„Seid Menschen, keine Figuren” – Ali Jelveh über den Fundingerfolg von Protonet

Vor Kurzem haben wir Ihnen in einem Blogbeitrag vorgestellt, warum das Protonet-Crowdfunding aus unserer Sicht so gut funktionierte. Mehr als 6 Wochen nach dem Fundingstart haben wir nun auch noch einmal bei dem Gründer Ali Jelveh nachgefragt. Wir wollten wissen was er über den Erfolg des Fundings denkt und wie es nun mit dem Kapital weitergeht.

Seedmatch: Wie geht es nun weiter bei Protonet? Was wird mit dem Geld unternommen?

Ali Jelveh_1Ali Jelveh: Natürlich wird ein beachtlicher Teil des Geldes in die Fertigstellung der Maya-Server und der übrigen Investoren-Server fliessen. In der Zwischenzeit wird auch an einigen dringenden Stellen neues Personal eingegliedert, z. B. in der Fertigung, im Sales und im Support.

Mittelfristig werden alle Bereiche neue Mitarbeiter begrüßen. Wir haben außerdem auch ein richtiges Marketing-Budget, welches uns dazu befähigt, ganz neue Schritte zu gehen – wir reden hier von echter Aufklärungsarbeit, die kostet Zeit und Geld. Nicht zuletzt können wir auch die Expansion in andere Länder schneller vorantreiben, schließlich wollen wir eine global aufgestellte Firma werden.

 

Seedmatch: Wieso war Protonet im Funding so erfolgreich?

Ali Jelveh: Da gibt es natürlich viele Punkte und mehrere Ebenen, viele davon habt ihr von Seedmatch im Blog schon angesprochen, wie etwa das emotionale Video, die Aktivierung des persönlichen Netzwerkes oder die detaillierte Planung jedes Schrittes. Ich könnte an dieser Stelle noch die Wahl der richtigen Partner und den bereits bestehenden Track-Record (die bisherigen Erfolge; d. Red.) hinzufügen, denn wir sind ja nicht ganz neu. Der Kern von all dem, ist aber nach wie vor die Vision und die bedingungslose Überzeugung, die Welt verändern zu können. Wir glauben, die Menschen spüren das, wenn sie mit uns reden, sie möchten ein Teil davon sein. Wir sehen dieses Vertrauen als unseren Auftrag, unsere Mission, die wir erfüllen wollen und werden.

 

Seedmatch: Welche Argumente haben bei den Investoren besonders gezogen?

Ali Jelveh: Die Crowd hat ihre eigenen Charaktere und viele Facetten. Jeder hat eine indiviuelle Motivation, die das Investment treibt. Wir glauben aber, dass es vor allem der Blick in die Zukunft ist, welcher durch unser Produkt möglich ist. Die Welt wird sich verändern und die Art und Weise, wie wir mit unseren Daten umgehen können, wird viel einfacher sein als je zuvor – ohne, dass wir uns damit auskennen müssen. Technologie ist ein „Enabler“, ein Werkzeug zur Neugestaltung. Unsere Technologie ermöglicht Unabhängigkeit. Diese Unabhängigkeit ist nicht absolut, sie ist aber ein großer Schritt in Richtung digitaler Emanzipation. Das haben die Menschen erkannt und das ist in unseren Augen der Hauptgrund, warum so viele am Ende „Ja“ gesagt haben.

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Seedmatch: Was wird Protonet mit dem Kapital konkret in Angriff nehmen? Wie bringen euch die zusätzlichen 1,5 Millionen Euro weiter?

Ali Jelveh: Vorerst laufen alle Arbeiten nach dem alten Business Plan – sprich als hätten wir nur 1,5  Millionen Euro, dadurch stellen wir sicher, dass die Ausgaben auf Kurs bleiben und unsere Umsatzziele erreichen können.

Die zusätzlichen 1,5  Millionen Euro geben uns zum einem bis zur nächsten Finanzierungsrunde mehr „Runway“, sie erlauben uns aber auch, erfolgreiche und effektive Kampagnen besser zu finanzieren. Projekte wie die kommende Markteinführungskampagne kann nun mit einem eigenen Budget ausgestattet werden – so erhöht sich deutlich die Erfolgswahrscheinlichkeit. Zum anderen gelangen auch technische Innovationen, die vorher aus finanziellen Gründen nicht angegangen werden konnten, in den Bereich des Möglichen. Dies wird sich in den kommenden Produktiterationen widerspiegeln.

