Vom Kletterpark zum Marktführer – die Entstehungsgeschichte von Seedmatch

Seedmatch gehört zu den größten Equity-based Crowdfunding-Plattformen in Europa. Seit dem Launch im August 2011 wurden bereits 59 Finanzierungsrunden erfolgreich durchgeführt (51 Startups, acht mit einer Anschlussfinanzierung) und insgesamt über 12,7 Mio. Euro für Startups zusammengetragen (Stand: April 2014). Trotzt der heute beachtlichen Größe hat alles einmal ganz klein angefangen. In diesem Blogbeitrag wollen wir auf den Wunsch zahlreicher Investoren eingehen und die ganz persönliche Geschichte der Seedmatch-Entstehung erzählen.

Das Gründungsjahr der Seedmatch GmbH 2009 war stark von den Auswirkungen der Finanzkrise geprägt: Auf der einen Seite war das Image der Banken durch die US-Immobilienkrise und den Niedergang der Investmentbank Lehman Brothers auf dem Tiefpunkt und auf der anderen Seite wurde es für Startups durch das hohe Misstrauen im Finanzmarkt noch schwieriger, an frisches Kapital zu kommen. Insbesondere in Deutschland, mit wenigen aktiven Venture Capital-Gesellschaften und einer noch jungen Business Angel-Kultur, konnten viele innovative Ideen aufgrund Kapitalmangels nicht verwirklicht werden.

Demgegenüber zeigte zur gleichen Zeit in den USA die Reward-based Crowdfunding-Plattform Kickstarter, wie es auch ohne die etablierten Finanzinstitute gehen kann: Hier gab es erstmals die Möglichkeit, mit kleinen Beiträgen vor allem kreative Projekte zu unterstützen, für deren Realisierung ansonsten keine finanziellen Mittel vorhanden wären.

Seedmatch Geschäftsführer Jens-Uwe Sauer

Jens-Uwe Sauer, Gründer von Seedmatch, hat zum einen in seiner Tätigkeit als langjähriger Gründerberater die Herausforderungen der Startups bei ihrer Finanzierung in seiner täglichen Arbeit beobachten können. Zum anderen hat er die Entwicklung in den USA mit großem Interesse verfolgt und das Crowdfunding als eine mögliche Lösung für die chronische Unterfinanzierung der Startups für sich entdeckt. In Deutschland gab es bis dahin keine Möglichkeit, sich unmittelbar mit kleinen Beiträgen an erfolgversprechenden Startups zu beteiligen. Aus diesem Grund stellte sich Jens-Uwe Sauer die Frage, warum dieses spannende Feld nicht jedem zugänglich sein sollte. Startups könnten so ganz demokratisch mit frischem Kapital versorgt werden und die Crowdinvestoren werden mittelfristig am wirtschaftlichen Erfolg der Geschäftsidee beteiligt – so könnten alle von deutschem Unternehmertum profitieren.

Die Idee, Startups in einer sehr frühen Phase mit zahlreichen Klein-Investoren zusammenzubringen und damit Innovationen in Deutschland zu fördern, war geboren.

Mit dem Kickstarter-Projekt TikTok & LunaTik, einem Armband, dass den iPod Nano zu einer Armbanduhr macht, rückte der Begriff Crowdfunding in das Bewusstsein von Jens-Uwe Sauer.

Der ausschlaggebender Punkt für die Gründung von Seedmatch war jedoch ein anderer: Jens-Uwe erlebte im Frühjahr 2009 hautnah, was Crowdfunding leisten kann. So erfuhr er von einem befreundeten Unternehmer, wie dieser 100 Investoren gewinnen konnte, um gemeinsam einen Kletterpark in der Nähe von Dresden zu finanzieren. Nicht nur, dass dieses Projekt mit vielen kleinen Beiträgen Wirklichkeit werden konnte – die Investoren kamen mit Freunden und ihrer Familie zur Eröffnung des Klettergartens und hatten ein sehr positives Erlebnis, vom dem sie wiederum ihren Freunden berichteten. So entstand wertvolle Mundpropaganda. Ein Fakt, der jedem jungen Unternehmen gut tut und dem Kletterpark so, ohne aufwändige und teure Marketingmaßnahmen, gute erste Besucherzahlen beschert hat. Jens-Uwe Sauer erkannte hier das virale Potenzial von Crowdfunding, das neben der Finanzierung eines Projekts zudem noch eine große Reichweite schafft.

