TAMPONS FOR YOU stellt den Geschäftsbetrieb ein

Wir möchten die Nachricht weitergeben, dass die mylovs UG (TAMPONS FOR YOU) ihren Geschäftsbetrieb einstellen musste. Trotz intensiver Bemühungen ist es dem Team nicht gelungen, genügend neue Kunden zu akquirieren und so den Fortbestand des Unternehmens zu sichern. Das Liquidations-Verfahren ist bereits eingeleitet. Die Investoren von TAMPONS FOR YOU wurden bereits über den Investor Relations-Bereich von Seedmatch und via E-Mail informiert und befinden sich weiterhin im Austausch mit den Gründerinnen.

TAMPONS FOR YOU, im Herbst 2012 bei Seedmatch finanziert, wollte Tampons als Lifestyle-Werbeträger etablieren und bot Frauen werbegesponserte und somit kostenlose Tampons an, die monatlich nach Hause geliefert wurden. Die Verpackung war dabei jeweils im Look und Design der werbenden Unternehmen. Diese erreichten mit TAMPONS FOR YOU Frauen in der werberelevanten Zielgruppe im Alter zwischen 18 und 49 Jahren. Im Zuge des Crowdfundings investierten 174 Investoren insgesamt 100.000 Euro in das Startup aus München.

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Seit dem 1. August 2011 wurden über Seedmatch bereits 65 Finanzierungsrunden von 56 Startups erfolgreich durchgeführt. Über die Hälfte der junge Unternehmen haben nach dem Crowdfunding bereits eine Anschlussfinanzierung erhalten – sei es über Venture Capital-Gesellschaften und andere institutionelle Investoren, Business Angels oder strategische Investoren und/oder die Crowd selbst. Anschlussfinanzierungen sind eine wichtige Voraussetzung für Startups, um weiter wachsen und sich am Markt etablieren zu können. Dieser positiven Bilanz stehen nun vier Geschäftsaufgaben gegenüber: Nach betandsleep, das im August 2013 den Geschäftsbetrieb aufgrund einer fehlenden Anschlussfinanzierung einstellen musste, folgte die BluePatent GmbH im Feburar 2014, foodieSquare im März 2014 und nun TAMPONS FOR YOU.

Startup-Investments sind nicht für jeden geeignet!

Investments in Startups sind wichtig. Für unsere Wirtschaft, denn Innovationen sind der Motor für die künftige Leistungsfähigkeit unseres Landes. Und für die Startups selbst: So bringen Crowd-Investoren mit Ihrem Kapital eine neue Gründergeneration voran. Die Investoren leisten somit nicht nur einen finanziellen, sondern auch einen wichtigen volkswirtschaftlichen Beitrag. Investments in Startups sind aber auch mit vielen Risiken verbunden und daher nicht für jeden Anleger geeignet.

Im Allgemeinen sind Startups junge, innovative und noch nicht etablierte Unternehmen auf der Suche nach einem nachhaltigen Geschäftsmodell. Das Risiko, dass ein Startup scheitert, ist hoch. Denn der langfristige Erfolg eines Startups hängt von einer Vielzahl von Faktoren wie z. B. dem Team, technologischen Entwicklungen, Schutzrechten, gesetzlichen Rahmenbedingungen, Wettbewerbern u. v. m. ab. Wenn die Crowd in ein Startup investiert, ist es wesentlich wahrscheinlicher, dass sie ihr investiertes Kapital verliert, als dass sie eine Rendite auf das eingesetzte Kapital erzielt. Investoren sollten also nur soviel Geld investieren, wie sie bereit sind zu verlieren und sie verlieren können, ohne Ihren Lebensstandard zu gefährden. Der Investor trägt das unternehmerische Risiko des Startups in Höhe seines Investments. Bei jedem Investment ist ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals möglich.

