ist, dass mit einer gesteigerten Renditechance auch ein erhöhtes Risiko einhergeht.

Da die individuelle Ausfallwahrscheinlichkeit eines Startups wie beschrieben sehr hoch ist, sollte man als Investor also auf ein ausgeglichenes Portfolio setzen.

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Strategisch vorgehen

Um das Risiko abzufedern, nutzen professionelle Investoren die Portfoliostrategie. Das bedeutet, dass man sich ein Portfolio aus vielen verschiedenen Unternehmen zusammenstellt – also nicht eine große Summe in nur ein Unternehmen investiert, sondern kleinere Summen auf mehrere Unternehmen verteilt. Eine Vielzahl an Investitionen sorgt dafür, dass im Fall eines Teilverlusts die anderen Investitionen den Verlust abfedern und es somit nicht zu einem Totalverlust kommt. Auch bei Seedmatch ist es möglich ein individuelles Portfolio zusammenstellen.

Grundsätzlich gilt es, nur Geld in Startups zu investieren, dessen Verlust man ohne Weiteres verkraften kann. Das bereitgestellte Risikokapital kann bei einer Insolvenz des Startups komplett verloren gehen. Was auch immer die Summe sein sollte, die man investieren möchte: ein maßgebliches Kriterium bei der Entscheidung sollte immer sein, dass man es sich leisten kann, den gewählten Betrag zu verlieren. Ein finanzielles Risiko über den Verlust des investierten Kapitals hinaus besteht bei dem über Seedmatch zu erwerbenden partiarischen Nachrangdarlehen jedoch nicht.

Die Vielfalt macht’s

Während sich innerhalb einer Branche Unternehmen gut oder schlecht entwickeln können, gibt es immer auch einen generellen Trend einer gesamten Branche. Dieser wird meist von Innovationen und der Nachfrage der angebotenen Produkte bestimmt. Um nicht zu sehr von einer Branche abhängig zu sein, kann man daher in mehrere Unternehmen unterschiedlicher Branchen investieren.

Investiert man beispielsweise ausschließlich in Startups, welche Zulieferer für Automobilkonzerne sind, ist man stark von der gesamten Entwicklung des Automobilmarktes abhängig. Wer als Investor dagegen breit streut und auf starke Ideen aus unterschiedlichen Branchen setzt, mindert das Risiko des Totalverlustes und erhöht damit die Wahrscheinlichkeit, dass Teile seines Investments eine Rendite abwerfen.

portfolio_bubbles_weiß_140912Dazu passend erklärte BITKOM-Vizepräsident Ulrich Dietz in einer Pressemeldung: „Eine Investition in Startups birgt enorme Chancen, ist aber auch hochriskant und kommt deshalb sicher nicht für jeden in Frage. Die Investoren haben die Möglichkeit, bei etwas Neuem mitzumachen und ein innovatives Unternehmen bei den ersten Schritten zu begleiten und zu unterstützen. Eine breite Beteiligung mit entsprechend kleinen Beträgen wie beim Crowdinvesting streut das Risiko – und verbessert zugleich die Finanzierungsmöglichkeiten von Startups deutlich.“

Diese Möglichkeit, innerhalb von Startup-Investments das Risiko zu streuen, möchte Seedmatch mit einer möglichst breiten Auswahl an Startups aus den unterschiedlichsten Branchen ermöglichen. Investoren haben auf der Plattform die Möglichkeit, ihr einzusetzendes Kapital breit zu streuen und auf verschiedene Ideen und Innovationen zu setzen.

Im zweiten Teil unserer Themenreihe erwartet Sie ein Interview mit Prof. Dr. Rüdiger Zarnekow. Er ist Inhaber des Lehrstuhls für Informations- und Kommunikationsmanagement an der Technischen Universität Berlin und wird im Interview erklären, weshalb gerade bei Startups Risikodiversifizierung eine wichtige Rolle spielt.

 

 

Eigenen Kommentar schreiben

  1. nils römer sagt:

    An dieser Stelle noch eine kleine Ergänzung meinerseits.

    Das Investment auf Seedmatch besitzt folgende Eigenschaften:

    1.es besteht ein Verlustrisiko von 100%

    2.dem gegenüber steht aber die Chance, weit mehr als 100% zu gewinnen pro Investment

    3.die Wahrscheinlichkeit zu gewinnen ist sehr gering, nur ein Start Up von 12 überlebt

    Diese drei Eigenschaften führen zu folgenden Feststellungen.

    1.aufgrund des Chance Risiko Verhältnisses handelt es sich um eine asymmetrische Wette, das bedeutet, man kann nur 100% verlieren, doch weit mehr als 100% gewinnen

    2.man muss breit diversifizieren, damit ist gemeint mehr als 3 Investments zu tätigen, in folgender Graphik ist einmal dargestellt wie sich die Gewinnwahrscheinlichkeit mit der Größe des Portfolios verändert

    http://possibleinsight.files.wordpress.com/2013/04/aipprscmstratcdfbysize.png?w=560&h=354

    3.es handelt sich um eine Art des „Black Swan Farmings“, es wird versucht ein seltenes Ereignis im eigenen Portfolio einzufangen und davon zu profitieren

    4.da seltene Ereignisse in beide Richtungen, positiv wie negativ, möglich sind, ist das Investment nur eine kleine Beimischung zu einem schon bestehenden Portfolio

    Theoretische Überlegung zu einem Musterportfolio:

    Wir haben festgestellt, dass das Investieren in Start Ups eine sehr riskante asymmetrische Wette darstellt. Das bedeutet das man den größten Teil seines Vermögens sicher anlegt in Cash und Cash Äquivalent und nur einen kleinen Teil (5 – 10%) in diese Anlageform investiert. So kann man sicherstellen, dass man nicht selbst von einem „seltenen Ereignis“ finanziell ruiniert wird. Auch hat man so als Anleger weiterhin die Möglichkeit zu agieren, denn sollten alle Investments in dem Bereich scheitern ist der Schaden begrenzt auf 5 – 10% des eigenen Vermögens.

