„Wir müssen schnell wachsen, um den First Mover Advantage zu nutzen“ – Bonaverde-CEO Hans Stier im Interview

Ab Montag, dem 21. Juli 2014,  startet ein weiteres Startup sein Crowdfunding bei Seedmatch: Bonaverde. Mit der Hilfe der Crowd will das Startup den Kaffee-Konsum revolutionieren – die ersten Schritte dazu sind getan, jetzt geht es um den Roll Out der weltweit ersten Kaffeemaschine, die nicht nur mahlt und brüht, sondern vorher frische grüne Bohnen röstet. Um dem Konzept der „Coffee Changer“ näher auf den Zahn zu fühlen, haben wir mit dem Gründer und CEO Hans Stier darüber gesprochen, wie das Startup aufgestellt ist und welche Herausforderungen konkret angegangen werden.

 

Seedmatch: Lieber Hans, wie bist du auf das Bonaverde-Geschäftsmodell gekommen?

bonaverde_ceo_hans-stier_smallHans Stier: Einerseits war und bin ich ein „Heavy Consumer“, wenn es um Kaffee geht – ich trinke gut und gerne meine 1,5 Liter Kaffee am Tag und war nicht selten von Magenschmerzen geplagt. Nach ein wenig Recherche fand ich heraus, dass die Magenprobleme durch die Säure und Bitterkeit der Bohnen hervorgerufen werden, die erst durch die Lagerung der vorgerösteten Bohnen entstehen. Frisch gerösteter Kaffee hingegen ist extrem mild und magenfreundlich. Andererseits war ich vor der Gründung von Bonaverde bei RWE in der Nationalen Kommunikation gearbeitet und viel mit dem Energiesteuerrecht zu tun gehabt. Dort fand ich heraus, wie groß der Steuervorteil beim Handel von Rohstoffen gegenüber Konsumgütern war. Das eine führte zum anderen – warum nicht milderen, frischeren Kaffee trinken UND durch den direkten Vertrieb Steuern sparen?

 

Seedmatch: Wie ist euer Team aufgestellt? Woher nehmt ihr die Expertise für den internationalen Markt des Kaffeehandels und für die technischen Aspekte der Maschine?

Hans Stier: Wir sind ein junges, motiviertes Team, das zusammen alle Gebiete der aktuell benötigten Expertise abdeckt: Vision und Business Management, Projektmanagement, Kommunikation, Kreativdirektion, Relations und Logistik, Ingenieurswesen und Landwirtschaft.

Ich selber bin Gründer und CEO von Bonaverde. Unterstützt werde ich von Nathalie Sonne, die die Gesamtkommunikation steuert, Ricardo Mählmann, der die Bonaverde-Welt visuell gestaltet, Laura Garde, die unsere Operations leitet, Jergus Majernik, der die Entwicklung der Maschine von Beginn an intern begleitet hat und last but far from least Andrea Fabbiani, der uns als Praktikant tatkräftig in Kommunikation und Marketing unterstützt.

Die benötigte Expertise für die Entwicklung und Herstellung unserer Maschine, den Aufbau eines weltweiten Direkthandelsnetzwerks sowie einen internationalen Marktlaunch, bringen unsere starken Partner mit.

Auf der Maschinenseite haben wir X-Pect Innovations und Homezest im Boot. X-Pect hat die Entwicklungstiefe unserer Innovation komplettiert, die Maschine serienproduktionsreif konzipiert und nun an den Fabrikanten Homezest übergeben. Mit drei europäischen Mitarbeitern beaufsichtigt X-Pect die Produktion weiterhin vor Ort im Werk.

bonaverde_machine

 

Für das Sourcing des besten Kaffees von den richtigen Bauern haben wir Ecom Trading als Partner an unserer Seite: einen der größten Rohkaffeeimport- und -exportlogistiker weltweit mit Hauptsitz in der Schweiz! Mit 200 Jahren Erfahrung, spezialisiert in Kaffee, Baumwolle und Kakao in großen Produzenten- und Konsumentenländern und bei jedem Farmer vor Ort „on-site“ mit Personal, Know-how und Entwicklungsfonds vertreten, ist die operative Logistik unserer Bohnen bei Ecom in den besten Händen.

