Der Fall Oculus VR: Von einer wütenden Crowd, Facebook und einer neuen Sicht auf die Crowdfunding-Szene

Vor nicht einmal zwei Jahren hat das Startup Oculus VR aus Irvine in Kalifornien seine Idee von einem innovative Headset auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter vorgestellt. Die Vision des Unternehmens: Das Headset sollte das Erlebnis von virtueller Realität (VR) revolutionieren.

 

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Diese Vision teilten viele Menschen: Im August 2012 konnte das Startup über 2,4 Mio. Dollar von fast 10.000 Unterstützern einsammeln. Nun hat Facebook die Übernahme von Oculus VR für 2 Milliarden Dollar angekündigt. Die Gründer sowie die beteiligten Venture Capital-Firmen können sich über neuen Reichtum bzw. eine ansehnliche Rendite freuen. Was aber ist mit der Crowd?

Einige sind enttäuscht – andere fühlen sich betrogen:

„I think I would have rather bought a few shares of Oculus rather than my now worthless $300 obsolete VR headset“, schreibt Carlos Schulte im Kickstarter-Forum.

Weitere Kommentare im Forum:

„I backed this concept in the hopes they’d make something wonderful. Sadly all they did was make them selves wonderfully rich.“ – Drew Madsen

„Horrible…HORRIBLE decision. I want my donation back.“ – Mike Yoo


Rückblickend stellt sich nun die Frage: Wäre eine Finanzierung per equity-based Crowdfunding für die Unterstützer attraktiver gewesen wäre?

Beim reward-based Crowdfunding werden zumeist kreative Projekte und nicht kommerziell motivierte Startups gefördert. Als Gegenleistung erwarten die Unterstützer, dass die Idee umgesetzt wird und sie eine Gegenleistung wie z. B. eines der ersten Produktexemplare bekommen. So auch bei dem Kickstarter-Funding von Oculus VR: Unterstützer erhielten bei einem Beitrag von 300 Dollar, neben dem guten Gefühl, eine echte Innovation zu unterstützen, eine Beta-Version des VR-Headsets.

So weit, so gut – und jetzt rein hypothetisch:

Der Verkauf an Facebook hätte für den Crowdinvestor einen Exit bedeutet: Bei einem Investment von 300 Dollar hätte er die Chance auf jetzt gut 40.000 Dollar gehabt, wie die amerikanische Equity-based-Crowdfunding-Plattform WeFunder in einer Beispielrechnung zeigt. Durch das Reward-based-Modell bei Kickstarter haben aber nur sehr wenige Personen finanziell von der Idee profitiert, obwohl sehr viel Menschen an das Startup geglaubt und dieses unterstützt haben. Der Crowd bleibt voraussichtlich nicht einmal der Trost, die ursprüngliche Idee zum Erfolg geführt zu haben, denn mit der Übernahme von Oculus VR vom Social Media-Primus Facebook ist es denkbar, dass sich der eigentliche Entwicklungsfokus des Produktes verschiebt, schreibt Martin Weigert, leitender Redakteur des Blogs netzwertig.com. Diese Entwicklung befürchtet auch ein Crowd-Unterstützer von Oculus VR:

„A sell out is a sell out, and it means the end of VR Gaming. Welcome your Social VR overlords.“ – Drew Madsen im Kickstarterforum.

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Für viele Ideen ist eine Crowd-basierte Finanzierung die einzige Möglichkeit, verwirklicht zu werden. Reward-based Crowdfunding eignet sich aus unserer Sicht vor allem für Menschen, die einzelne kreative Projekte umsetzen wollen – hier ist der Beitrag ein emotionales Investment.

Steht ein junges, innovatives Unternehmen mit einem skalierbaren Geschäftsmodell im Vordergrund, kann ein equity-based Crowdfunding für alle Beteiligten die fairste Lösung sein. Denn so profitieren nicht nur Gründer und die beteiligten Venture Capital-Firmen vom langfristigen Erfolg des Unternehmens, sondern auch die Crowd-Investoren.

Martin Weigert zieht aus dieser milliardenschweren Übernahme folgendes Fazit:

„Es ist vorstellbar, dass der Aufruhr der Kickstarter-Nutzer den internationalen Markt für Crowdinvesting in Bewegung bringt, weil private Geldgeber dazu übergehen, sich bei künftigen Unterstützungen neuer Technologielösungen angesichts der ungebremsten Kauffreudigkeit der Netzgiganten nicht mehr allein mit dem Beta-Produkt abspeisen zu lassen.“

Es bleibt also abzuwarten ob Startups auch in Zukunft genug Kapital einsammeln können, ohne der Crowd auch finanziell ein attraktives Angebot in Form einer Renditechance zu machen.

Bei Seedmatch haben Sie die Chance, online und bereits ab 250 Euro in spannende Startups zu investieren und damit direkt am Wachstumspotential der ersten Jahre beteiligt zu sein. Das Besondere dabei ist, dass Sie bei Seedmatch als Investor nicht nur finanziell profitieren, sondern auch mit Goodies, Produktproben und Rabatt-Aktionen von den Startups noch zusätzlich für Ihr Investment belohnt werden. So haben Investoren z. B. von dem Karlsruher Startup e-volo u. a. einen Kurzflug mit dem ersten bemannten “Elektro -Hubschrauber” der Welt, dem Volocopter bekommen – Protonet-Investoren erhielten im November 2012 ab einem Investment von 2.000 Euro den „einfachsten Server der Welt“ made in Germany.

 

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  1. HGJ sagt:

    Echtes Equity also Eigenkapital bietet Seedmatch doch auch nicht, da es ja sonst durch die finanzaufsicht BaFin kontrolliert werden müsste. Sollte ein Seedmatch unternehmen so erfolgreich sein könnte es doch die Seedmatch Investoren auszahlen (zu einer recht niedrigen Bewertung) und erst danach den Exit durchführen oder irre ich mich?
    Erst Eigenkapital und Mitbestimmungsrechte ziehen professionelle Investoren an.

    • Lieber HGJ,
      solche Umgehungsversuche werden in den Investmentverträgen natürlich geregelt. Du kannst gern bei den offenen Fundings mal einen Blick drauf werfen.

      Viele Grüße
      Dana Melanie Schramm
      Head of Corporate Communications