Zum geplanten Kleinanlegerschutz: „Bei diesem Gesetzesentwurf machen Internet-Ausdrucker Startup-Politik“

Der Gesetzesentwurf der Deutschen Bundesregierung zur Verbesserung des Schutzes von Kleinanlegern wird derzeit in der Branche heiß diskutiert. Am 5. August veröffentlichten wir bereits unser Statement.

Wir verfolgen die Diskussion aufmerksam und wollen wissen: Was sagt die Branche? Teilt sie unsere Meinung?

Dazu haben wir einige Stimmen gesammelt und greifen hier nochmal die vier Kernpunkte der Regulierung auf, die das Crowdfunding im Speziellen betreffen:

1. Die Crowdfunding-Ausnahmen im Vermögensanlagegesetz

Die renommierte Anwaltskanzlei Osborne Clarke schreibt dazu:

„Während das gesamte VermAnlG sämtliche Arten von Vermögensanlagen gleich behandelt, soll nun ausgerechnet im Bereich Crowdfunding eine Differenzierung erforderlich sein – dies widerspräche jeder Gesetzessystematik. Auch aus Gründen des Anlegerschutzes erscheint diese Unterscheidung nicht sinnvoll.“

Der Hauptgeschäftsführer des IT-Branchenverbandes BITKOM, Dr. Bernhard Rohleder ergänzt:

„Eine Bereichsausnahme für Crowdinvesting-Plattformen zu schaffen, ist sinnvoll, aber die Ausnahme nur für partiarische Nachrangdarlehen zu gestalten, halten wir für falsch und wenig hilfreich für die Crowd. Je nach Finanzierungssituation sind andere Beteiligungsformen deutlich interessengerechter für beide Marktparteien und verwirklichen damit einen besseren Verbraucherschutz.“

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2. Die Begrenzung der prospektfreien Fundingsumme auf 1 Million Euro

Auch hierzu hat BITKOM eine Einschätzung abgegeben:

„Die Beschränkung der Runden auf 1 Million Euro und Maximalbeträge von 10.000 Euro hilft niemandem und sorgt nur dafür, dass es in Deutschland noch schwieriger wird, Start-ups zu finanzieren.“

Was sagt das über Seedmatch finanzierte Startup Protonet dazu?

„Die neue Regelung zur Prospektpflicht wird zwar nur einen Teil crowdfinanzierter Start-ups betreffen, die es wie wir schaffen, die 1-Million-Euro-Grenze zu knacken“, so Thomas Reimers in einem Interview. „Meine Befürchtung ist aber, dass es dann in Zukunft sehr bürokratisch, zeit- und kostspielig wird, größere Summen über Crowdfunding einzusammeln.“

3. Die Handhabung des Vermögens­anlage­informations­blattes

In einem Interview mit dem Wall Street Journal Deutschland äußerten wir uns bereits zu dem nicht zeitgemäßen Vorschlag der Handhabung des Vermögens­anlage­informations­blattes, das händisch unterschrieben und versendet werden soll. Thomas Jarzombek, netzpolitischer Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, sieht das ähnlich:

„Hier muss mindestens auch De-Mail anerkannt werden.“

Karsten Wenzlaff vom German Crowdfunding Network ergänzt in einem Interview mit SPIEGEL ONLINE noch einen weiteren wichtigen Aspekt:

„Grundsätzlich ist es richtig, in diesem Bereich für Klarheit zu sorgen. Aber wird die Bürokratie zu groß, investieren größere Geldgeber außerhalb einer Internetplattform in ein Start-up. Kleinanleger haben davon am Ende gar nichts.“

Dr. Rohleder von BITKOM formuliert es noch direkter:

„Bei diesem Gesetzentwurf machen Internet-Ausdrucker Start-up-Politik. Mit altem Denken im Sparbuchformat und dem Einsammeln von Altpapierbergen machen wir Deutschland ganz bestimmt nicht zum Digitalen Wachstumsland.“

4. Die Werbeeinschränkungen für Crowdfunding

Das German Crowdfunding Network meint dazu:

„Die Einschränkungen der Werbung für Crowdfunding-Projekte halten wir für sehr problematisch und nicht durchsetzbar. Sie können sich auf die gesamte Branche existenzbedrohend auswirken. Sie passen nicht zu den digitalen Kommunikationswegen und widersprechen dem Ansatz, dass man offen und transparent über die Finanzierungsform des Crowdfundings sprechen soll. Es gäbe im Kontext digitaler Medien eine Vielzahl besserer Möglichkeiten, um bei der Investorenkommunikation Verbraucherschutz sicherzustellen“, und teilt somit unsere Ansicht.

