„Der digitale Wandel macht auch vor dem Kaffeemarkt nicht Halt“ – Michael Brehm zu Bonaverde

Bonaverde hat die erste Kaffeemaschine der Welt entwickelt, die den Kaffee nicht nur mahlt und brüht, sondern auch röstet – all das mit einem einzigen Knopfdruck. Bohnen aus Brasilien oder Äthiopien legen oft eine monatelange Reise zurück, bevor sie im Supermarkt landen. Viele Hauptgeschmacksträger gehen dabei verloren. Mit Bonaverde ist der Kaffee nun direkt frisch nach der Röstung genießbar. Einer, der an das Konzept von Bonaverde glaubt, ist Michael Brehm. Er ist eines der bekanntesten Gesichter der deutschen Gründerszene, hat u. a. bei  Amiando (Exit an XING) oder dem Fintech-Startup Kreditech, das gerade 40 Mio. US-Dollar Wachstumskapital eingesammelt hat, investiert.

Wir haben ihn u. a. gefragt, warum Bonaverde eins der spannendsten Unternehmen in seinem Portfolio ist.

 

Seedmatch: Michael, du bist ja ein sehr erfahrener Gründer und Investor in der deutschen Startup-Szene: Wieso ist Bonaverde für dich ein spannendes Unternehmen?

bonaverde-brehm_michaelMichael Brehm: Wichtig sind für mich immer folgende Kriterien: Team, Markt, Idee und Umsetzung. Bei Bonaverde passt einfach alles und was hier bisher geschaffen wurde, ist beeindruckend.

Hinzu kommt, dass der sich immer weitgreifender vollziehende „digitale Wandel“ wie eine zweite Industrielle Revolution ist: So gut wie jeder Markt unterliegt momentan entsprechend starken Veränderungen – und das wird auch vor dem Kaffeemarkt nicht Halt machen. Wir Menschen produzieren, verarbeiten, kaufen und konsumieren Kaffee genau so, wie schon die letzten hundert Jahre. Dieser Status quo ist erstens teuer und bringt zweitens nicht die höchste Qualität. Das kann man besser machen.

 

Seedmatch: Aber ist der Kaffee-Markt nicht von Branchengrößen wie Tchibo, Starbucks und Nespresso schon vollkommen ausreichend bespielt?

Michael Brehm: Bonaverde hat ein völlig neues und innovatives Konzept, das in einer Maschine den Röst-, Mahl- und Brühprozess vereint und beim Vertrieb – nicht nur – aber vor allem auf digitale Wege setzt. So bekommt man den frischesten Kaffee und tut auch noch Gutes, weil man direkt von den Produzenten kauft. Außerdem behauptet Bonaverde nicht, dass sie bestehende Spieler ersetzen werden, sondern dass sie in einem Bereich eines sehr großen und sich ändernden Marktes eine Ergänzung zu bestehenden Produkten bieten wollen.

 

Seedmatch: Was reizt dich am Geschäftsmodell von Bonaverde?

Michael Brehm: Menschen, die Kaffee trinken, tun dies meist täglich. Da wir Maschine und Kaffee anbieten, können wir zum einen von den Maschinenverkäufen profitieren und dann aber auch von dem regulären Kaffeekonsum. Dass wir des Weiteren vor allem auf einen Direktvertrieb setzen und die Lieferkette verkürzen, erhöht die Margen noch weiter. Hier wurde vom Anbau, über die Logistik, die Maschine bis hin zum Konsum das Kaffee-machen völlig neu gedacht: Deutsches Ingenieurswesen wird mit Berliner Innovation und Digitalkompetenz verknüpft.

 

Seedmatch: Bei all den positiven Gründen gibt es ja immer auch Herausforderungen, die es zu meistern gilt: Welche Risiken siehst du bei Bonaverde? Und wie gehen die Gründer diese Herausforderungen an?

Michael Brehm: Die Hauptherausforderung bestand in den letzten Monaten in der globalen Koordination und im Projektmanagement: Der Kaffee aus Lateinamerika, die Entwicklung in Deutschland, die Produktion teilweise in Asien und dann Kunden aus über 40 Ländern – das erfordert hohe Professionalität. Es wurden sehr sorgfältig ausgewählte und erfahrene Partner gewonnen, mit denen diese Prozesse gut abbildbar sind. Aber genau das wird für die nächsten Jahre eine Herausforderung sein, auf die man sehr achten muss.

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Momentan ist Bonaverde für frischen Kaffee aus grünen Bohnen Wegbereiter und wird stark beobachtet. Wenn Bonaverde weiterhin sehr erfolgreich ist, wird es starken Wettbewerb geben. Dem wird man sich nicht entziehen können. Das, was Bonaverde hier langfristig differenzieren kann, ist ein besseres Produkt, indem man bei der Innovation immer einen Schritt voraus ist – es wird z. B. jetzt schon an der nächsten Generation der Kaffeemaschine geforscht – um eine starke Marke mit einer treuen Kundschaft aufzubauen.