Und last but not least, damit auch das Verkaufen klappt, haben wir uns mit Deutschlands erfolgreichsten Online-Businessmodel-Entrepreneuren zusammen getan: Michael Brehm übernimmt zusammen mit seinem Inkubatornetzwerk Rebate und MCB die Online-Strategie unseres Produktes. Als mehrfacher Entrepreneur hat er bereits Unternehmen an ebay und Google verkauft. Mark Hartmann wiederum übernimmt mit seiner langjährigen Erfahrung im Online-Marketing die eigentliche Distribution der Bonaverde-Idee: 2010 gründete er in Mexiko die Plattform „clickOnero“, die 2012 verkauft wurde und heute eine der größten E-Commerce Shopping Plattformen Mexikos ist. Als Venture Partner bei Project A kümmert sich Mark heute um die Themen Venture Coaching, Operations und ist zudem für Project A International verantwortlich. Mark und Michael bringen die richtige Expertise für einen internationalen Roll-Out!

 

Seedmatch: Welche Erfolge kann Bonaverde bereits vorweisen?

Hans Stier: Wir haben über 130 Prototypen unserer Maschine gebaut, mehr als 15.000 Personen unseren Kaffee verköstigt und auf deren begeistertes Feedback trotz Skepsis großer Marken weitergemacht: Ende letztes Jahres starteten wir unsere Kickstarter-Kampagne, die innerhalb von nur 11 Stunden über unser ursprüngliches Funding-Ziel hinausgeschossen ist und uns in die weltweite Presse katapultiert hat. Von Social Media Kanälen über die renommiertesten Tech-, Gourmet-, Designmedien bis hin zur Massenpresse waren wir plötzlich in aller Munde! Am Ende der Kampagne konnten wir knapp das Fünffache unseres anvisierten Fundingziels von 135.000 US-Dollar erreichen. Mit einer zweiten Kampagne und weiteren Vorbestellungen über unsere Website haben wir mittlerweile knapp eine Million Dollar nur von der Crowd eingesammelt! Diesen Herbst liefern wir bereits die ersten Maschinen aus und zeitgleich launchen wir unseren Online-Marktplatz: Wir starten mit vier Kaffeeproduzenten, haben aber bereits viele weitere Interessenten, die wir nach und nach zu unserem Netzwerk hinzufügen.

 

Seedmatch: Nach den zwei Crowdfundingrunden auf den amerikanischen Plattformen Kickstarter und Indiegogo fragt sich vielleicht mancher: Warum jetzt noch Seedmatch?

Hans Stier: Aus zwei Gründen. Einerseits wären wir ohne unsere Community nie so weit gekommen und möchten der Öffentlichkeit nun die Möglichkeit geben, sich nicht mehr nur an unserem Produkt, sondern an der gesamten Unternehmung zu beteiligen! Und zweitens müssen wir besonders schnell wachsen, um den First Mover Advantage zu nutzen und uns gegen die mächtigen Player im Markt behaupten zu können – und dafür benötigen wir ein weiteres Funding durch die Crowd.

 

Seedmatch: Neben der technischen Innovation und dem USP des besseren Geschmacks sorgen Bonaverde-Kunden ja auch noch dafür, dass die Einkommen der Kaffeebauern steigen, weil sie am Ende mehr vom Kuchen abbekommen. Wie funktioniert das?

Hans Stier: Dadurch, dass Konsumenten nicht mehr die vorgerösteten Bohnen, sondern nun den eigentlichen Rohstoff, also die grünen Kaffeebohnen, selber verarbeiten können, durchbrechen wir die aktuelle Kaffeewertschöpfungskette von bis zu 17 Stakeholdern zwischen Farmer und Konsument. Indem der Großteil dieser Zwischenschritte ausfällt, können wir den Bauern also signifikant bessere Margen bieten. Und das Beste daran: Wir bieten den Bauern Preise, die sich nach ihren eigentlichen Produktionskosten richten und damit stabil sind – und nicht wie momentan von der Börse fingiert und extrem volatil.

bonaverde_handelskette

 

Seedmatch: Ihr habt ja einen starken Fokus auf eure Crowd aus den bisherigen Runden und steht in ständigem Austausch mit euren Supportern rund um den Globus. Wie fügen sich da die Seedmatch-Investoren ein? Welchen Stellenwert haben sie für eure Strategie?