Risikostreuung

Aufgrund des hohen Risikos sind Startup-Investments nur als Bestandteil eines diversifizierten Portfolios sinnvoll. Investoren sollten deshalb lediglich einen kleinen Teil ihres zur Verfügung stehenden Kapitals in Startups investieren – und auch nur, wenn sie genug Kapital haben, um langfristig in eine Vielzahl von Startups zu investieren und so das Risiko zu streuen. Die Crowd sollte also lieber kleine Beträge in viele Startups, anstatt hohe Beträge in nur ein oder zwei Startups investieren.

Der Seedmatch-Gedanke

Seedmatch ist es wichtig, jungen Unternehmen eine Chance zu geben, denn nur so können Startups Erfolgsgeschichte schreiben: Ohne mutige Vordenker, die etwas Neues wagen und bereit sind, dieses Risiko einzugehen, können auch keine neuen, innovativen Lösungen und Angebote ihren Weg in den Markt und die Gesellschaft finden. Wir sind davon überzeugt, dass Gründer die deutsche Wirtschaft nachhaltig voranbringen können.

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Das Seedmatch-Prinzip

Wir wünschen den Gründerinnen von TAMPONS FOR YOU alles Gute für ihre weiteren Vorhaben!

 

Dem TAMPONS FOR YOU-Team war es ein Anliegen, noch einmal zu den Geschehnissen Stellung zu nehmen.

Andrea Bregar, Mitgründerin von TAMPONS FOR YOU hat im Folgenden die wichtigsten Fragen beantwortet:

 

Seedmatch: Was ist passiert? Wie kam es zur jetzigen Situation?

Andrea Bregar: TAMPONS FOR YOU ist ein Geschäftsmodell, auf welches wir seitens des Marktes, der Presse und der Zielgruppe unglaublich viel positives Interesse und Feedback erhalten haben. Die ausführliche Berichterstattung in der Presse, Anfragen von potenziellen Kooperationspartnern und ein kontinuierliches Wachstum unserer Community haben uns immer wieder im Weiterverfolgen der Idee bestätigt.

Mit dem Wachstum der Community wurde jedoch auch der Verkauf der Kampagnen schwieriger, da wir an immer größer werdende Budgets kommen mussten, um die Fixkosten unserer Aussendungen in entsprechender Auflage zu decken. Leider mussten wir feststellen, dass uns der Gewinn entsprechend größerer Werbepartner nicht in dem Maße gelungen ist, wie unser Wachstum dies vorgegeben hat. Trotz all unserer Bemühungen müssen wir heute feststellen, dass wir unser Geschäftsmodell unter den gegebenen Voraussetzungen nicht zum Erfolg führen konnten. Mit Blick auf unsere verbleibenden finanziellen Ressourcen haben wir uns daher nach langen Überlegungen und Diskussionen dazu durchgerungen, den Geschäftsbetrieb einzustellen und die Gesellschaft zu liquidieren.

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Seedmatch: Wie gut hat euer Geschäftsmodell funktioniert? Waren die Gründe für die Liquidation externer oder interner Natur?

Andrea Bregar: Uns ist es gelungen, eine große Community von knapp 35.000 registrierten Mitgliedern – Frauen im Alter von 18-49 Jahren – aufzubauen, mit welcher wir eine attraktive Zielgruppe für viele Unternehmen geschaffen haben. Wir konnten als Werbepartner spannende Marken aus den Bereichen Beauty, Fashion, Lifestyle von unserem Konzept überzeugen und haben von sämtlichen Werbepartnern im Anschluss an die Kampagne positives Feedback erhalten.

Dennoch blieben Aufträge aus, da wir aufgrund der Fixkosten manchen zu teuer waren, manchen zu innovativ oder aufgrund unseres crossmedialen Konzepts in keine „Schublade“ passten. Darüber hinaus wurde uns der fehlende Zutritt zu Entscheidern der Branche zum Verhängnis. All diese Punkte haben wir bei der Planung des Geschäftsmodells von TAMPONS FOR YOU leider unterschätzt.