Wie lautet nun das Fazit der Branche?

Der Bundesverband Deutsche Startups e. V. formuliert in seiner Startup-Agenda ganz generell, welchen Anspruch die Startup-Branche an den Gesetzgeber hat:

„Aufsichtsinstitutionen wie die BaFin müssen innovative Geschäftsmodelle verstehen, um Partner von innovativen Unternehmen sein zu können. Deshalb brauchen entsprechende Behörden spezialisierte Task-Forces, die Startup-Kompetenz und Digitale Wirtschaftskompetenz für schnelle Entscheidungswege vorhalten. Auch muss sich der Umfang von Regulierungen an das Risiko der Unternehmensidee anpassen: junge innovative Unternehmen sind anders zu regulieren als Banken.“

Zum vorliegenden Entwurf äußern sich die entsprechenden Stellen sehr eindeutig:

  • BITKOM: „Der vorliegende Gesetzesentwurf schafft die Gratwanderung zwischen Anlegerschutz und Start-up-Förderung nicht wirklich. Jeder, der in Start-ups oder sogar nur in Ideen investiert, weiß, dass er damit ein hohes Risiko eingeht, sich aber auch enorme Chancen eröffnet.“
  • Osborne Clarke: „Bedenkt man, dass Ziel des Kleinanlegerschutzgesetzes zunächst lediglich der Schutz der Kleinanleger vor unseriösen und riskanten Kapitalanlagen war, ist die Aufnahme eines explizit auf das Crowdfunding zugeschnittenen Ausnahmetatbestands ausdrücklich zu begrüßen. […] Damit dies gelingen kann sind aus unserer Sicht Änderungen an dem bisherigen Entwurf des Kleinanlegerschutzgesetzes notwendig, um eine (grundsätzlich durchaus zu begrüßende) Regulierung – unter Berücksichtigung des Anlegerschutzgedankens – an die tatsächlichen Gegebenheiten und Anforderungen des Crowdfundings anzupassen.“
  • Johannes Tschesche, Blogger bei smallcapservice.de, spricht in einem lesenswerten, leidenschaftlichen Beitrag noch einen weiteren wichtigen Punkt an: „Vermögensschäden werden mit den Lösungsvorschlägen des Gesetzesentwurfs keine verhindert! Ganz im Gegenteil: Durch den ‚neuen Sicherheitsgewinn‘ werden viele Anleger ihre Anlageentscheidung in sehr risikobehaftete Anlageformen weniger kritisch hinterfragen!“
  • Nach einer detaillierten Prüfung des Gesetzesentwurfs kommt das German Crowdfunding Network zu folgendem Ergebnis: „Wir halten den vorliegenden Entwurf für nicht tragbar und erwarten, dass sowohl Exekutive als auch Legislative an dem Entwurf noch Änderungen vornehmen, um die Crowdfunding-Branche in Deutschland nicht zu gefährden.“

 

Die Diskussion ist noch nicht abgeschlossen. Geplant ist, dass der Gesetzesentwurf nach der Sommerpause im Kabinett diskutiert und dann beschlossen wird. Wir halten Sie in unserem Blog auf dem Laufenden.

 

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  1. Uwe Anger sagt:

    Grundsätzlich gehen die bisherigen und vorbereiteten Gesetzesinitiativen an einem tatsächlichen Anlegerschutz vorbei.
    Beim VIB ist es übrigens nicht erforderlich, dass der Anleger dazu etwas unterschreibt. Dieses muss nur wirksam zugestellt sein, was auch in elektronischer Form erfolgen kann. Das ist ja jetzt bei seedmatch auch schon mit AGB so gelöst.Selbst Kontoauszüge dürfen heute elektronisch zur Verfügung gestellt werden.
    Ihr seid also auf dem richtigen Weg, wie bei Hase und Igel, Ihr seid der Igel und könnt immer sagen- ich bin schon da. :-).
    Leider ist und bleibt Politik und damit Gesetzgebung Machtinstrument der herrschenden Klasse. Ein Schelm, der böses dabei denkt.
    In diesem Sinne- mit seedmatch arbeiten wir ja schon an der Veränderung der herrschenden Stelle.
    Uwe Anger
    Honorarberater

  2. Malish sagt:

    Hallo,

    gilt nun die Anhebung der Prospektpflichtgrenze für alle Anlagen oder nur für Nachrangdarlehen?
    Kann mich jemand dazu aufklären?

