„Der Volocopter hat Potential für eine Revolution in der Luftfahrt“, Stephan Wolf, Mitgründer von e-volo

Der Volocopter ist der erste emissionsfreie Privathubschrauber, welcher durch 18 einzelne Elektromotoren angetrieben wird. Mit dem rein elektrisch betriebenen Volocopter hat die e-volo GmbH in der Luftfahrt-Branche weltweit für Aufsehen gesorgt. Das Verkehrsministerium hat eigens für den Volocopter ein Programm zur Schaffung einer neuen Luftfahrtklasse beauftragt. Um den Volocopter serienreif produzieren zu können, startet das Karlsruher Startup nun ein Crowdfunding.

Was das besondere am Volocopter ist und warum das Team den Weg des Crowdfunding geht, obwohl auch andere Finanzierungsformen möglich wären, haben wir Stephan Wolf, einen der Entwickler des Volocopters gefragt.

 

Seedmatch: Hallo Stephan. Wie kommt man auf die Idee, einen Helikopter zu bauen, der vollkommen anders als der Status quo ist?

Stephan Wolf: Als Kind wohnte ich ganz in der Nähe eines Krankenhauses hier in Karlsruhe, wo schon damals einer der ersten drei Rettungshubschrauber in Deutschland stationiert war. Ich habe immer bei den Starts und Landungen zugeschaut und auch mit den Piloten gesprochen. Seitdem faszinieren mich Hubschrauber und als Techniker wollte ich immer gerne selbst einen bauen. Aber leider sind Hubschrauber mechanisch extrem kompliziert. Als dann die ersten Modellbau-Quadrokopter auftauchten, interessierte mich das sofort und schon fing ich an zu überlegen, ob und wie mit dieser im Grunde simplen Technologie eine bemannte Version zu realisieren sei. In einem Internet-Forum lernte ich dann Thomas Senkel kennen, den dieselbe Vision umtrieb.

 

e-volo bei Seedmatch(v.l.n.r.) Thomas Senkel, Alexander Zosel und Stephan Wolf

 

Seedmatch: Was sind die Vorteile eines Volocopters im Vergleich zu einem herkömmlichen Hubschrauber?

Stephan Wolf: Ganz einfach, die Abwesenheit jeglicher Mechanik. Ein herkömmlicher Hubschrauber hat Motor oder Turbine, Getriebe, Steuerstangen, Taumelscheibe und verstellbare Rotorblätter. Das alles ist irrsinnig kompliziert und vor allem auch wartungsintensiv – das macht das Hubschrauberfliegen ja so teuer. Unser Volocopter braucht nur Elektromotoren, die heutzutage nicht einmal mehr Schleifkontakte enthalten. Das einzige Verschleißteil sind die Kugellager an der Motorachse. Das bedeutet eine enorme Kostenreduktion sowohl bei der Herstellung als auch im Betrieb. Zudem fliegen wir rein elektrisch und das senkt wie beim Elektroauto die Energiekosten auf ein Minimum.

 

Seedmatch: So ein neues Fluggerät zu entwickeln, erfordert viele unterschiedliche Kompetenzen. Uns allein fallen da gleich mehrere Schlagwörter ein – z. B. Software, Aerodynamik, Leichtbau etc. Woher nehmt ihr euer Wissen?

Stephan Wolf: Zunächst einmal waren Thomas als Physiker und ich als Software-Entwickler ein ideales Gespann, um unseren ersten Testaufbau, den VC1, in nur wenigen Monaten aufzubauen und zu fliegen. Das nötige Grundwissen dazu hatten wir. Aber für einen echten Prototypen eines Volocopters mussten wir noch einiges an Kompetenzen mit ins Boot holen. Das hat als langjähriger Unternehmer alles Alex Zosel organisiert, indem er etliche hochkarätige Partner wie DG Flugzeugbau (Leichtbau), Hochschule Karlsruhe (Navigation/Steuerung), Uni Stuttgart (Aerodynamik), Helix (Propeller) und ATB (Avionik) für eine Mitarbeit im Projekt begeistert hat. Zudem hat Alex auch das Design des VC200 entworfen, denn schließlich soll so ein Produkt ja nicht nur gut fliegen, sondern auch gut aussehen.

 

Seedmatch: Wofür kann bzw. soll der Volocopter eingesetzt werden?

Stephan Wolf: Der Volocopter hat Flugeigenschaften wie ein Hubschrauber und kann daher prinzipiell ähnliche Aufgaben übernehmen. Da wir den Volocopter zunächst als ultraleichtes Fluggerät für maximal zwei Personen konzipieren, wird sein Einsatzbereich entsprechend ausgerichtet sein. Der VC200 darf mit einer Sportpilotenlizenz geflogen werden, die Einrichtung und Genehmigung eines eigenen, privaten Start- und Landeplatzes ist in Deutschland inzwischen möglich.