Hans Stier: Die Seedmatch-Investoren stehen unseren Early Supporter auf Kickstarter und Indiegogo in ihrer Bedeutung in NICHTS nach – letztere haben die Maschine ins Leben gerufen, während unsere Investoren auf Seedmatch nun die Chance haben, die gesamte Vision auf eine neue Ebene zu heben und unser Wachstum zu beschleunigen!

 

Seedmatch: Was werdet ihr mit dem eingesammelten Kapital aus eurem Crowdfunding in Angriff nehmen?

Hans Stier: Jeder Betrag bringt uns unserem Ziel einen Schritt weiter! 100.000 Euro sind unsere „Fundingschwelle“ und helfen uns bereits, die Online-Architektur unseres Marktplatzes aufzubauen. Mit 500.000 Euro hingegen könnten wir den Markteintritt nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland vollziehen. Mit noch höheren Summen wäre es uns möglich, auch direkt den B2B-Markt anzugehen – ein extrem wichtiger Schritt, um unser Wachstum zu beschleunigen und unsere Marktposition zu stärken. Und sollten wir unser Fundinglimit von sagenhaften 1,5 Millionen Euro erreichen, könnten wir den mit der Community gemeinsamen Traum einer zweiten Maschinengeneration mit Internet realisieren – und unsere Maschine so in ein Smart Object zu verwandeln, das beispielsweise merkt, wann sich die Kaffeevorräte zu Ende neigen, um rechtzeitig neue zu bestellen.

 

Seedmatch: Wo wollt ihr mit Bonaverde noch hin? Was sind eure Zukunftspläne?

Hans Stier: Oh, wir haben große Pläne! Bis Ende 2015 wollen wir alleine im US-Markt 90.000 Maschinen verkaufen, unser Direkthandelsnetzwerk bis Ende 2016 auf 400 Produzenten erweitern und nicht zuletzt noch dieses Jahr die zweite Maschinengeneration anstoßen. Bonaverde will als erster und attraktivster Anbieter grüner Bohnen wahrgenommen werden, damit wir die Fairness, Transparenz und Qualität im Direkthandel halten können, die wir uns auf die Fahne geschrieben haben. Und last but not least ist unser großer Traum, in naher Zukunft eine Art Mitgliedschaft einzuführen, im Rahmen derer unsere „Coffee Changer Community“ ihren frischen Bonaverde-Kaffee auch in sämtlichen Coffeeshop erhalten – umsonst. Aber dazu später mehr, wenn wir an dem Punkt sind – first things first!

 

Seedmatch: Und zum Schluss, warum sollte ein Crowdinvestor aktuell aus deiner Sicht in euch investieren?

Hans Stier: Weil wir extremes Durchhaltevermögen bewiesen haben und als Konsequenz bereits signifikante Erfolge vorweisen können – wir stehen aber trotzdem noch relativ am Anfang: Die Konditionen für Investoren sind aktuell einfach unschlagbar vorteilhaft. Und „ganz nebenbei“ kriegt man bei einem Investment von 2.000 Euro sogar noch eine Maschine aus der ersten Generation gratis dazu!

 

 

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  1. Uwe Anger sagt:

    Und macht es Spass, vollkommene frei zu entscheiden, welche Innovation wir unterstützen. Für uns als Sachsen gehört Kaffee mit Sicherheit dazu und bei diesem Project belebt Konkurrenz natürlich das scheinbar aufgeteilte Geschäft.

    • Das freut uns sehr, Sie an Bord zu haben!
      Wenn Sie heute Abend noch nichts vorhaben und zufällig in Berlin sind: Ab 18h hosten wir im PIK AS auf der Torstrasse 114 in Berlin ein Coffee Tasting. Da können Sie die Frische selber schmecken!
      Beste Grüße,
      Nathalie Sonne

  2. Galla Walter sagt:

    Hallo Leute was kostet eure Kaffeemaschine.

    Gruß Walter

  3. Peter E. M. Schudel sagt:

    Mensch, Herr Stier, da hat es in Deutschland über 30 Jahre gedauert, um den Melitta-Tüten-Brüh-Kaffee nahezu auszurotten und dann kommen Sie ausgerechnet mit der „Wiederbelegung“ dieser gruseligsten Zubereitungsform von Kaffee…!!! Eigentlich gehört dieses Filterverfahren gesetzlich verboten, da es eine reine Verschwendung von Kaffeebohnen ist. Endlich haben wir den Sprung zu Espresso mit feinem Schäumchen geschafft, da sollen wir wieder Filterbrühe saufen? Ob Sie damit wirklich Erfolg haben werden?