  3. Karsten sagt:

    Ein Anlegerschutz ist absolut notwendig! Im Moment läuft das doch nahezu völlig unreglementiert. Die meisten Crowd-Anleger sind sich – weil es grad hip ist dabei zu sein – über zwei wesentliche Dinge nicht bewusst:
    A) Sie geben eine Nachrang Darlehen. Wenn das Startup es nicht schafft steht man in der Kette wer bedient wird ganz ganz weit hinten. Keine Bank würde zu diesen Bedingungen Geld geben!
    B) Eigentlich geht es um Ivestment – umd GELD-Investments. Da es gerade aber sehr hip ist bei Crowd-Funding dabei zu sein (wie auch schonmal 1999 am „Neuen Markt“) handeln manche Investoren das ganz etwa genauso sorgsam wie ein LIKE auf Facebook – mal eben schnell geklickt.

    Wenn man sein Geld investiert geht es eigentlich nicht primär darum „was die machen find ich toll“ oder „die Leute find ich toll“. Sowas sollte ein zusätzlicher Aspekt beim Investieren sein, aber nicht der Einzige.

    Die Regeln die jetzt als neues Gesetz im Raum stehen halte ich als Pseudo-Schutz. Viel wichtiger wäre:
    1) Zwang zur kompletten Transparenz der Startups was die bisherigen Zahlen angeht – mehr Details als bisher und vor allem auch aktuelle Zahlen bis letzten Monat, nicht 3-6 Monate alte Zahlen.
    2) Klare Transparenz wer bisher wieviel investiert hat, und wer dafür welche Anteile bekommen hat (bisher wird da oft ein starker Grauschleier drüber gelegt).
    3) Alle Crowd-Investoren einer Funding-Runde sollten die Möglichkeit haben aus ihrer Reihe einen Vertreter zu wählen der den Draht zum Unternehmen pflegt, und dafür sorgt dass die Investoren-Interessen besser berücksichtigt werden.
    4) Wenn ein Startup die Pflichten zum Reporting und Transparenz verletzt sollte es fixe Strafzahlungen geben, die nicht das Startup sonder der/die Startup GFs aus privater Tasche zu zahlen haben.

    • Jan Fischer sagt:

      Hi Karsten,

      sehr gute Punkte von dir…alle vier…sind die schon anderswo kommuniziert? Sollten unbedingt mit in die Debatte aufgenommen werden.

      Das von dir beschriebene Verhalten im ersten Teil deines Kommentars wirst du damit aber nicht groß ändern. Ich denke, mehr analytische und weniger emotionale Investoren wird es nur dadurch geben, dass über die Zeit ausreichend positive User-Stories entstehen, sprich: dass regelmäßige Neubewertungen der Unternehmensanteile erfolgen und sich der Sekundärmarkt entwickelt. Positive Track-Records und gesunde Startups und Plattformbetreiber sind die beste Werbung. Momentan ist es leider oft noch so, dass mir ‚klassische Geldbesitzer‘ sehr skeptisch begegnen, wenn ich Ihnen von meinen Crowdfunding-Aktivitäten erzähle…so á la: ‚Ja, mein Neffe, der ist auch schon mal auf so ne dubiose Anlagemasche reingefallen‘. Viele Sparkassen-Kunden da draußen wollen sich halt auch gar nicht so genau mit der Materie beschäftigen…das schicke Prospekt vom Berater vermittelt dann halt die Seriösität, die einem vermeintlichen Interhype niemals zugestanden wird. Und den Leuten sind 3 Prozent Jahreszins halt lieber als fünf Ausfälle und 3x 500 Prozent.

      Wichtig für die Marktentwicklung wären weiterhin sicher auch oldschooligere Investmentvorhaben…Lackierstraßen, Bäckereien, Campingplätze, Fischzucht…weiß der Geier…es gibt so viele Märkte jenseits des eCommerce, die innovative Ideen hervorbringen können und bei denen die Macher Crowd-Funding einfach noch nicht auf dem Zettel haben…ich hoffe, da entwickeln sich Marktplätze und Unternehmer, dann kommen neue Investorenschichten jenseits der Online-Freaks.

