Zuwachs im Dealflow: Unser neuer Seedkopf Matthew McDermott im Interview

Seit einer Weile haben wir einen neuen Seedkopf bei uns im Büro: Matthew McDermott verstärkt unser Dealflow-Team. Da wir Ihnen nicht vorenthalten wollen, wer Matthew ist und wie sein beruflicher Weg bisher aussah, stellen wir ihn heute der Seedmatch-Crowd vor.

 

Seedmatch: Hallo Matthew, schön, dass du bei Seedmatch bist! Stell dich doch unseren Usern und Investoren einmal vor: Woher kommst du, was machst du bei Seedmatch und wie bist du zu uns gekommen?

matthew_mcdermottMatthew McDermott: Ich unterstütze ab sofort unser Dealflow-Team bei der Identifizierung und Analyse von vielversprechenden Startups.

Meine bisherige Karriere deckt ein weites Spektrum an Erfahrungen ab: Ich habe u. a. für ein ägyptisches Biounternehmen, eine internationale Unternehmensberatung und eine deutsche Forschungsinstitution gearbeitet. In den vergangenen vier Jahren war ich an der Schnittstelle von Unternehmens- und Politikberatung für die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) tätig. Als Projektmanager war ich Ansprechpartner für Startups und Unternehmen, die mit unternehmerischen Ansätzen zu nachhaltiger Entwicklung in Entwicklungs- und Schwellenländern beitragen.

Gleichzeitig habe ich das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) bei der Entwicklung von Produkten, Dienstleistungen und Strategien zur Förderung von Unternehmen beraten, die durch innovative Geschäftsmodelle Menschen in Armut nachhaltigen Zugang zu Energie, Wasser, Versicherungsdienstsleistungen etc. ermöglichen.

Übrigens komme ich aus einer unternehmerischen Familie und aus derselben Stadt wie Warren Buffett – da ist es doch naheliegend bei Seedmatch anzufangen, oder? Ich freue mich auf jeden Fall sehr, den Dealflow in einem jungen und innovativen Unternehmen mitzugestalten, das die Startup-Finanzierung in Deutschland revolutioniert hat.

 

Seedmatch: Was denkst du über Crowdfunding für Startups im Allgemeinen? Wie siehst du die bisherige Entwicklung und wo geht die Reise noch hin?

Matthew McDermott: Crowdfunding finde ich ausgesprochen faszinierend, weil es Menschen die Möglichkeit gibt, ohne Umwege Ideen zu unterstützen, die sie gut finden. Crowdfunding demokratisiert den Zugang zu Kapital, erhöht die Transparenz von Entscheidungen und ermöglicht Menschen, gemeinsam Wirkung zu entfalten. Crowdfunding für Startups bringt all diese Dinge in einen von zahlreichen Besonderheiten geprägten Kapitalmarkt – dem für Risikokapital, der bisher eher durch Intransparenz geprägt war.

Das ist ohne Frage revolutionär und steckt noch in den Kinderschuhen, obwohl immer mehr Startups und Investoren Crowdfunding als relevante Alternative oder Ergänzung zu anderen Finanzierungsformen sehen. Seedmatch hat hier in Deutschland Pionierarbeit geleistet und wird das weiter tun. Ich denke die Geburtswehen sind überstanden, nun gilt es für die Crowdfunding-Branche, erwachsen zu werden und gleichzeitig innovativ zu bleiben. Auf diesem Weg werden alle involvierten Stakeholder noch viel lernen. Derzeit entwickelt die Politik in zahlreichen Ländern sinnvollerweise Regulierungsvorschläge, die den unterschiedlichen Interessen dieser Stakeholder hoffentlich gerecht werden, ohne die hohe Innovationsdynamik der Crowdfunding-Branche zu bremsen.

 

Seedmatch: Bei Seedmatch haben wir bisher über 60 Finanzierungsrunden für Startups abgeschlossen – wer sind deine Favoriten und wieso?

Matthew McDermott: AoTerra (jetzt: Cloud&Heat), weil sie durch ein sehr innovatives Geschäftsmodell den Heizungs- und Servermarkt miteinander verbinden und für beide wettbewerbsfähige und ökologisch effiziente Produkte entwickeln.

Protonet, weil sie das ganze Potential der Seedmatch-Investoren herausgefordert und ihr Vertrauen in Rekordzeit gewonnen haben.

LeaseRad, weil sie ein bewährtes Geschäftsmodell erfolgreich auf Fahrräder übertragen und damit in einer attraktiven Nische eine beeindruckende Performance hingelegt haben.

Goodz, weil mir das Thema Nachhaltigkeit am Herzen liegt und sie, obwohl ihr Geschäftsmodell leider nicht funktioniert hat, transparent mit dem Scheitern umgehen und sich den Fragen der Investoren stellen. Damit erinnern sie daran, dass sich Startups trotz erfahrener Teams und guten Ideen leider nicht immer so entwickeln, wie erhofft. Ich glaube aber, dass, solange alle involvierten Parteien damit offen umgehen, dies der Gründungskultur in Deutschland nur guttun kann.

 

Seedmatch: Wo liegt für dich der Fokus bei der Startup-Analyse? Was ist dir wichtig? Was macht ein gutes Crowdfunding-Startup aus?

Matthew McDermott: Die Analyse eines Startups ist immer herausfordernd und erfordert je nach Produkt, Branche und Phase der Unternehmung unterschiedliche Schwerpunkte. In der Regel ist mir die Kombination aus hohem Innovationsgrad, smartem Geschäftsmodell, einem motivierten Gründerteam, einer realistischen Einschätzung der eigenen Stärken und Schwächen sowie ein attraktives Renditepotential für die Seedmatch-Investoren wichtig.

Wenn das Geschäftsmodell dann noch, wie bei AoTerra oder Vibewrite, einen gesellschaftlichen oder ökologischen Mehrwert bietet, umso besser. Für das Crowdfunding ist es wichtig, dass sich die Gründer auf die Besonderheiten dieser Finanzierungsform einlassen: Bereitschaft zur Transparenz und Spaß an der Kommunikation mit der Crowd sind hierfür elementar.

 

Seedmatch: Du hast dich ja in deiner Karriere auch schon mit Startups beschäftigt. Aus deiner Perspektive, wo ordnest du ein Startup-Investment im Portfolio der Investmentchancen ein?

Matthew McDermott: Startup-Investments zeichnen sich immer durch hohe Chancen und Risiken aus. Da der Totalverlust des investierten Kapitals möglich ist, muss jeder Investor vor einer Investition realistisch einschätzen, ob er einen solchen Verlust finanziell auch verkraften kann. Hier gilt es, nüchtern und kritisch das Investmentangebot zu betrachten und sich nicht von der Fundingdynamik oder dem Renditepotential zu einem unvernünftigen Investment hinreißen zu lassen.

Gleichzeitig kann eine Investition in ein Startup emotional sehr befriedigend und finanziell lukrativ sein. Wer sich entschieden hat, dass eine Investition in Startups für ihn grundsätzlich in Frage kommt, sollte sich daher idealerweise ein Portfolio aufbauen und besser kleinere Summen in mehrere Startups investieren, als einmalig eine große Summe in eins und so das Risiko vernünftig streuen.

 

Seedmatch: Und dein Traum-Startup, abseits von Seedmatch? Wo wärst du gern Shareholder?

Matthew McDermott: Das ist eine sehr gute Frage und da gibt es eine ganze Menge. Ich liebe Musik und daher wären Soundcloud und Spotify attraktive Kandidaten. Das spannendste Startup ist aber sicherlich das, welches man selbst gegründet hat. Schauen wir mal.