Diese Multiplikatoreffekte leistet so nur ein Crowdfunding und ist aus diesem Grund besonders gut für Startups geeignet. Denn diese können nicht nur ihre Geschäftsidee zahlreichen potenziellen Investoren vorstellen und ein direktes Feedback erfahren, sondern auch an Bekanntheit gewinnen und neue Kunden für sich begeistern. Jens-Uwe Sauer wurde deutlich, dass Crowdfunding viel mehr ist als eine alternative Finanzierungsform – es kann ein echter Innovationstreiber sein! So hat er im Mai 2009 Seedmatch als Crowdfunding-Plattform für Startups gegründet.

Wir sind mit der Vision gestartet, exzellenten Innovationen aus Deutschland die besten Chancen zu geben, umgesetzt zu werden und zu wachsen.“ – Jens-Uwe Sauer

Investoren Seedmatch

Nun galt es die erfolgversprechende Geschäftsidee umzusetzen. Hier stand Seedmatch vor dem gleichen Problem wie viele andere Startups – es fehlte das nötige Startkapital. Jens-Uwe Sauer startete eine eigene kleine Crowdfunding-Kampagne und mobilisierte zunächst die eigene Familie, Freunde und Bekannte. Darüber hinaus stellte er seine Geschäftsidee zahlreichen Business Angels vor und rief die Aktion „33 für eine Vision“ im Blog von Seedmatch ins Leben. Hier konnten First-Mover mit einem Beitrag von 3.000 Euro stille Gesellschafter bei Seedmatch werden. Dieses Offline-Crowdfunding war sehr erfolgreich und hat dem Gründer viel Zuversicht für den Aufbau der Online-Plattform gegeben: „Wenn es uns für Seedmatch gelingt, Investoren über unseren Blog zu finden, dann wird die Crowd auch über die Plattform investieren“, so die Gedanken von Jens-Uwe Sauer.

Die größte Herrausforderung dabei war ein Vertragswerk zu schaffen, das sowohl den Ansprüchen der Startups als auch den Bedürfnissen der Investoren gerecht wurde – zumal es in Deutschland bis dahin noch keine ähnlichen Verträge gab, die Online-Investments in Startups regelten.

Im August 2011 war es dann soweit: Der Startschuss für die ersten Fundings auf Seedmatch wurde gegeben. Dabei waren Cosmopol und NeuroNation diejenigen Startups, die der deutschen Crowd zu Beginn vorgestellt wurden. Die Cosmopol GmbH & Co. KG präsentierte einen Onlineshop, bei dem es für Weltenbummler und Leute mit dem Sinn für das Besondere möglich sein sollte, die passenden Angebote und Geschenke für sich oder andere zu finden. Von diesem Konzept konnten innerhalb von drei Monaten 150 Seedmatch-Nutzer überzeugt werden, die zusammen beachtliche 93.250 Euro investierten. Ähnlich erfolgreich verlief das Funding für die Gehirnjogging-Plattform NeuroNation. Sie bietet ein innovatives und unterhaltsames Gedächtnistraining in Form eines Bezahlabos an und sammelte im selben Zeitraum wie Cosmopol von über 70 Gebern Startkapital in Höhe von 56.000 Euro. Heute ist das Startup attraktiver den je: So beteiligen sich Anfang diesen Jahres der SPIEGEL-Verlag und XLHealth, ein Inkubator und Venture Capitalist, zu einem Viertel an dem Unternehmen und investierten einen Betrag in Millionenhöhe, um NeuroNation die Expansion in Länder außerhalb des deutschsprachigen Raumes zu ermöglichen. Zwei Jahre und 57 erfolgreiche Finanzierungsrunden später, hat sich Seedmatch als eine erfolgreiche Crowdfunding-Plattform für Online-Investments in Startups etabliert.

Logo seedmatch

Der Mehrwert des Crowdfundings, der sich gleichermaßen aus dem vermittelten Kapital an und dem gesteigerten öffentlichen Interesse für Startups ergibt, geht einher mit hohen Renditechancen für die Crowdinvestoren und der Chance, exzellente Innovationen in Deutschland zu fördern. Für Jens-Uwe Sauer waren genau dies die antreibenden Motive für die Gründung von Seedmatch. „Crowdfunding für Startups“ hat so mit Seedmatch endlich eine Plattform in Deutschland bekommen. Die Schwarmintelligenz macht dabei aus Seedmatch einen einmaligen Wachstums- und Innovationsförderer in Deutschland.