Protonet-Mitgründer Christopher Blum: „Ich träume davon, dass irgendwann im Silicon Valley mal jemand begeistert nach Hamburg schaut“

Warum bescheiden sein, wenn man auch die ganz großen Träume träumen kann? „Think big!“ mag sich Christopher Blum denken, wenn er die Devise ausgibt, zukünftig die Standards für Technologien „Made in California“ setzen zu wollen. Doch immer der Reihe nach: Im Seedmatch-Interview erfahren Sie, wie Christopher zum Mitgründer von Protonet wurde und welche Rolle der Feierabend dabei spielte.

Seedmatch: Hi Christopher, stell dich doch bitte kurz vor.

Christopher Blum ProtonetChristopher Blum: Hey! Ich bin Christopher, 25 Jahre alt, Mitgründer von Protonet und Software-Entwickler aus Leidenschaft.
Im Alter von 16 Jahren hab ich mein erstes kleines Unternehmen, PackYourFiles.com, einen Share-Hoster vergleichbar mit Rapidshare, gegründet. Die Website hat ziemlich schnell mehrere Tausend Besucher am Tag angezogen und auch ein bisschen Geld abgeworfen. Damals hatte ich noch keinerlei Erfahrung mit dem Betrieb einer so schnell wachsenden Plattform und auch wegen der Angst vor rechtlichen Konsequenzen das Projekt nach wenigen Monaten wieder eingestellt.

Nach meinem Schulabschluss hab ich während einer dreijährigen schulischen Ausbildung nebenbei als Freelancer für diverse Agenturen gearbeitet. In dieser Zeit ist auch mein zweites Unternehmen, SpellBoy.com, entstanden, das bis zum heutigen Tag, mit mehreren Millionen Besuchern, die meistgenutzte Online-Rechtschreibkontrolle im Internet ist.
Anfang 2008 hab ich bei der XING AG angefangen und war dort vier Jahre lang hauptverantwortlich für die Frontend-Architektur der Plattform. In diesem Rahmen habe ich viele Open Source-Projekte veröffentlicht, die noch heute von zahlreichen Unternehmen (New York Times, Basecamp, …) eingesetzt werden. In dieser Zeit hab ich Ali, meinen Mitgründer, kennengelernt und gemeinsam mit ihm angefangen, die große Idee namens „Protonet“ zu entwickeln.

 

Seedmatch: Was machst du bei Protonet?

Christopher Blum: Ich baue verdammt coole Sachen, die blinken und über den Bildschirm fliegen! Nein, im Ernst: Ich bin verantwortlich für die Produktentwicklung von „Protonet SOUL“ (dem Betriebssystem hinter Protonet). Die Herausforderung in meiner Arbeit besteht darin, die Funktionalitäten so verständlich wie möglich zu gestalten, sodass selbst meine Mutter sie benutzen könnte (was sie übrigens tut! Gruß an meine Mama!). Wir haben schließlich den Anspruch, den einfachsten Server der Welt zu bauen. Um ein Beispiel zu nennen: Bei uns gibt es stundenlange Diskussionen über jede neue Option, die es dem Nutzer erlaubt, seinen Server zu konfigurieren. Meist entscheiden wir uns für den Weg, dem Nutzer die Wahl sinnvoll abzunehmen.
Unsere Kunden sind größtenteils technisch unerfahren und möchten sich zum Beispiel nicht mit der Frage rumschlagen, welchen Verschlüsselungs-Standard das Protonet-WLAN gerade verwenden soll. Getreu dem Motto „Less is more“ machen wir den Server damit massentauglich. Das unterscheidet uns von anderen Server-Herstellern.

 

Seedmatch: Du hast Protonet mitgegründet: Wie waren die Anfänge des Protonet-Servers? Wann habt ihr das erste Mal gedacht, ja, damit können wir wirklich eine Firma auf die Beine stellen?

Christopher Blum: Jeden Tag pünktlich um 18.30 Uhr haben Ali und ich uns bei XING in einen eigenen Raum zurückgezogen und an der Software zu Protonet gearbeitet. Nach wenigen Wochen hatten wir eine erste BETA, die wir bei XING in der Entwicklungsabteilung als Kommunikationsmittel eingesetzt haben. Niemand hat mehr Mails verschickt. Alles lief über ein Produkt, das so nebenbei, abends, während des Konsums von Pizza und Bier, entstanden ist. Da hat es bei uns dann „Klack“ gemacht. Wenige Wochen später hatte XING unsere Kündigungen auf dem Tisch und wir konnten Vollzeit an Protonet arbeiten.
Die Zeit danach hatten wir uns sicherlich einfacher vorgestellt. Wir hatten keine festen Einkommen mehr und mussten für jeden neuen Kunden kämpfen. Man muss dazu sagen, dass Ali und ich beide Software-Entwickler sind. Wir hatten also keinerlei Ahnung davon, wie man etwas gewinnbringend verkauft.

 

Seedmatch: Wie läuft ein typischer Tag bei Protonet ab? Was sind dabei deine Kernaufgaben?

Christopher Blum: Der Tag beginnt morgens meist mit einem kleinen „Standup-Meeting“ mit den Entwicklern. Danach gibt mir die Micha (Leiterin des Supports) meist noch einen kleinen Überblick über die Support-Fälle. Danach stürzen wir uns in die Arbeit.
Generell gibt es bei uns sehr wenige Meetings. Wir glauben, dass Taten mehr als Worte sprechen. Zu meinen Hauptaufgaben gehört die Koordination der Entwickler und die Planung neuer Software-Releases. Ich bin froh, wenn ich dabei noch Zeit finde, selber zu programmieren. Momentan arbeite ich an einer kleinen App, die es Protonet-Nutzern erlaubt, einfach mobil miteinander zu kommunizieren.

 

Seedmatch: Worauf bist du rückblickend besonders stolz?

Christopher Blum: Dass es zwei junge Entwickler ohne Abitur oder abgeschlossenes Studium geschafft haben, ein Unternehmen mit bereits soliden Umsätzen und 20 Mitarbeitern hochzuziehen.

 

Seedmatch: Wo siehst du Protonet in Zukunft?

Christopher Blum: Heutzutage schauen in der Branche alle in die USA. Am Maßstab von Apple, Google und Facebook werden heute Produkte entwickelt. Ich träume davon, dass irgendwann im Silicon Valley mal jemand begeistert nach Hamburg schaut und sich an den Produkt-Standards von Protonet orientiert. Dann bin ich auch schon zufrieden!