      • Hallo Jan,

        Danke für deinen Kommentar. Ein kurzes Wort dazu: Wir wollen ja gerade keine Investoren, die sonst ihre Anlageberatung beim Sparkassen-Berater beziehen, um Finanzprodukte zu verstehen. Startup-Investments sind nur etwas für Investoren, die sich der Risiken, die wir transparent unter http://www.seedmatch.de/risikohinweise sowie bei jedem (!) Investment und jeder Neuregistrierung in Erinnerung rufen, bewusst sind! Dort heißt es u. a.: „Investieren Sie also nur soviel Geld, wie Sie bereit sind zu verlieren und Sie verlieren können, ohne Ihren Lebensstandard zu gefährden.“ 

        Es wird in Zukunft Crowdfunding sicher auch für andere Branchen und Unternehmensgrößen/-stadien geben. Seedmatch bietet Crowdfunding für Startups und junge Wachstumsunternehmen, aber eben nicht nur im E-Commerce! Startups wie LEDORA, AoTerra, e-volo, Riboxx oder Protonet sind teilweise komplette Offline-Businesses und wir sehen, dass unsere Investoren gern in der Breite in spannende Innovationen investieren wollen. Ich hoffe, dir ist diese Breite des Portfolios aufgefallen und du findest in Zukunft auch weitere spannende Ideen bei uns.

        Viele Grüße
        Jakob Carstens
        Head of Marketing bei Seedmatch

    • Hallo Karsten,

      Danke für deine kritischen Anmerkungen. Dazu ein paar Bemerkungen:

      A) Banken würden generell nur sehr selten Risikokapital geben, weswegen der Vergleich mehr als hinkt. Es ist nicht ihr Kerngeschäft und für sie zu aufwändig, weil die Erfolgswahrscheinlichkeit eines Startups für Nicht-Branchenkenner noch schwerer einzuschätzen sind. Aus diesem Grund ist die VC-Branche und Crowdfunding ja erst entstanden. Wie wir schon an anderer Stelle sagten: Man kann nicht erwarten, an dem wirtschaftlichen Erfolg eines Startups zu partizipieren, aber kein Totalausfallrisiko hinzunehmen – Banken würden Kredite nur zu festen Konditionen vergeben, sich aber nie beteiligen. Das ist auch für die Startups nicht hilfreich, denn sie brauchen ja eine gewisse Zeit, um mit dem Kapital Umsätze zu generieren. Deswegen sind Startup-Investments langfristig orientiert. Unterm Strich sieht man: Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen.

      B) Auch hier sind wir anderer Meinung: Startup-Investments und Crowdfunding sind keine Mode-Erscheinung, sondern ein Zeichen für die Veränderungen, die die Finanzbranche gerade massiv verändern: Der Anleger investiert selbst, direkt und ohne den Intermediär Bank. Bei Seedmatch werben wir nicht mit fantastischen Renditeaussichten, sondern mit der Möglichkeit, in sinnvolle Innovationen zu investieren und damit gleichzeitig ein Renditepotenzial zu erhalten. Über 95% unserer User sind sich des Risikos eines Totalverlustes bewusst. Und weil es eben beim Crowdfunding nicht nur (aber auch!) um die Rendite geht, sondern eben auch darum, mit seinem Kapital etwas Sinnvolles zu tun, sind wir der Meinung, dass die Investoren bei Seedmatch nicht „mal schnell klicken“, sondern gut überlegte und begründete Investments tätigen – wir tun alles dafür, dass dies so ist.

      Deine Punkte nehmen wir gerne auf und werden sie an entsprechender Stelle diskutieren.

      Viele Grüße
      Jakob Carstens
      Head of Marketing bei Seedmatch

  4. Karsten sagt:

    Sorry Jakob, aber deine Vergleiche hinken total:

    #1 Banken geben durchaus Startups Kredit, teils gesichert über bspw. die KfW. Ob sie es oft oder selten tun – liegt vielleicht auch an den Startups und ob sie die Mindestbedingungen für solche Kredite erfüllen.

    #2 Kredite geben ist nicht das Kerngeschäft von Banken? Das ist es absolut. Allerdings haben Banken das Ziel eine positive Rendite zu erwirtschaften. Dazu gehört auch die Risiken eines Invests abzuschätzen. In Risiko-Abschätzung sind Banken absolut Profi – auch wenn sie nicht jede Branche im Detail perfekt kennen können – allgemeine Risiken sowie Zahlen lesen und interpretieren können sie. Und das normal BESSER als jeder Privatanleger. Warum ein Privatanleger hier besser gestellt sein sollte das Risiko eines Startups einzuschätzen erschließt sich mir nichtmal ansatzweise?? Eine Bank bekommt bei Kreditanfrage ganz sicher mehr und detailierte Informationen, als das was man hier als Crowd-Investor bekommt.

    #3 Ob Crowd-Funding eine Modeerscheinung ist, oder in der aktuellen Form wieder verschwindet wirst du lieber Jakob derzeit wohl kaum objektiv beurteilen können. Wenn ich bei Marlboro arbeiten würde, würde ich auch behaupten „Rauchverbote wirds niemals geben“.