Vielleicht muss man zum besseren Verständnis auf unsere ersten Erfahrungen zurückblicken: Als wir Anfang 2012 starteten, arbeiteten wir hauptsächlich mit Partnern aus dem E-Commerce-Bereich zusammen. Diese treffen meist schnelle Entscheidungen, haben transparente Strukturen, wenn es um die Ansprechpartner geht und sind oft offen für innovative Wege. Allerdings setzen diese hauptsächlich auf performancebasierte Werbemittel und wir kamen mit wachsender Community schnell an den Punkt, wo wir größer werdende Fixkosten pro Kampagne zu decken hatten und somit an immer größere Werbebudgets – damit auch größere Unternehmen – herantreten mussten. An diesem Punkt mussten wir zum einen feststellen, wie konservativ große Marken in ihrer Mediaplanung denken. Zum anderen wurde uns bewusst, wie schwer es ist, an Entscheider heranzukommen und bei diesen Gehör zu finden. Konzerne arbeiten zudem mit Planungsvorläufen von bis zu einem Jahr, weshalb auch die Sales-Cycles im B2B Bereich wesentlich länger dauern. Diese Erfahrungen haben wir in unseren Finanzplanungen deutlich unterschätzt. Um dem Unternehmen einen längeren Atem zu garantieren, haben wir daher ab Mitte des vergangenen Jahres weitgehend auf unsere Gehälter verzichtet. Letztendlich fehlte uns am Ende aber doch der finanzielle Atem, um die langen Vorbereitungsphasen zu puffern, was dazu führte, dass wir zuletzt nicht mehr fulltime an unserer Idee weiterarbeiten konnten.

 

Seedmatch: Warum gab es keine Anschlussfinanzierung über Seedmatch?

Andrea Bregar: Unser Ziel war es, uns in der Basis erstmal neu aufzustellen und dann strategische Investoren zu finden. So haben wir zum einen versucht, Partner zu finden, die unser Produkt mitverkaufen konnten. Parallel dazu haben wir aber auch Gespräche mit Investoren geführt, die die Branche kennen und uns mit ihrem Wissen und ihren Kontakten unterstützen können. Leider konnten wir diese Gespräche nicht zum Erfolg führen.

 

Seedmatch: Wie habt ihr die Seedmatch-Investoren über die jetzige Situation informiert? Gab es frühe Anzeichen für die bevorstehende Liquidation? Habt ihr diese den Investoren über den Investor-Relations-Kanal mitgeteilt?

Andrea Bregar: Wir haben unsere Investoren in den letzten 1,5 Jahren regelmäßig in unseren Quartalsberichten über die Schwierigkeiten bei der Etablierung unseres Modells und auch über unsere Versuche, Lösungen zu finden, informiert. Dies lässt sich im Investor-Relations-Kanal nachlesen.

Für uns war der entscheidende Punkt, dass wir im ersten Quartal zwei Kooperationen eingeplant hatten, die wir beide nicht zum Abschluss bringen konnten. Mit Blick auf unsere schwindenden finanziellen Ressourcen war für uns klar, dass wir sehr ernsthaft über die Zukunft des Unternehmens nachdenken mussten. TAMPONS FOR YOU war und ist unser „Baby“, in das wir all unsere Kraft und unser Herzblut gesteckt haben und es tut natürlich weh, festzustellen, dass man das Geschäftsmodell nicht zum Erfolg bringen konnte. Darüber hinaus empfinden wir natürlich auch eine große Verantwortung gegenüber unseren Investoren, so dass wir uns die Entscheidung nicht leicht gemacht haben. Dennoch kamen wir nach langem Ringen zu dem Entschluss, dass es wirtschaftlich betrachtet nicht tragfähig ist, die Gesellschaft weiterzuführen. Wir sind an dem Punkt, wo wir gerade noch alle offenen Rechnungen zahlen können und aus unserer Sicht hat es keinen Sinn, absichtlich in eine Überschuldung zu steuern.