  2. Jannik sagt:

    Folgendes Zitat finde ich besonders interessant: „Sie stellt zum einen fest, dass Crowdinvestoren realistische, wenn auch ambitionierte Erwartungen an die zu erwartende Rendite haben. 70 % aller Crowdinvestoren schätzen ihre erzielbare Rendite auf max. 20 % p. a“

    Mich würden an dieser Stelle die Zahlen interessieren, die zeigen das eine Rendite von 20 % p.a. tatsächlich realistisch ist. Könnt Ihr, liebes Seedmatch-Team eine entsprechende Studie nennen? Weiterhin würde mich sehr interessieren, inwiefern Ihr die Entwicklung der über Eure Plattform finanzierten Startups nachverfolgt. Beispielsweise würden mich Daten interessieren, wieviel Prozent wachsende, gleichbleibende und sinkende Umsätze nach Finanzierung aufweisen etc.
    Das wäre für mich jedenfalls wesentlich informativer als der ewige Hinweis das man sein Investment streuen sollte.

    • Sabine Drotbohm sagt:

      Sehr geehrter Herr Heusinger,

      vielen Dank für Ihren Kommentar.
      Wir beziehen uns, wie im Blogbeitrag erwähnt, in obig genanntem Zitat auf die aktuelle Studie des EFWN Instituts. Teil der ausgewerteten Daten war auch eine anonyme Umfrage unter Seedmatch-Investoren.

      Ihren Hinweis über die Berichterstattung der Startup-Entwicklung nehmen wir gerne auf. Die Quartalszahlen der Startups können wir jedoch nicht veröffentlichen. Die Einsicht in diese Daten sind vertraulich und lediglich den Investoren vorbehalten.
      Sicherlich werden aber die kommenden Jahre zeigen, wie sich die Rendite mancher Startups realistisch entwickeln wird, insbesondere wenn erste Investmentverträge auslaufen oder Exitfälle anstehen. Eine entsprechende anonymisierte Analyse der gesammelten Zahlen kann dann durchaus sinnvoll sein, um eine Entwicklung zu veranschaulichen.

      Beste Grüße
      Sabine Drotbohm
      Corporate Communications bei Seedmatch

  3. PeN sagt:

    Dass man sein Portfolio diversifizieren sollte ist nicht wirklich ein weltbewegend neuer Gedanke und das Start-Ups ein erhöhtes Risiko des Scheiterns haben hat wohl auch jeder schon mal gehört.

    Genau hier sehe ich den Mehrwert von Crowd-Investing Plattformen wie Seedmatch:
    Durch eine gute Vorauswahl kann die Chance des Erfolgs von Start-ups erhöht werden und durch transparentes Reporting kann die Erfolgsquote kommuniziert und somit das Vertrauen in Crowd-Investing gestärkt werden (was dann wiederum Seedmatch selbst zugute kommt).

    Ich würde mir wünschen dass Seedmatch regelmäßig (~vierteljährlich?) über die Entwicklung aller ihrer Startup informiert und denke dabei an eine Art ‚Ampel‘-System (dass die detaillierten Quartalszahlen nur den jeweiligen Investoren bekanntgegeben werden ist logisch).

    Ein Ampelsystem könnte folgendermaßen aussehen:
    Rot – Unternehmen ist gescheitert
    Gelb – Startup macht noch Verluste, ist aber im Plan
    Orange – Unternehmen macht Verluste und ist Unter Plan
    Hellgrün – Unternehmen macht erste kleine Gewinne
    Grün – Unternehmen macht stabile Gewinne und ist im Plan
    Blau – erfolgreich abgeschlossen (Exit oder Kündigung mit Gewinnbeteiligung)

    Dazu kann man über die Form der Ampelpunkte auch noch Trends darstellen (Pfeil runter – Verschlechterung, Pfeil hoch – Verbesserung, Kreis – stabil)

    Ich hoffe ich habe hier ein paar gute Denkanstöße geben können und helfe gerne bei der weitern Ausgestaltung der Idee.

    Beste Grüße aus Hamburg

    PeN

    • Jannik sagt:

      Hallo PeN,
      Deinen Vorschlag fände ich prima, mir würden allerdings schon allgemeinere Auskünfte reichen. Beispielsweise mal ein Diagramm wieviel Prozent der bisherigen Startups unter Plan, im Plan bzw. über Plan sind und wie die prozentuale Umsatzentwicklung bezogen auf alle Unternehmen ausschaut. Auch die Abbruchquote wäre sehr spannend als Vergleich zu den Zahlen die im KfW-Gründungsmonitor genannt werden.

      Beste Grüße
      Jannik