Die Parteien auf dem Prüfstand: Crowdfunding

Am Sonntag ist es soweit – rund 62 Millionen Wahlberichtigte wählen den 18. Deutschen Bundestag. Zeit, die Bundestagsparteien auf den Prüfstand zu stellen: Wie denken sie über Crowdfunding, Wagniskapital und Gründergeist in Deutschland?

CDU/CSU

 

CDU/CSUCDU/CSU: Die Union positioniert sich als Innovationstreiber: „Für Existenzgründer wollen wir den Zugang zu Wagniskapital erleichtern, mit dem sich Investoren an jungen Unternehmen beteiligen,” heißt es gegenüber dem Bundesverband Deutsche Startups e.V. (BVDS), der alle Parteien auf ihre Gründer-Tauglichkeit checkte. Spannend wird es bei der Frage, wie der Zugang zu Wagniskapital konkret gestärkt werden soll: “Auch den Zugang zu sogenannten ‚Business Angels‘, die den jungen Unternehmen in der Startphase mit Rat und Kapital zur Seite stehen, wollen wir erleichtern. In dem Rahmen werden wir auch neue Finanzierungsformen, wie das Crowdfunding und -investing, als Instrumente der Frühphasen-Finanzierung von Technologiegründungen vorantreiben.“ Die Union ist damit die einzige Partei, die Crowdfunding konkret als Finanzierungsmittel nennt.
 

 

SPDSPD: Der SPD ist bewusst, wie wichtig das Startkapital für die Startups ist: „Der Zugang zu Finanzierungsmitteln ist ein Schlüsselfaktor für die Wettbewerbsfähigkeit und das Wachstum junger innovativer Unternehmen.” Konkrete Lösungen stellt die SPD jedoch nicht vor. In Anlehnung an die entsprechende EU-Verordnung möchte die SPD Maßnahmen zu Verbesserung der Unternehmensfinanzierung prüfen: „Durch die neue EU-Verordnung zu Europäischen Fonds für Risikokapital wird Risikokapitalgebern europaweit die Kapitalbeschaffung zugunsten junger Unternehmen erleichtert. Aufbauend auf den Erfahrungen mit der neuen Verordnung wollen wir prüfen, mit welchen Maßnahmen die Wachstumsfinanzierung junger Unternehmen weiter verbessert werden kann. Dazu gehört beispielsweise die Erleichterung von ‚Exits‘, sprich dem Verkauf von Unternehmensbeteiligungen.“
 

 

FDPFDP: Das Ziel der FDP ist es, die Finanzierung von jungen, innovativen Unternehmen durch Risikokapital zu erleichtern und steuerlich zu fördern: „Für die Zukunft des Unternehmensstandorts Deutschland brauchen wir Rahmenbedingungen, die die Unternehmensfinanzierung durch Risikokapitalgeber erleichtert. Eine erfolgreiche Risikofinanzierung darf steuerlich nicht bestraft werden. Der neue Investitionszuschuss Wagniskapital soll steuerfrei bleiben, damit der Zuschuss in voller Höhe den Gründern zu Gute kommt.” Für die FDP ist Risikokapital ein entscheidender Faktor für Innovation und Wirtschaftswachstum: „Neben der Kreditvergabe ist der Einsatz von privatem Kapital einschließlich Wagniskapital Kerntreiber von Innovation und Wirtschaftswachstum. […] Die steuerlichen Anreize für Venture Capital und Business Angels wollen wir verbessern und im Rahmen der haushälterischen Möglichkeiten die steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung intensivieren.“ Die FDP setzt damit vor allem auf steuerpolitische Maßnahmen.
 

 

Die LinkeDIE LINKE: DIE LINKE erkennt die finanziellen Nöten von jungen Unternehmen – steht aber dem Risikokapital sehr skeptisch gegenüber: „Start-Ups verfügen meist nicht über genügend Eigenmittel und haben keinen ausreichenden Zugang zu Kreditlinien und anderen klassischen Finanzierungsformen. Der Einsatz und die Förderung von Wagniskapital lösen diese Grundprobleme in der Breite nie. Ebenso bestimmt Wagnis- und Wachstumskapital nicht über den Erfolg einer Unternehmensgründung und dessen Fortbestand. […]” DIE LINKE möchte den Umbau und eine stärkere Regulierung des Finanzsektors erreichen und den Startups so günstige Kredite verschaffen: „DIE LINKE setzt sich dafür ein, KMU und Startups in der Breite einen kostengünstigen Zugang zu Kreditlinien und Fördermitteln zu gewähren und beim Auf-/Ausbau kompetent zu begleiten. Dafür muss der Finanzsektor konsequent umgebaut und reguliert werden. Für uns steht die Förderung der „Realwirtschaft“ klar im Zentrum, nicht die Spekulation und Geldanlage.“

 

 

Die GrüneBÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: DIE GRÜNEN setzen auf grüne Finanzmarkreform, wie diese genau aussehen soll, beschreiben sie gegenüber dem BVDS aber nur wage: „Wir sehen aber auch die Finanzierungslücke, insbesondere in der Finanzierung der Wachstumsphase. Wir kämpfen mit unseren grünen Finanzmarktreformen darum, wieder mehr Kapital in die Realwirtschaft und in gesellschaftlich wertvolle Innovationen zu lenken.“ Bisher fließe nach wie vor zu viel Geld in das „Finanzkasino,“ wie es die Bündnisgrünen nennen. „Damit mehr Innovationen tatsächlich umgesetzt werden, sind international attraktive Bedingungen für Wagniskapital notwendig und die rechtlichen Rahmenbedingungen für Wagniskapital neu zu ordnen. Wir wollen eine steuerliche Forschungsförderung einführen, die sich direkt positiv auf die Ertragssituation von innovativen Gründungen auswirkt und so innovativen Unternehmen leichteren Zugang zu Wagniskapital eröffnet.“ Unter dem Strich stehen DIE GRÜNEN dem Wagniskapital als Startupfinanzierung positiv gegenüber.
 

 

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  1. Matthias sagt:

    Alles in allem stehen die Parteien dem Thema doch noch sehr tastend gegenüber. Wenig Konkretes…