Wir haben aber auch einige Anfragen für den Einsatz als reine Transportdrohne erhalten, beispielsweise sollen schwere Messgeräte über einen Vulkan gebracht werden, um seine Ausgasungen zu messen. Mit einem Hubschrauber geht das nicht, weil er selbst viel zu viele Abgase erzeugt.

 

Seedmatch: Das Wort Drohne weckt bei der Deutschen Bevölkerung ja oft sehr negative Assoziationen. Wie steht ihr dazu?

Stephan Wolf: Drohne bedeutet im Grunde „unbemanntes (Luft-)Fahrzeug“ und hat mit der Nutzung für militärische Zwecke zunächst überhaupt nichts zu tun, auch wenn dieser Eindruck durch die ständige aktuelle Präsenz in den Medien offenbar entsteht. Wir wollen den Volocopter für zivile Anwendungszwecke nutzen, Militär spielt in unseren Überlegungen überhaupt keine Rolle. So steht das ja auch gleich im ersten Absatz unseres Gesellschaftsvertrages. Gegen einen Volocopter als zivile Transportdrohne ist daher absolut nichts einzuwenden.

 

Seedmatch: Die Entwicklung einer neuen, so kompexen Technologie wie dem Volocopter ist ja nicht ganz billig. Woher habt ihr die finanziellen Mittel genommen?

Stephan Wolf: Zunächst einmal konnte ich mit Thomas Ruf einen erfahrenen Technologie-Guru und Business Angel als Gesellschafter und Geldgeber gewinnen. Wir hatten dann schnell unsere heutigen Firmen- und Hochschulpartner für das Projekt begeistert, die übrigens teilweise sogar von sich aus auf uns zukamen, und konnten in dieser Konstellation auch das Bundeswirtschaftsministerium von unserem Vorhaben überzeugen. Dadurch fließen 1,2 Mio. Euro vom Bund und 800.000 Euro von den Partnern in die Entwicklung des VC200. Wir selbst stellen dabei 400.000 Euro bereit. Das europäische Climate KIC hat über die TU Berlin zwei unserer Erfinder mit einem Stipendium finanziell unterstützt. Das Verkehrsministerium glaubt auch an unsere Technik und hat ein Erprobungsprogramm für die Einrichtung einer eigenen Luftfahrtklasse beauftragt.

 

e-volo bei SeedmatchVolocopter (VC200)

 

Seedmatch: Warum habt ihr euch jetzt für Crowdfunding als Finanzierungsform entschieden? Ihr hättet doch sicher noch andere Möglichkeiten gehabt.

Stephan Wolf: Wir erhalten ständig anfragen, ob und wie man sich bei uns beteiligen kann. Aber der Schritt in Richtung Aktiengesellschaft ist sicher viel zu früh, daher ist Crowdfunding eine ideale Möglichkeit auch für Kleinanleger in unser Unternehmen zu investieren. Banken denken für so ein Vorhaben viel zu konservativ.

 

Seedmatch: Wie wird das Kapital, das ihr mit Hilfe der Crowd einsammelt, eingesetzt?

Stephan Wolf: Wir bringen den VC200 zur Produktionsreife und generieren mit den Verkäufen die ersten Umsätze. Dann steigern wir die Produktionszahlen kontinuierlich und bauen so Stück für Stück unser Unternehmen aus.

 

Seedmatch: Ihr habt tolle Goodies für die Investoren. Ist das Crowdfunding für euch auch ein Marketing-Kanal?

Stephan Wolf: Crowdfunding kannte ich zunächst eigentlich nur aus dem Kulturbereich, wo z. B. Filmprojekte finanziert werden. Die Investoren werden dann ab einer bestimmten Geldsumme namentlich im Abspann genannt, das finde ich cool. Wir haben uns daher überlegt, was wir unseren Unterstützern anbieten können. Ziemlich schnell war klar: wir laden alle Investoren zu Kundentagen im Werk mit Flugvorführungen ein und es gibt Volocopter T-Shirts. Natürlich stehen wir dort auch allen Fragen Rede und Antwort. Ab 5.000 Euro gibt es einen Flug mit dem Volocopter. Bei 10.000 Euro erhalten die ersten dreißig Zeichner eine Kaufoption für den VC200 im Wert von 5.000 Euro.

Unser Marketing funktioniert schon jetzt hervorragend. Um die Bekanntheit des Volocopters machen wir uns dabei am allerwenigsten Sorgen, denn wir hatten und haben von Anfang an ein wirklich enormes Medienecho weltweit. Alex ist damals kurz nach dem Erstflug des VC1 im Himalaya gewesen und traute seinen Augen nicht: Sogar dort lief im Fernsehen ein Bericht über unseren Erstflug.

 

Seedmatch: Was erwartet ihr euch von dem Crowdfunding bei Seedmatch?