    #4 Wenn ihr und andere Plattformen keine Sorge habt, dass Crowd-Investoren sich unüberlegt und teils überhasstet mit wenigen Mouseclicks in ein Investment stürzen – dann solltet ihr die aktuelle Vorlage mit der Pflicht etwas SCHRIFTLICH und per POST einzusenden unterstützen. So wird sichergestellt, dass man sowas nicht zu schnell machen kann, sondern im Zweifel nochmal drüber schläft. Das schadet nicht, denn wer wirklich investieren will, der kann auch einen Brief in den Briefkasten einwerfen.

    #5 Zitat „Man kann nicht erwarten, an dem wirtschaftlichen Erfolg eines Startups zu partizipieren, aber kein Totalausfallrisiko hinzunehmen“ – doch das kann man! Man nennt das ganze Kredit oder Darlehen!!! Am besten inkl. privater Haftung der Gründer und GFs – dann kann man sich sicher sein, dass mit dem Geld auch so sorgsam umgegangen wird wie nur möglich. Derzeit ist bei Seedmatch das ganze doch genau anders rum aufgebaut, zum maximalen Nachteil des Crowd-Investors:
    1) Man gibt ein Darlehn, aber nachrangig, wenn es schief geht ist man in der Verwertungskette der Reste absolut der Letzte.
    2) Wegen der hohen Bewertungen bekommt man im Erfolgsfall nur ein Bruchteil. Gerne wird von der Crowd ein ordentlicher Schluck Geld genommen, bspw. für 0,5 Mio. aber grad mal 10% Anteile abgegeben. Außerdem zahlt man sich in der Aufbauphase schon ein Gehalt. Stellt sich ein großer Erfolg ein, so sahnt man 90% davon ab, geht es schief, zahlt der Crowd-Investor 90% der Zeche, denn selbst investiert man nur einen deutlich kleineren Teil Geld/Cash.

    #6 Wenn es um Spenden geht, wie bei Kickstarter oft „5$ oder 10$ for supporting us“ – alles gut. Von mir aus kann jeder der möchte auch 10k Euro spenden. Wenn es aber um Investment geht – wo eine Rendite-Aussicht versprochen wird, dann ist maximale Transparenz gefragt. Ich kann nicht verstehen warum bei den Zahlen teils so ein Eiertanz gemacht wird. Dafür gibts meistens nur 2 Gründe. A) Man möchte gewisse Zahlen nicht klar nennen, weil sie schlecht sind und die Laune am Investment verderben würden, B) Man möchte nicht, dass Details einsehbar sind, die klar belegen welche anderen Parteien zu anderen/besseren Konditionen Anteile bekommen haben.

    Seedmatch stellt sich selbst als quasi neutrale Plattform dar. Und das ihr die Startups gewissenhaft überprüft (wobei ihr für eure Prüfung aber natürlich keine Haftung übernehmen wollt, oder doch?

    Ihr profitiert davon, je mehr Geld in die Startups fließt. Primär durch die direkte Provision – die ihr sofort bekommt, nicht erst Jahre später. Außerdem bedeutet mehr Geld für das Startup bessere Chancen, bzw. mehr Zweit bis zu einer möglichen Pleite – was für die Investment-Hygene auf eurer Plattform auch von Vorteil ist.

    Wenn ihr so sehr an die Startups glaubt, die ihr hier präsentiert, warum nehmt ihr dann nicht nur 3% Provision auf die Seed-Summen und bekommt zusätzlich einen Anteil am Startup? Das wäre mal ein Kommitment und Vertrauensbeweiß. So wie es jetzt ist – sagte ich nur Film Glücksritter, Zitat: „Egal ob der Markt fällt oder steigt, Duke&Duke gewinnen immer!“. Wer den Film kennt wird den Seitenhieb verstehen.

    • #1 Dass Venture-Capital-Gesellschaften und Risikokapital aus der Crowd existieren, sollte als Beleg für diese Lücke, die Banken lassen, ausreichen. Startups definieren wir als junge, innovative Unternehmen auf der Suche nach einem nachhaltigen, skalierbaren Geschäftsmodell. Sie sind nicht mit Existenzgründungen zu verallgemeinern, die durchaus Chancen auf Kredite bei ihrer Bank haben.

      #2 Bitte richtig zitieren. Die Aussage war: „Banken würden generell nur sehr selten Risikokapital geben … Es ist nicht ihr Kerngeschäft“. Siehe #1.

      #3 Jeder darf dazu seine Meinung haben, aber wir finden, wir sollten mehr als jeder andere davon überzeugt zu sein, mit Seedmatch einen nachhaltigen Wandel in der Welt der Startup-Finanzierung realisieren zu können.