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Seedmatch: Wie viele Seedmatch-Investoren sind von der Liquidation betroffen und wie geht es für diese jetzt weiter? Was passiert jetzt mit den Investments?

Andrea Bregar: Wir sind unglaublich dankbar, dass insgesamt 174 Investoren an uns geglaubt haben. Natürlich bedauern wir vor allem gegenüber diesen Menschen, die uns mit ihrem Vertrauen so sehr unterstützt haben, dass ihr Kapital verloren geht. Wir sind aber bemüht, durch den Verkauf unserer Assets wenigstens einen kleinen Teil wieder zurückzahlen zu können. An dieser Stelle möchten wir uns auch nochmals herzlich für das größtenteils entgegengebrachte Verständnis und die Unterstützung unserer Investoren in dieser Situation bedanken.

 

Seedmatch: Hat eure Insolvenz weitere Konsequenzen für die Investoren über den möglichen Verlust ihres Kapitals hinaus?

Andrea Bregar: Nein, für Investoren gibt es keine Nachschusspflicht, daher gibt es keine weiteren Konsequenzen.

 

Seedmatch: Gibt es noch Möglichkeiten, Euer Unternehmen während und nach der Liquidation weiterzuführen?

Andrea Bregar: Eine Liquidation bietet uns die Möglichkeit sämtliche Optionen aufrechtzuerhalten. So bleibt die Gesellschaft als juristische Person erstmal noch bestehen. Theoretisch könnten Investoren noch immer einsteigen oder aber, wir können im Zuge eines Verkaufs unserer Assets flexibel auf die Situation des Käufers eingehen und damit die Verkaufschancen erhöhen.

 

Seedmatch: Was wäre das Beste, was euch und den Seedmatch-Investoren noch passieren könnte?

Andrea Bregar: Wir haben in den letzten 2 Jahren eine beachtliche Community aus Frauen zwischen 18-49 Jahren aufgebaut. Mit knapp 35.000 Mitgliedern haben wir damit auch einen Wert geschaffen. Schön wäre es natürlich, einen Käufer zu finden, welcher diese Community in welcher Form auch immer weiterführt. Ein Verkauf würde wiederum bedeuten, dass wir aus dem Gewinn wenigstens einen Teil der Einlage unserer Investoren zurückzahlen können.

 

Seedmatch: Rückblickend: Was hättet ihr anders gemacht?

Andrea Bregar: Wenn man als Unternehmer an dem Punkt steht, festzustellen, dass man ein Geschäftsmodell nicht zum Erfolg führen konnte, versucht man natürlich auch den Weg dahin zu analysieren: Woran lag es? Was hätten wir besser machen können?

Aus heutiger Sicht und mit unseren zwischenzeitlich gemachten Erfahrungen, hättten wir wahrscheinlich unseren Kapitalbedarf von vorne herein realistischer einschätzen können. Darüber hinaus würden wir von Anfang an strategische Partner mit ins Boot holen, möglicherweise auch über Beteiligungen, die uns den Zugang zu den Entscheidern in der Werbebranche ermöglichen. Aber klar, im Nachhinein ist man immer schlauer.

 

Seedmatch: Wie geht es für euch jetzt weiter?

Andrea Bregar: Zuerst einmal stehen die Abwicklung der Gesellschaft sowie die Veräußerung der Vermögenswerte und Assets im Mittelpunkt. Darüber hinaus werden wir uns neuen beruflichen Herausforderungen stellen, bzw. die aktuellen Tätigkeiten weiter ausbauen. Meine Mitstreiterin Isabella Kurth wird in Berlin weiterhin im Medienbereich arbeiten und ich lasse mich von neuen Herausforderungen überraschen.

Seedmatch: Wir wünschen euch alles Gute und viel Erfolg bei euren zukünftigen Projekten. 

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  1. […] Wie sah die Geschäftsidee hinter TFY aus? Ich zitiere mal Seedmatch: […]