 

Seedmatch: Du hast ja schon einiges gesehen und miterlebt, warst u. a. Geschäftsführer bei den VZ-Netzwerken, zu denen auch studiVZ gehörte: Wie bringst du dich als Investor bei Bonaverde ein?

Michael Brehm: Ich leite unter anderem den Beirat sowie den Aufsichtsrat von Bonaverde und stehe als Sparringspartner zur Verfügung. Dann helfe ich neben strategischem Rat auch sehr konkret beim Finden von Mitarbeitern, Vertragsverhandlungen, Partnerschaften oder der Finanzierung.

 

Seedmatch: Bonaverde wird ja stark von seinem Gründer Hans Stier geprägt – wie erlebst du ihn? Was ist er für ein Typ? Wie hat er dich überzeugt?

Michael Brehm: Ich kenne ihn schon sehr lange und habe Bonaverde seit der bloßen Idee verfolgt. Hans Stier ist als Geschäftsführer hervorragend für Bonaverde geeignet. Zum einen bringt er eine unglaubliche Begeisterung für das Produkt und seine Idee mit, die er gegen alle Widerstände weiter verfolgt hat. Seine Fähigkeit, andere für seine Vision zu begeistern und seine Ausdauer zeichnen ihn als guten Unternehmer aus. Zum anderen achtet er aber auch unglaublich auf Details und wie man diese durch klare Zielvorgaben perfektionieren kann.

Was Hans Stier sonst noch kennzeichnet, sind extrem harte Arbeit, Sparsamkeit, Intelligenz, gesunder Menschenverstand und Sympathie.

Mir gefällt die Umsetzungsgeschwindigkeit, genauso wie die effiziente Mittelverwendung. Das gleiche Projekt in einer großen Firma hätte locker schon jetzt einen zweistelligen Millionenbetrag gekostet.

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Seedmatch: Bonaverde startet nun sein erstes Equity-based Crowdfunding nach zwei Runden bei den amerikanischen Plattformen Kickstarter und Indiegogo – warum? Was sind die Unterschiede? Und welche Rolle spielen die Investoren generell bei der weiteren Planung von Bonaverde?

Michael Brehm: Hauptsitz der Firma ist in Berlin und Deutschland ist einer der größten Kaffeemärkte der Welt – da lag es nahe, hier den nächsten Schritt zu machen. Wir wollten schon seit Längerem eine Kampagne in Deutschland machen, um den ganzen Markt abzudecken. Im Gegensatz zu den USA, wo Bonaverde Geld für die Lieferung von den Maschinen und für die Vision „geschenkt“ bekommen hat, können die Investoren bei der deutschen Kampagne auch vom wirtschaftlichen Erfolg partizipieren.

Seit dem Start wird Bonaverde sehr stark von einem Community-Gedanken getragen. Das fängt bei der Kooperation mit den Bauern in Lateinamerika an, geht über die Kunden und eben auch die Investoren. Jeder der möchte, soll an der Vision „Bonaverde“ partizipieren können.

„Let´s change coffee. Together.“ ist nicht nur ein Slogan, sondern das „Zusammen“ ist tief in der Firmenkultur verankert. Wir finden, dass Crowdfunding hervorragend zum Produkt und zur Marke passt. Kaffee ist etwas, das viele Leute jeden Tag konsumieren und damit sollte auch Bonaverde eine Firma sein, die viele Leute interessiert. Generell finde ich, dass sich vor allem Firmen, die ein klar verständliches Produkt haben – welches sich an Endkunden richtet – am besten für Crowdfunding-Kampagnen geeignet sind. Die Investoren sind hier nicht nur als Geldgeber wichtig, sondern hoffentlich einige auch als Botschafter für das Produkt. Investoren sind für eine junge Firma wie Bonaverde eine sehr wichtige Stakeholder Gruppe und alle freuen sich auf eine faire und partnerschaftliche Zusammenarbeit.

 

Seedmatch: Mal ganz allgemein: Welchen Rat würdest du einem Crowd-Investor geben? Worauf achtest du, wenn du eine Investmententscheidung triffst?

Michael Brehm: Das, was ich jedem Investor sagen würde und wonach ich auch selber handle: Es gibt eine rationale Komponente und eine emotionale Komponente bei jedem Investment.

Rational muss man sich Folgendes überlegen: Ergibt der Markt, die Zahlen und das Produkt Sinn und glaube ich, dass die Akteure das hinkriegen? Da kann man sich durch die vorhandenen Informationen in Investmentstory und Businessplan einen ganz guten Eindruck machen.

Emotional geht es darum, ob die Gründer trotz der Distanz Sympathie erwecken, einem dadurch ein gutes Bauchgefühl geben und vielleicht auch etwas Leidenschaft für das Produkt wecken können.

Wenn man alle Komponenten für sich mit „Ja“ beantwortet, dann kann man guten Gewissens investieren.