Unsere internationalen Bestrebungen waren bisher erst nach der nächsten Finanzierung geplant, durch das Rekordfunding sind erste Schritte innerhalb dieser Finanzierung möglich.

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Seedmatch: Wer sorgt dafür, dass ihr nun auch vertrauenswürdig mit dem Kapital umgeht?

Ali Jelveh: Eine sehr wichtige Frage! Wir sind uns der Verantwortung, die wir haben, bewusst – wir haben durch unsere im August 2013 dazugestoßenen Investoren (Kolle, Rebbe, Tarek Müller) im letzten Jahr viel Expertise mitbekommen. Insbesondere in den Bereichen Controlling und Rechtliches werden wir intensiv vom dortigen Kolle-Rebbe-CFO Kai Müller unterstützt. Kai hat jahrelange Erfahrung als Geschäftsführer Finanzen bei Unternehmen mit Jahresumsätzen in dreistelliger Millionenhöhe und hat mit uns den Finanzplan erarbeitet und ist bei diesen Themen auch immer „in the loop“. Auf Protonet-Seite ist Boris Siegenthaler im Februar dazugestossen, er hat extensive Erfahrung als Unternehmensberater und Controller speziell im Bereich Restrukturierung und Sanierung. Er hat zuvor Jahrelang mittelständische Unternehmen begleitet, die sich in Sondersituationen befanden – dazu zählten Unternehmen in starken Wachstums- aber auch in Krisensituationen. Mit einem starken Fokus auf die operative Begleitung in diesen Mandaten übernahm er u. a. interimistisch die Aufgaben als Controller. Dadurch ist er es gewohnt vertrauenswürdig mit Unternehmenskapital umzugehen.

 

Seedmatch: Was könnt ihr (von Protonet) anderen Startups für ein Crowdfunding empfehlen?

Ali Jelveh: Bis auf die bereits genannten Punkte: Hört auf die Menschen die an der Plattform arbeiten – das macht einfach Sinn, sie kennen ihre Crowd oft am besten. Gerade im analytischen Teil steckt man als Unternehmen nicht drin, daher sollte man dieses Wissen mit offenen Armen willkommen heißen. Seid außerdem Menschen, keiner investiert in „Figuren“.

 

Seedmatch: Wieso habt ihr Equity- und nicht Reward-based Crowdfunding z. B. bei Kickstarter gewählt?

Ali Jelveh: Wir glauben, dass Crowdfunding zukünftig eines der wichtigsten Finanzierungsinstrumente für Startups und Innovationstreiber wird, weit vor klassischen Finanzdienstleistern wie Venture Capital-Gesellschaften und Banken. Der erste Schritt dahin waren die großen Reward-based Crowdfunding Plattformen wir Kickstarter. Natürlich hat ein solches Crowdfunding große Vorteile: ein junges Unternehmen muss keine Anteile abgeben und das Risiko ist auf Unternehmensseite sehr gering. Das Risiko liegt dann allerdings voll beim „Backer“ – denjeniegen die diese Projekte unterstützen. Zum Glück funktioniert das im Ganzen schon sehr gut, schwarze Schafe sind hier die absolute Ausnahme.

Wir glauben Equity-based Crowdfunding hat den großen Vorteil, dass es die Crowd am Erfolg der Projekte und Kampagnen beteiligt. Es wird Projekte geben die richtig groß und erfolgreich werden – diese Projekte bedeuten für die „Backer“ auch ein großes, monetäres Return-on-Investment (ROI). Wir sind überzeugt, dass Investoren (vielleicht besser als Backer), die diese Erfolge miterleben und an ihnen beteiligt sind, eine wesentlich höhere Bereitschaft zeigen werden in neue – auch große Ideen – zu investieren. Ein Kreislauf, der Equity-based Crowdfunding letztendlich zur neuen – wir behaupten zur größten – Technologie- und Innovationsfinanzierungsform erheben wird. Zu dieser Demokratisierung von Technologie- und Innovationszukunft möchten wir mit Protonet unseren Beitrag leisten.

 

 

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  1. Martin sagt:

    Die Idee Protonet wird noch ein großes Ding, darauf kann ich wetten!