      #4 Wir sind der Meinung, dass man eine nicht überhastete, seriöse, fundierte und risikobewusste Entscheidung sehr gut mit einem Mausklick ausdrücken kann – uns geht es darum, dass das Risiko im Kopf ankommt, und nicht, dass wir weniger Briefe öffnen wollen. Risiko aber wird man nicht in Papierform plötzlich besser vermitteln, sondern wir sind der festen Überzeugung, dass das Internet so zeitgemäß ist, dass jeder mündige Investor auch damit seinen Willen bekunden kann.

      #5 Das partiarische Nachrangdarlehen bei Seedmatch wurde in vielen Diskussionen und Verhandlungen mit vielen Startups, Investoren, Business Angels und VC-Gesellschaften Schritt für Schritt „in Form gegossen“. Wir versuchen damit, allen Interessen möglichst gut gerecht zu werden. Wir können deine Vorschläge nachvollziehen, aber auch die Crowd bewegt sich auf einem Markt mit Wettbewerbern – VCs, Business Angels, aber auch Förderprogramme oder in späteren Phasen ein Bankkredit. Wir glauben, mit dem partiarischen Nachrrangdarlehen eine Form gefunden zu haben, die sowohl Investoren einen attraktiven Zugang zu spannenden Innovationen bietet, als auch Startups eine Kapitalquelle bietet, die Vorteile gegenüber den Alternativen bietet. Wenn du nicht dieser Meinung und/oder mit den Bewertungen der Startups unzufrieden bist, tut uns das leid.

      Deine Verallgemeinerung, wie viel die Gründer in ihre Startups investieren, ist jedoch nicht nur pauschal, sondern irreführend: Sie investieren nämlich nicht häufig einen Großteil Ihres Privatvermögens, sondern darüberhinaus Arbeitszeit, Leidenschaft und Ideen. Wir finden es nicht fair, Investitionen nur in Euro zu messen. Das ist mit dem Grundgedanken des Entrepreneurships nicht vereinbar.

      #6: Es wird niemals bei Seedmatch eine Rendite versprochen. Was den Anspruch nach Transparenz angeht, verweisen wir auf #5 und den Wettbewerb. Aus nicht ausreichender Transparenz ableiten zu wollen, dass Startups Geschäftsgeheimnisse verbergen zu wollen, um Investoren hinters Licht zu führen, geht etwas zu kurz. Jeder Gründer weiß, wie wichtig Geschäftsgeheimnisse gerade bei Startups sind, die erst kurz am Markt und daher mit wenig Vorsprung leicht zu imitieren sind.

      Wir versuchen bei Seedmatch, einen hohen Standard an Transparenz von den Startups abzufordern: Mit Businessplänen und der Möglichkeit, ausführliche Fragen an die Gründer zu stellen. Jedem Investor ist es freigestellt, über dieses Maß an Transparenz selbst zu urteilen und wir begrüßen jede Entscheidung, nicht zu investieren, wenn man sich nicht sicher dabei ist.

      Viele Grüße
      Jakob Carstens
      Head of Marketing Seedmatch

  5. Karsten sagt:

    >#6: Es wird niemals bei Seedmatch eine Rendite versprochen.

    Ich sprach von Rendite-AUSSICHT – das ist eine Chance, keine Garantie. Wenn ihr nichtmal eine AUSSICHT auf Rendite versprecht – na dann gute Nacht. Der Verlust ist bei euch also garantiert???

    > Was den Anspruch nach Transparenz angeht, verweisen wir auf #5 und den Wettbewerb. Aus nicht ausreichender Transparenz ableiten zu wollen, dass Startups Geschäftsgeheimnisse verbergen zu wollen, um Investoren hinters Licht zu führen, geht etwas zu kurz. Jeder Gründer weiß, wie wichtig Geschäftsgeheimnisse gerade bei Startups sind, die erst kurz am Markt und daher mit wenig Vorsprung leicht zu imitieren sind.

    Geschätsgeheimnisse sind Prozesse, Verfahren, etc. – die aggregierten Zahlen was man bisher an Umsatz generiert hat, sowie die Kosten etc. sind wohl kaum „Geschäftsgeheimnisse“. Besonders das Verschweigen von aktuellem Cash-Stand, Cash-Burn der letzten Monate etc.

    >Wir versuchen bei Seedmatch, einen hohen Standard an Transparenz von den Startups abzufordern: Mit Businessplänen und der Möglichkeit, ausführliche Fragen an die Gründer zu stellen. Jedem Investor ist es freigestellt, über dieses Maß an Transparenz selbst zu urteilen und wir begrüßen jede Entscheidung, nicht zu investieren, wenn man sich nicht sicher dabei ist.