    • Hallo Herr Schudel,
      Sie sind herzlich dazu eingeladen, sich selbst davon zu überzeugen, dass unser Kaffee rein gar nichts mit „Melitta-Tüten-Brüh-Kaffee“ zu tun hat – heute Abend ab 18h im PIK AS auf der Torstrasse 114 in Berlin!
      Bisher konnten wir viele 1000e von Menschen schon begeistern – ein „wenig“ Erfolg können wir also bereits vorweisen 😉
      Vielen Dank für Ihre Nachricht!

  4. Levent Valente sagt:

    Hallo Bonaverde und Seedmatch Team,

    ist das Konzept der Röst-Mahl-Brüh-Maschine patentiert?

    Danke und Grüße aus Frankfurt

    • Hallo Levent,
      Nein es gibt kein Patent und es ist auch keins vorgesehen. Unser „Patent“ im übertragenen Sinne ist die Chip-Technologie. Im Punkt „Wettbewerber“ im Business Plan finden Sie noch weitere Ausführungen zu der Rolle der Chip-Technologie in unserem Geschäftsmodell!
      Danke für die Frage und viele Grüße aus Beriln!
      Nathalie

  5. Arnold Bergbach sagt:

    Es gibt tatsächlich einen massiven Kritikpunkt:

    (richtiges Kaffe Fachwissen wird hier oft vor lauter Begeisterung ausgeblendet)

    Kaffee kann sauer oder bitter werden. Dies steht aber im Zusammenhang mit der korrekten Brühtemperatur bei exakt 92 Grad Celsius. Wenn man die Technik der zB. Moccamaster von Technivorm wissenschaftlich druchdringt, so muss die schwallartige Wassermenge die Temperatur von 92 Grad Celsius im Kaffeepulver halten können. DIES entscheidet, wieviel Säure oder Bitterstoffe freigesetzt werden.

    Hinzukommt, dass ungemahlener Kaffee trotz Röstung seine Aromen in erheblichem Maße beibehält – hier wird einfach das Gegenteil behauptet.

    Wodurch ist sichergestellt, dass die Röstung der Bonaverde den für jede Bohnensorte erforderlichen PUNKT genau trifft, der von erfahrenen Röstern individuell durch Nasenprobe auf die Sekunde eingehalten wird?!

    Und: Solange nicht ein gleichwertiger Focus kommuniziert und eingehalten wird, wie zB. eine Moccamaster dies im Fall der Temperaturbereitstellung im Kontakt mit dem Kaffeemahlgut tut, ist das Bemühen hier verfehlt.

    Es macht mich misstrauisch, dass dieser wichtigste Punkt von allen hier völlig unerwähnt bleibt.

    Auf zB Greencupcoffee oder weiteren Platformen kann man sich über wissenschaftliche Hintergründe informieren.

    ANmerkung: Witzig der äußerst unqualifizierte Kommentar von Herrn Schudel. Warum verkosten Kaffeeexperten weltweit wohl per Handaufguss?! Es sind die Kaffeeexperten dieser Welt, die den Filterkaffee bevorzugen und Technivorm oder Bonavita reissen sich ein Bein aus, den Handaufguss technisch lösen zu können!

    • Peter E. M. Schudel sagt:

      Das mit den Kaffeeverkostern mag seine Berechtigung haben, doch das Problem liegt nicht im Aufguss, sondern dem Durchlauf von 1-2 Liter Kaffee, der dann stundenlang auf Temperatur gehalten wird und sich damit automatisch Bitterstoffe bilden… Ich bin geschäftlich viel in Italien und der Espresso ist und bleibt der schmackhafteste Kaffee. Das feine Schäumchen, genannnt Crema, ist einfach unübertrefflich und vervollständigt das unnachahmliche Geschmackserlebnis. Filterkaffee ist was für Amerikaner, welche schon aus kulturellen Gründen keinen Wert auf Geschmack legen… Der Filterkaffee ist und bleibt eine (fast) ungeniessbare Brühe, welche im Zuge der Weiterentwicklung des Menschen endlich ausgerottet gehört…