Die Zukunft des Crowdfundings – ein Statement zu den Plänen der Europäischen Kommission

Die Mitteilung der Europäischen Kommission vom 27. März 2014 zur Entwicklung des Crowdfundings in Europa ist in aller Munde (bspw. WSJ). Als Marktführer für Startup-Crowdfunding in Deutschland möchten wir Ihnen diese gern erläutern und Stellung dazu nehmen:

1367887_718851722012 wurden in Europa ca. 735 Mio. Euro über alle Formen des Crowdfundings mobilisiert und damit knapp eine halbe Million Projekte unterstützt – für deren Realisierung ansonsten keine finanziellen Mittel vorhanden wären (Mitteilung der EU-Kommission S. 2). Diese neue Finanzierungsform erreicht im Vergleich zu den etablierten Finanzierungen, wie über Business Angels (2010: 660 Mio. Euro) und anderen Risikokapitalgebern (2012: 7 Mrd. Euro), ein beachtliches Volumen.

Der Zugang zu Finanzierungen hat sich für KMU in dem letzten Jahr weiter verschlechtert: So sind nach EZB und der Europäischen Kommission (SMEs’ Access to Finance survey 2013) die öffentliche finanzielle Unterstützung (-13 %), Zugang zu Darlehen (-11 %) und Handelskredite (-4 %) zurückgegangen. Das Crowdfunding adressiert diese Finanzierungslücke und nimmt nicht zuletzt aus diesem Grund weiter an Bedeutung zu.

Dieses Potenzial erkennt auch die Europäische Kommission und stellt in ihrer Mitteilung zum Crowdfunding weiter fest:

„Crowdfunding bietet auch ein großes Potenzial für die Förderung von Innovation, Forschung und Entwicklung und könnte zu Wachstum, der Förderung des Gemeinwesens und zur Schaffung von Arbeitsplätzen beitragen, indem innovative Projekte finanziert werden, die nicht über den Reifegrad verfügen, der für herkömmliche Finanzmarktinstrumente erforderlich ist.“ (Mitteilung der EU-Kommission S. 6)

Die EU erkennt die besondere Bedeutung der neuen Finanzierungsform an und hat es sich zum Ziel gemacht, die gesamteuropäische Entwicklung von Crowdfunding-Tätigkeiten zu unterstützen. Diese soll auf der einen Seite den Unternehmen einen unbürokratischen Zugang zu frischem Kapital sichern und auf der anderen Seite den Unterstützern den größtmöglichen Schutz geben. So soll das Potenzial von Crowdfunding entfaltet werden und der derzeit noch sehr bescheidene Anteil von unter einem Viertel (Quelle: IOSCO Report 2014 S. 15) am weltweiten Crowdfunding-Markt erhöht werden (USA: 51 % / China: 28 %).

Die EU-Kommission schlägt im vorliegenden Bericht jedoch noch keine allgemeinen Regeln für das Crowdfunding vor. Stattdessen scheint die Kommission zunächst einen kooperativen Handlungsansatz mit allen Akteuren anzustreben. So will die Kommission mit einem Expertengremium die Entwicklung des Crowdfundings weiter beobachten und enger mit den nationalen Behörden zusammenarbeiten. Des Weiteren soll die Transparenz gefördert und hierdurch das Vertrauen bei den Nutzern erhöht werden. In diesem Zusammenhang wird auch die Einführung eines EU-„Qualitätssiegels“ für Crowdfunding-Plattformen diskutiert. Nicht zuletzt soll geprüft werden, ob Regulierungsmaßnahmen auf EU-Ebene erforderlich sind, um ein optimales Funktionieren des Binnenmarkts zu ermöglichen (Mitteilung der EU-Kommission S. 4).

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Verschiedene Mitgliedstaaten haben versucht, eine größere Rechtssicherheit im Zusammenhang mit dem auf finanzielle Erträge ausgerichteten Crowdfunding durch Leitfäden oder andere Veröffentlichungen zu schaffen (z. B. Deutschland, die Niederlande und Belgien). Im Falle von Deutschland hat die BaFin einen Fachartikel “Crowdfunding im Licht des Aufsichtsrechts” am 5. September 2012 veröffentlicht. Andere Mitgliedstaaten (Italien, Großbritannien, Frankreich und Spanien) wollen konkrete Regulierungsmaßnahmen ergreifen bzw. haben dies schon getan, um diese neue Art der Finanzierung zu erleichtern (Mitteilung EU-Kommission S. 8 f.). Derzeit gibt es aber keine einheitlichen Regelungen, die es länderübergreifend ermöglichen, Crowdfunding rechtssicher durchzuführen. Dies wird insbesondere deutlich, wenn man sich die unterschiedlichen Regelungen in den einzelnen Ländern anschaut. Entsprechende Untersuchungen hat schon das European Crowdfunding Network in seinem Bericht “Review of Crowdfunding Regulation 2013” angestellt.

In diesen unterschiedlichen, nationalen Regelungen sieht auch die EU eine Gefahr:

„Die Gefahr besteht darin, dass mit großem Aufwand verbundene und unausgereifte Regulierungsmaßnahmen die Entwicklung des Crowdfunding hemmen könnten, während eine zu laxe Politik Verluste bei den Anlegern zur Folge haben und damit das Vertrauen der Verbraucher in das Crowdfunding beeinträchtigen könnte.“ (Mitteilung der EU-Kommission S. 9)

Diese Entwicklung ist gerade beim Equity-based Crowdfunding aufgrund der unterschiedlichen regulatorischen Rahmenbedingungen bereits zu beobachten: Lt. dem aktuellen Crowdfunding Industry Report 2013 hat das Equity-based Crowdfunding (a.k.a. Crowdinvesting) im Gegensatz zu den anderen drei Modellen des Crowdfundings (lending-based, reward-based und donation-based) ein deutlich geringeres Wachstum bei den Fundingvolumina in 2013 verzeichnet.

Seedmatch plädiert für eine einheitliche EU-Regelung des Crowdfundings.

Denn nur so kann eine optimale Rechtsicherheit für Unternehmen und Unterstützer gewährleistet werden. Ohne eine einheitliche EU-Regelung birgt ein länderübergreifendes Crowdfunding – vor allem Equity-based Crowdfunding – aus unserer Sicht, ein unkalkulierbares Risiko für alle Beteiligten. Dies gilt insb. für kapitalsuchende Unternehmen, die nicht sicher sein können, die verschiedenen rechtlichen Rahmenbedingungen für öffentliche Investmentangebote der einzelnen Länder, in denen Investoren angesprochen werden, zu erfüllen. Darüber hinaus birgt so eine Vorgehensweise das Risiko, das Vertrauen der Bevölkerung in diese Finanzierungsart zu unterminieren und das Wachstum von Crowdfunding zu beeinträchtigen. Vor diesem Hintergrund können wir die europäischen Kommission nur ermutigen, angemessene länderübergreifende Rahmenbedingungen zu schaffen, um potentielle Risiken einzuschränken und gleichzeitig das Wachstum von Crowdfunding zu fördern.

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  1. Ben sagt:

    Finde ich gut, das Crowdfunding jetzt auch in Europa angekommen ist. Das Thema bleibt eine spannende Sache und hilft vielen Kreativen Köpfen, bei der Umsetzung ihrer Ideen. Ich kann mir die Welt schon garnicht mehr ohne vorstellen. Ich investiere weiter in interessante Projekte und hoffe das das ganze Thema weitere Entwicklung erfährt.

    Mit freundlichen Grüßen
    Ben