    Kaufe ich euch nicht ab. Ihr wollt die Investment-Summen maximieren. Transparenz steht dabei nicht im Focus. Das wird ja auf Facebook in der Crowdinvestor Gruppe ausführlich und klar erkennbar diskutiert.

    Wenn Seedmatch so sehr an die Startups glaubt, nochmal: Warum nehmt ihr dann einen Großteil eurer Vergütung nicht als Anteile an den Startups? Wenn euch dann kurzfristig Cash fehlt – das könnt ihr ja auch noch bei der Crowd einwerben.

    Der Anleger Schutz wird kommen – bin gespannt drauf. Den aktuellen Methoden wird dann hoffentlich ein Riegel vorgeschoben. Gut für alle Startups die mit wirklich transparent Daten arbeiten – die haben dann bessere Chancen auf Finanzierung als heute.

    • Hi Karsten,

      beim ersten Punkt unterlief mir ein Fehler. Natürlich versprechen wir keine Rendite, aber wir sprechen von Renditechancen und -potenzialen. Die gibt es durchaus.

      Transparenz: Jeder Gründer aus dem Seedmatch-Netzwerk wird bestätigen, das gerade Cash-Burn-Rate, Umsatzzahlen, Cost per Order usw. extreme Geschäftsgeheimnisse sind, wenn es um E-Commerce geht. Bei Hardware-Startups sind Patente und Verfahrensweise natürlich geheim, keine Frage. Im E-Commerce aber, der nochmal anfälliger für Kopier-Angriffe ist, zählen die Finanz-Zahlen zu den absolut top secret Informationen: Hier gewinnt derjenige den Wettbewerb, der mit niedrigsten Marketingkosten den maximalen Umsatz generiert – alles Zahlen. Wir finden es schade, dass du unser Bestreben nach Transparenz nicht für ausreichend erachtest. Wir werden in Zukunft weiter daran arbeiten, alle Investoren zufrieden zu stellen, wissen aber, dass wir immer nur einen Kompromiss zwischen den konträren Interessen von Startup und Investor finden werden.

      Herzliche Grüße
      Jakob Carstens
      Head of Marketing Seedmatch

  6. Karsten sagt:

    Im eCommerce sind Geschäftsgeheimnisse (Beispiel): Werbekosten neuer Kunden, Detail-Beispiel ROI konkreter SEM-Keywords, welche weiteren Werbekanäle funktionieren wie gut, Lifetime-Values/churn Rates, Rücksenderaten je nach Kundenquelle, Einkaufskonditionen, Konditionen mit verschiedenen Logistik-Unternehmen, usw.

    Aggregierte Finanzkennzahlen (Umsatz, Kosten, DB1/2/3, etc.) finde viele interessant, auch die Konkurrenz. Aber nur diese Zahlen – auf Papier oder in Excel – führen keinen Wettbewerber auch nur einen Schritt nah an die Lösung WIE das jemand gemacht hat. Maximal kann man ablesen ES GEHT – und man kann es sich als Benchmark nehmen. Als Wettbewerber interessieren mich jedenfalls Detail-Dinge wie ich sie oben genannt habe viel mehr als pure Finanzzahlen.

    Als (potentieller) Investor interessiere ich mich durchaus sehr für Finanzkennzahlen – und diese dann auch so genau wie möglich.

    Unternehmen die über Seedmatch Crowd-Gelder einsammeln präsentieren aktuell bereits ihre Zahlen. Ich kann nicht verstehen, warum dann oft bei den letzten 10% an Informationen noch so geschludert wird. Was soll die Info „Kassenstand 150.000 Euro per 30.04.2014“ – wenn jetzt August ist? Soll man dann im Ernst mit den Jahres-PLAN-Zahlenn 2014 selber hochrechnen wie wohl derzeit der Kassenstand ist? Das kann die („böse“) Konkurrenz genauso. Dann doch lieber vom Startup klar die Info wie es in der Kasse JETZT aussieht.

