Zuwachs im Dealflow: Unser neuer Seedkopf Torsten Walbaum im Interview

Herzlich willkommen Torsten!

Wir freuen uns sehr: Seit einigen Tagen ist Torsten Walbaum Teammitglied von Seedmatch. Der gebürtige Hamburger wird fortan mit den Startups in der Anbahnungsphase vor dem Funding arbeiten, sie durch den Prozess begleiten und dabei natürlich viele neue Geschäftsideen kennenlernen und begutachten. Wir haben Torsten ein paar Fragen gestellt und er gibt uns Einblicke in sein Verständnis der Startup-Szene, der Finanzierungslandschaft und darüber, welche Ideen er besonders interessant findet.

 

Seedmatch: Hallo Torsten, schön, dass du bei Seedmatch bist! Stell dich doch unseren Usern und Investoren einmal vor: Woher kommst du, was machst du bei Seedmatch, und wie bist du zu uns gekommen?

Mitarbeiter Online-Marketing Seedmatch Torsten Walbaum: Ich bin ein Hamburger Jung! Die letzten Jahre habe ich allerdings für mein BWL Studium in Mannheim verbracht. Während dieser Zeit konnte ich auch praktische Erfahrungen in Konzernen sammeln, unter anderem bei der Deutschen Börse, wo ich mich beispielsweise mit verschiedenen Methoden der Unternehmensbewertung beschäftigt habe. Nachdem ich zu Beginn meines Studiums einige universitäre Gründerevents besucht hatte und auf die Stanford Entrepreneurship Corner gestoßen bin, habe ich jedoch meine Leidenschaft für Startups entdeckt und festgestellt, dass hier die eigentlichen Innovationen entstehen. In jungen Unternehmen lassen sich in Abwesenheit von Bürokratie und “Das-haben-wir-schon-immer-so-gemacht”-Mentalität viel schneller sichtbare Ergebnisse erzielen. Also habe ich mich entschlossen, an Stelle einer Corporate Karriere lieber in die Startup-Welt einzutauchen. Als Dealflow Manager bei Seedmatch wähle ich mit meinen Kollegen vom Dealflow-Team die besten Startups für ein Crowdfunding aus. In dieser Funktion beschäftige ich mich tagtäglich mit innovativen Geschäftsmodellen in den verschiedensten Bereichen und arbeite mit hochmotivierten Gründerteams zusammen. Für mich gibt es nichts Spannenderes!

 

Seedmatch: Was denkst du über Crowdfunding für Startups im Allgemeinen? Wie siehst du die bisherige Entwicklung und wo geht die Reise noch hin?

Torsten Walbaum: Optimalerweise sorgt Startup-Crowdfunding für eine Win-Win-Situation: Die Startups bekommen Zugang zu Kapital – was besonders in der chronisch unterfinanzierten deutschen Gründerlandschaft wichtig ist – und den Investoren eröffnen sich attraktive Investmentchancen, zu denen sie traditionell sonst gar keinen Zugang hätten. Außerdem findet der Finanzierungsprozess beim Crowdfunding online statt und wird so effizienter und transparenter. Die Mehrwerte für Startups gehen dabei weit über das eingesammelte Kapital hinaus. Die Crowd-Investoren stellen wichtige Multiplikatoren dar und im Zuge der öffentlichkeitswirksamen Crowdfunding-Kampagne können beispielsweise neue Nutzer, Kunden oder Kooperationspartner gewonnen werden.
Ich glaube, dass Crowdfunding für Startups riesiges Potenzial hat und wir dieses noch lange nicht ausgeschöpft haben. Es ist sehr spannend, diese Entwicklung nicht nur verfolgen sondern auch mitgestalten zu können.

 

Seedmatch: Bei Seedmatch haben wir bisher 46 Startups finanziert – wer sind deine Favoriten, und wieso?

Torsten Walbaum: Ich mag nützliche Gadgets, die den Alltag erleichtern. Wenn diese dann auch noch nachhaltig – wie der Solarcharger von Changers.com – sind, ist das super. Ein weiterer Favorit von mir ist Protonet. Das Team hat bewiesen, dass Usability und schickes Design auch bei komplexen B2B-Lösungen möglich sind – Respekt dafür. Außerdem begeistern mich Crowdsourcing-Konzepte wie BluePatent oder Share Economy-Innovationen wie von carzapp.

 

Seedmatch: Wo liegt für dich der Fokus bei der Startup-Analyse? Was ist dir wichtig? Was macht ein gutes Crowdfunding-Startup aus?

Torsten Walbaum: Startups sollten versuchen, ein wirkliches Problem ihrer Zielgruppe zu lösen und nicht etwas entwickeln, nur weil es möglich ist oder nach einer coolen Idee klingt. Zu häufig wird am Markt “vorbeidesignt”. Außerdem sollte ein komplementäres Team vorhanden sein, welches nach der Entwicklung des Produktes oder Services auch in der Lage ist, ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen. Gerade in frühen Phasen ist das Team der zentrale Faktor. Viele erfolgreiche Startups haben sich durch zahlreiche “Pivots” von ihrem ursprünglichen Modell weit entfernt, da die anfänglichen Pläne nicht zum gewünschten Erfolg geführt haben. Bei einer solchen Entwicklung stellt das Team häufig die einzige Konstante dar.

Für ein erfolgreiches Crowdfunding muss ein Startup außerdem eine große Anzahl von Investoren begeistern. Besonders gut geeignet sind dafür schlichte, aber geniale Ideen wie die von AoTerra, bei denen man sich fragt: “Warum bin ich da eigentlich nicht drauf gekommen?”

 

Seedmatch: Du hast dich ja in deiner Karriere auch schon mit der Branche beschäftigt. Aus deiner Perspektive, wo ordnest du ein Startup-Investment im Portfolio der Investmentchancen ein?

Torsten Walbaum: Investments in Startups sind hochriskant und können zum Verlust des eingesetzten Kapitals führen, das sollte sich jeder Investor bewusst machen. Allerdings können durch Seed-Investments im Erfolgsfall auch sehr hohe Renditen erzielt werden, welche Verluste an anderer Stelle ausgleichen können; daher ist ein diversifiziertes Portfolio Pflicht. Das Besondere an einem Startup-Investment ist die emotionale Komponente. Es ist spannend, die Entwicklung „seines“ Startups zu verfolgen und viele Investoren engagieren sich auch aktiv durch das Vermitteln von Kunden, Kontakten etc.

 

Seedmatch: Und dein Traum-Startup, abseits von Seedmatch? Wo wärst du gerne Shareholder?

Torsten Walbaum: Ich bin ein großer Fan von Serienunternehmer und Investor Elon Musk (u. a. CEO von Tesla Motors und SpaceX). Ich finde es großartig, dass er sich mit seinen Vorhaben auf gesellschaftlich relevante Bereiche konzentriert und dabei äußerst erfolgreiche Unternehmen aufbaut. Wenn er also sein nächstes Startup in Angriff nimmt, wäre ich gern daran beteiligt. Ich hätte außerdem gern in MakerBot Industries investiert. Ich finde 3D-Drucker extrem spannend, vor allem in Verbindung mit einem Digitizer. Und durch den Exit an Stratasys wäre es sicher auch ein gutes Geschäft geworden.

 

Seedmatch: Danke Torsten! Schön, dass du bei uns bist!