Stephan Wolf: Unsere Marschrichtung steht fest und mit dem über Seedmatch eingesammelten Geld können wir unsere Ziele ohne Wenn und Aber umsetzen, ohne uns ständig Gedanken über die weitere Finanzierung machen zu müssen. Sicher könnten wir auch andere Wege beschreiten, aber Crowdfunding macht für uns definitiv am meisten Sinn.

 

Seedmatch: In aller Kürze zum Schluss die existenzielle Frage: Warum sollten Investoren ab Mittwoch bei euch investieren?

Stephan Wolf: Wir hatten schon mit dem Erstflug des VC1 bewiesen, dass unsere Technik funktioniert. Jetzt haben wir mit dem VC200 ein ernstzunehmendes Luftfahrtgerät gebaut mit dem Potential für eine Revolution in der Luftfahrt. Das hat sogar die US-amerkanische Luftfahrtbehörde FAA in ihrem offiziellen Magazin bestätigt. Wer jetzt in e-volo investiert, wird dem Volocopter den Weg in eine erfolgreiche Vermarktung ebnen und selbst ein Teil dieser Geschichte sein. Am Ende werden wir die Investoren gebührend belohnen, denn sie sind ja über ihre partiarischen Darlehen an unserem Erfolg beteiligt.

Seedmatch: Danke Stephan für das aufschlussreiche Interview und viel Erfolg für das Funding.

 

jetzt_entdecken

 

 

Eigenen Kommentar schreiben

  1. Aaron sagt:

    Tönt ja alles sehr spannend. Soll auch ein tolles Team hinter diesem Projekt stehen. Wie sehen die Flugeigenschaften bei Wind aus?

    LG Aaron

    • e-volo sagt:

      Rotorflügler sind generell wesentlich robuster gegen Wind als Flächenflügler. Erste Abschätzungen dazu gibt es, aber konkrete Erkenntnisse werden wir erst anhand von Flugtests ermitteln.

  2. Christian sagt:

    Kann jeder den Volocopter fliegen? Wie sieht es mit der Ausbildung und den späteren Wartungskosten aus?

    • Michael sagt:

      Hallo Christian

      geht im Grunde alles aus den Videos hervor, aber kurz:
      Wenn es eine eigene Luftfahrzeugklasse geben wird, dann wird es auch eine dazu passende Privtapilotenlizenz geben, die ich logischerweise erst erwerben muss, um das Ding fliegen zu dürfen.
      Wartungsaufwände werden ähnlich liegen, wie bei einem Staubsauger (ist im Grunde die gleiche Technologie).
      Die viel wichtigere Frage:
      Wird für dieses Ding der Zwang, einen zugelassenen Start- und Landeplatz benutzen zu müssen, aufgehoben?
      Und noch wichtiger: Was wird es kosten?

      Michael

      • Dirk sagt:

        Hallo Michael,

        wie groß sind die Aussichten, das Ihre Idee in Europa bleibt bzw. Produziert wird?

        MfG
        Dirk

        • Michael sagt:

          Hallo Dirk

          Neeee, leider gehöre ich nicht zu e-volo. Ich finde die Geschichte einfach nur genial und wünschte, ich hätte da mitmachen können.

          Aber zurück zur Frage:

          Da die Chinesen alles kopieren, wird die Idee nicht in Europa bleiben (siehe z.B. die Herstellung von Solarmodulen).
          Da aber bei der Verlagerungs der Produktion ins Ausland bisher die Qualität immer deutlich gelitten hat und ein solches Produkt kein Spielzeug ist – auch wenn es so aussieht – wird es ein paar Jahre dauern, bis das nachgebaut werden kann. Und bis dahin fällt einem vernünftigen Ingenieur immer noch was ein, was dafür sorgt, dass die eigenen Produkte immer noch den deutlich höheren Marktwert haben.
          Und in meiner Firma sehe ich immer wieder, dass selbst bei so einfachen Produkten, wie einem zurechtgebogenen Blech (unsere Gehäuse) die Kosten zur Sicherstellung der Qualität die Einsparungen durch geringere Löhne bei weitem übersteigen (zumindest bei den geringen Stückzahlen, die bei uns produziert werden)
          Und bei diesem Ding sehe ich noch keine Fließbandproduktion am Horizont, das wird eine Manufaktur bleiben.

          Michael

          • Dirk sagt:

            aah..ok 🙂
            Jedes zweite, dritte Unternehmen, das ich kenne, bedient sich in Indien. Selbst Microsoft hat sich versucht und seine (weniger guten) Erfahrungen gemacht. Bzgl. Plagiate kann man sich wohl nicht wehren. Da wir in Deutschland noch eine Bundesluftfahrtbehörde haben, wird sich zumindest hier schnell die Spreu vom Weizen trennen. International sollten die eingereichten Patente Schutz bieten. Wir werden sehen :-))

            MfG
            Dirk