    Zitat: „Wir werden in Zukunft weiter daran arbeiten, alle Investoren zufrieden zu stellen, wissen aber, dass wir immer nur einen Kompromiss zwischen den konträren Interessen von Startup und Investor finden werden.“

    Ich hoffe doch sehr, dass die „konträren Interessen“ zwischen Investoren und Startups im Regelfall marginal sind, und sich bspw. auf „wieviel Anteile für wieviel Geld, welches Exit-Multiple“ etc. beschränken. Diese Faktoren sind hier aber nicht verhandelbar, sondern gesetzt. Ansonsten sollte Investor und Startup am gleichen Strang und in die selbe Richtung ziehen. 😉

    Jakob du kannst dir ja mal die ganzen Fragen und die Antworten die aktuell an RIBOXX gestellt werden durchlesen (nicht nur meine). Und dich fragen ob du die Antworten befriedigend findest? Und ob du mit dem Feedback selber investieren würdest? Die Fragen und Antworten zum Thema Cash, zum Thema „was wenn hier nicht 1 Mio. zusammen kommt?“. Ich finde die Antworten zu dünn.

    Der Fall GOODZ zeigt, das solche Fragen berechtigt sind. Wenn das Crowd-Funding geringer ausfällt als erhofft kann das sehr schnell unangenehme Folgen haben. Niemand will sein Geld als „letzten Schluck Öl ins Feuer vor Ende“ investieren. DAS wollen Crowd-Investoren natürlich so gut es geht mit Fragen und Antworten/Informationen dazu vermeiden. „Wir“ sind vielleicht „klein“ (im Verhältnis zu Geld Volumen VC-Funds) – aber nicht „doof“. 😉

    Das du im Detail eine andere Position und Meinung vertrittst als ich, ist für mich völlig ok. Jeder Schritt die Sachlage zu beleuchten und anzustoßen was man noch verbessern kann finde ich begrüßenswert. Und mehr Transparenz sowieso immer :-).

    • Jonas sagt:

      Valide Punkte. Du wirst von Jakob auf dein wiederholtes Nachbohren jedoch keine offene und ehrliche Antwort erhalten, sondern nur weiteres marketing-typisches Herumgeeiere. Das ist nun einmal sein Job, und DER steht ganz eindeutig in diametralem Widerspruch zu deinen Detailfragen.

      Das beste Beispiel ist, dass er hartnäckig deine wiederholt geäusserte Frage ignoriert, warum sich Seedmatch anstelle eines Teils der Provision nicht direkt an den gefundeten Startups beteiligt.

      Du erwartest zuviel von den hehren Rittern der heiligen Transparenz.

      • Hallo Jonas,

        wir schätzen jederzeit den (auch kritischen) Austausch mit unseren Investoren. Falls einmal Missverständnisse oder verschiedene Meinungen auftreten, bevorzugen wir es, diese konstruktiv zu klären. Wir gehen immer gerne auf sachliche Argumente ein. An dieser Stelle möchten wir aber von falschen und unsachlichen Anschuldigungen Abstand nehmen.

        Grundsätzlich: Transparenz IST einer unserer wichtigsten Grundsätze. Wenn Investoren das Gefühl bekommen, etwas sei nicht klar kommuniziert, Zahlen seien nicht eindeutig oder unvollständig, haben sie zu jeder Zeit die Möglichkeit, die Startups konkret darauf anzusprechen – entweder öffentlich oder privat.

        Das Investmentangebot kommt immer vom Startup, und das Startup muss für sich entscheiden, welche Informationen es preisgeben kann und möchte und welche nicht. Es ist ein Angebot, das jeder interessierte Investor annehmen kann oder nicht – das ist ja gerade das Gute am Crowdfunding: Man kann sich bei jedem Angebot individuell entscheiden, ob es einen überzeugt. Wer sich bei einem Crowdfunding nicht gut informiert fühlen, investiert nicht.

        Zur Provision: Wir freuen uns generell über Vorschläge und Feedback zu unserem Geschäftsmodell und nehmen alle Vorschläge und Wünsche unserer User und Investoren auf, bitten aber um Verständnis, dass wir unsere möglichen strategischen Planungen für die Zukunft nicht in der Öffentlichkeit diskutieren möchten.

        Herzliche Grüße
        Jakob Carstens
        Head of Marketing bei Seedmatch

  7. Aus meiner Sicht sollte der Gesetztgeber bis zu einer vernünftige Grenze von z.B. 5 Millionen Euro soetwas wie eine vereinfachte Prospektpflicht einführen. Hierfür können rationale Pflichtangaben definiert werden, nebst Risikohinweisen. Es muss doch möglich sein, standardisierte Prospekte zu Kosten unter 500 Euro hinzubekommen. Der neue Markt hat gezeigt, dass Prospekte auch nicht vor Totalverlusten schützen. Mit einem vereinfachten Prospekt sollte es den Plattformen dann auch möglich werden, vernünftige Assetklassen, wie GmbH-Anteile, Aktien, Wandelanleihen anzubieten und nicht nur nachrangige Darlehn.