Renditeerwartung und Risikobewusstsein – Studie zur Entwicklung des Crowdfunding-Markts

Hanno KortlebenGerade hat die EFNW GmbH, das An-Institut der Universität Oldenburg, die Studie „Zukunftsperspektiven im Crowdinvesting“ veröffentlicht. Die Ergebnisse liefern neben aktuellen Zahlen erstmals auch vertiefende Einblicke in das Verhalten der Crowdinvestoren. Im Gastbeitrag fasst Hanno Kortleben, Consultant der EFNW GmbH und einer der Autoren der Studie, die Kernpunkte zusammen.

 

Begünstigt durch Vorzeigefinanzierungen wie Protonet oder e-volo und der breiten medialen Begleitung dieser Finanzierungskampagnen, gewinnt Crowdinvesting kontinuierlich an Aufmerksamkeit und Bedeutung. Einige Experten sehen in dieser Finanzierungsalternative für Start-ups sogar eine Möglichkeit, die „equity-gap“ in Deutschland zu schließen. Tatsächlich wächst der deutsche Crowdinvesting-Markt seit der ersten erfolgreichen Finanzierung im Oktober 2011 monatlich um durchschnittlich 8 %, das zeigen die Untersuchungsergebnisse in der jüngst veröffentliche Studie des EFNW. Auch die Prognosen für das aktuelle Jahr sind äußerst positiv. Hält der Trend weiter an, wird sich das Volumen des deutschen Crowdinvesting-Marktes in 2014 auf 20-25 Mio. Euro belaufen. Bezogen auf die insgesamt in 2013 in Deutschland getätigten Venture Capital-Investitionen entspricht das über Crowdinvesting-Plattformen vermittelte Kapital bisher jedoch nur einem Marktanteil von ca. 3 % bzw. 5,3 % sofern man nur Seed- und Startup-Investitionen zugrunde legt.

Die Studie „Zukunftsperspektiven des Crowdinvesting“ hat sich zum Ziel gesetzt, einen Beitrag zum besseren Verständnis des Phänomens Crowdinvesting zu leisten und Impulse für die Weiterentwicklungen dieser innovativen und potenzialreichen Finanzierungsform zu geben. Sie liefert neben aktuellen Zahlen zu Finanzierungsvolumina und Markanteilen erstmalig auch vertiefende Einblicke in das Verhalten von Crowdinvestoren.

Charakteristika eines „typischen“ Crowdinvestors spielen vor allem in der aktuellen Diskussion um eine notwendige Regulierung, aber auch um Ansätze zur Weiterentwicklung von Crowdinvesting in Deutschland, eine tragende Rolle. Sind Crowdinvestoren überhaupt primär renditeorientiert oder investieren sie vornehmlich aus Interesse am Produkt? Wie intensiv beschäftigen sich Crowdinvestoren mit ihren Portfoliounternehmen? Wo liegen die durchschnittlichen Renditeerwarten von Crowdinvestoren im Vergleich zu etablierten Early-Stage-Investoren?

Die Oldenburger Studie stellt fest, dass Crowdinvestoren keinesfalls Reichtumsphantasien hegen. Ihre Renditeerwartungen sind realistisch, aber dennoch ambitioniert und mit denen eines Business Angels vergleichbar. 70 % aller Crowdinvestoren schätzen ihre erzielbare Rendite auf max. 20 % p. a. Die durchschnittliche Renditeerwartung liegt bei 36 %, wird aber durch vereinzelte Renditeerwartungen von 500 % bzw. 1.000 % stark beeinflusst. Ohne deren Berücksichtigung beträgt die durchschnittlich erwartete Rendite circa 25 %. Bereits in der 2013 unter Seedmatch-Mitgliedern durchgeführten Umfrage zeigte sich, dass sich die überwältigende Mehrheit der Crowdinvestoren (ca. 92 %) jedoch bewusst ist, dass mit einer gesteigerten Renditechance auch ein erhöhtes Risiko einhergeht.

Interessant ist auch ein Vergleich zwischen Einzelinvestoren und Mehrfachinvestoren. So konnte festgestellt werden, dass über 60 % aller Crowdinvestments, die zwischen 2012 und 2014 zustande kamen, von Mehrfachinvestoren getätigt wurden. Obwohl gegenwärtig die durchschnittliche Investitionssumme eines Einzelinvestors mit 450 Euro nahezu identisch mit der eines Mehrfachinvestors ist und beiden Gruppen seit 2012 ihre durchschnittlichen Investitionssummen erhöht haben, kann zudem festgestellt werden, dass die Steigerung der durchschnittliche Investitionssumme bei Mehrfachinvestoren mit 37 % deutlich über dem Wert für Einzelinvestoren (26 %) liegt. Diese Beobachtung ist in einem überdurchschnittlichen Wachstum von Investments durch Mehrfachinvestoren in den hohen Investmentklassen begründet.

Anteil und Entwicklung von Investments nach Einzel- und Mehrfachinvestoren

Nicht weniger interessant ist der Blick auf die Finanzierungszeitpunkte. So wurde festgestellt, dass die Crowd bereits zu Beginn der Finanzierungsrunde, mit vergleichsweise geringen Durchschnittsinvestments, den Großteil (45,5 %) der Gesamtfinanzierungssumme aufbringt. In späteren Phasen der Finanzierungsrunde steigen die durchschnittlichen Investitionen pro Investor deutlich an.

Die Untersuchung basiert auf einem Multimethodenansatz, um das noch junge Phänomen Crowdinvesting möglichst umfassend analysieren zu können. Neben einer Vielzahl von Experteninterviews und ausgiebigem Desk Research, wurde unter anderem ein Datensatz von mehr als 25.000 Investments, die über die Plattformen Seedmatch und Companisto getätigt wurden, ausgewertet.

Der sich am Crowdinvesting-Markt abzeichnende Trend steigender durchschnittlicher Finanzierungssummen pro Investor könnte auf eine Etablierung der Investmentform und damit einhergehend auch „Professionalisierung“ der Crowdinvestoren in Deutschland hindeuten. Um diese These zu untermauern, sind jedoch noch genauere Untersuchungen notwendig. Neue, sich abzeichnende Finanzierungsmodelle, die die Crowd und professionelle Investoren (Business Angels, Venture Capital-Gesellschaften, etc.) miteinander vernetzen, dürften diese Entwicklung in Zukunft weiter vorantreiben. Inwieweit sich das Potenzial des Marktes dann weiter entfaltet, hängt aber auch von den Ergebnissen der aktuell diskutierten Regulierung ab.

Den kostenlosen Download der Studie finden Sie hier:

 

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  1. Name sagt:

    Crowdinvesting und Crowdfunding sind zwei verschiedene Finanzierungsformen und gehören nicht zusammen (siehe Überschrift)
    so ist der Crowdinvesting-Markt auch der Crowdinvesting-Markt und der Crowdfunding-Markt der Crowdfunding-Markt 😉

  2. […] á la Prokon mit guten Versprechungen schnelles Geld einsammelt. Über 90% aller Teilnehmer einer Seedmatch-Investorenbefragung im Frühjahr 2013 gaben an, sich ihres Risikos über Totalverlusst vollkommen bewusst zu sein. […]