Von den Chancen und Risiken eines Startup-Investments

Anfang Februar erschien im Tagesspiegel ein Artikel* mit dem Titel „Bei Start-ups ist Erfolg die Ausnahme“. Diesen möchten wir als Anlass nehmen, um noch deutlicher darzustellen, welche Chancen und Risiken bei einem Investment in ein Startup bestehen.

Bislang waren Investments in Startups nur einer kleinen Gruppe finanzkräftiger Business Angels oder Venture Capital Gesellschaften zugänglich. Mit Crowdfunding für Startups kann sich nun jeder an innovativen Geschäftsmodellen beteiligen und von dem wirtschaftlichen Wachstum junger Unternehmen langfristig profitieren.

Wie bei den klassischen Formen der Startup-Finanzierung auch, stehen beim Crowdfunding für Startups die Renditechancen im Mittelpunkt – nur in diesem Falle für Privatanleger. Wer sich via Crowdfunding an einem jungen Unternehmen beteiligt, setzt auf eine deutliche Vermehrung seines eingesetzten Kapitals. Durch das Beteiligungsmodell bei Seedmatch – auf Basis eines partiarischen Nachrangdarlehens – ist dies möglich.

Startup-Investments sind allerdings grundsätzlich als Kapitalanlagen der höchsten Risikoklasse einzustufen, sprich Risikokapital. Dementsprechend stehen dem hohen Renditepotenzial eines Startup-Investments hohe Risiken (bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals) gegenüber. Grundsätzlich gilt: Je riskanter ein Investment in ein Startup, desto höher die Renditeerwartung des Investors.

 

Wie viel Kapital investieren?

Grundsätzlich sollte man also nur Geld in Startups investieren, das man auch wirklich „übrig“ hat, sprich dessen Verlust man ohne Weiteres verkraften kann. Das bereitgestellte Risikokapital kann bei einer Insolvenz des Startups komplett verloren gehen. Auch aktive Business Angels investieren in der Regel nur einen kleinen Anteil ihres frei verfügbaren Kapitals in Startups. Was auch immer die Summe sein sollte, die man investieren möchte: ein maßgebliches Kriterium bei der Entscheidung sollte immer sein, dass man es sich leisten kann, den gewählten Betrag zu verlieren. Ein finanzielles Risiko über den Verlust des investierten Kapitals hinaus besteht bei dem über Seedmatch zu erwerbenden partarischen Darlehen jedoch nicht.

 

Eine langfristige Geldanlage

Es ist für ein Startup sehr unüblich – und meistens auch nicht das Ziel – in den ersten Jahren der Geschäftstätigkeit Gewinne zu erzielen. Daher sollte auch beim Crowdfunding in Startups grundsätzlich nicht von Gewinnen innerhalb der ersten Jahre ausgegangen werden. Beteiligungsverträge für Startup-Investments sind daher bewusst langfristig ausgerichtet und erstrecken sich über mehrere Jahre. Wir bei Seedmatch legen Wert auf Beteiligungslaufzeiten von mindestens fünf bis sieben Jahren, da Startups häufig so lange brauchen, um ihr Potenzial zu entfalten, also zu wachsen und profitabel zu werden, und man als Investor die Chance auf eine attraktive Rendite hat.

Angesichts des hohen Risikocharakters und der langen Beteiligungsdauer kann niemand im Vorfeld sagen, ob bzw. wie sehr sich ein Investment in ein bestimmtes Startup lohnt. Im Vergleich zu anderen Möglichkeiten der Geldanlage bietet ein Startup-Investment aber sehr attraktive Renditechancen.

 

Die Portfolio-Strategie

Um das Risiko abzufedern, nutzen professionelle Investoren die Portfoliostrategie. Das bedeutet, dass man sich ein Portfolio aus vielen verschiedenen Unternehmen zusammenstellt – also nicht eine große Summe in nur ein Unternehmen investiert, sondern kleinere Summen in mehrere Unternehmen. Scheitert nun eines der Unternehmen, kann dieser Verlust durch die Gewinne der anderen Unternehmen im Portfolio ausgeglichen werden. Diese Strategie nennt man auch Risikostreuung. Auch bei Seedmatch ist es möglich – genau wie professionelle Investoren – ein individuelles Portfolio zusammenstellen.

 

Elf von zwölf Startups scheitern

In einer Welt, in der Wertschöpfung zunehmend durch Innovation und Anpassungsfähigkeit bestimmt wird, sind Unternehmen, die klein und agil sind, gut positioniert, um ihre größeren, langsameren Wettbewerber im Markt zu übertreffen. Laut einem Artikel auf Gründerszene>> und einer Studie des Startup Genome Project hat durchschnittlich nur eines von zwölf Startups nachhaltig Erfolg.

Es gibt zahlreiche Gründe warum Startups regelmäßig scheitern.

Der Tagesspiegel>> benennt als erfolgskritische Faktoren für Startups: das Geschäftsmodell bzw. die Idee, das Team sowie falsche Geschäftspartner und die Finanzierung. Das Startup Genome Project hat sich anhand von 3.200 weltweiten Unternehmen angeschaut, was erfolgreiche Jungunternehmen von erfolglosen unterscheidet.
Ihr Ergebnis: zu schnelles Wachstum und ein zu starker Fokus auf die Kundenakquise. Die Studie ist sicherlich nicht repräsentativ, gibt jedoch eine Tendenz für potentielle Gründe des Scheiterns. Ein Faktor, den das Startup Genome Project dabei anspricht, ist beispielsweise ein Produkt, welches nicht auf die Bedürfnisse der Kunden abgestimmt ist.

 

Natürlich sollte auch das Geschäftsmodell des jungen Unternehmens ausgereift und skalierbar sein. Die Geschäftsidee sollte das Potential besitzen, Menschen zu begeistern. Das Produkt muss qualitativ hochwertig sein, nur so können Wiederverkäufe und Mundpropaganda angeregt werden.

Die Gründer sollten zudem viel Leidenschaft für Ihre Idee mitbringen und auch schwierige Zeiten durchstehen können. Sie sollten direkte Kommunikation mit ihren Kunden und Investoren mögen und beherrschen. Ein komplementäres Team, das verschiedene Kompetenzen vereint und von der Geschäftsidee überzeugt ist, ist unabdingbar. Gerade in der ersten Zeit nach der Gründung ist es ganz normal, dass einige Durststrecken überwunden und Rückschläge weggesteckt werden müssen. An diesem Punkt nicht aufzugeben, ist eine Grundvoraussetzung für den Erfolg eines Startups.

 

Fazit:
Nur wer als Investor breit streut und auf die richtigen Ideen setzt, wird am Ende Rendite machen. Wir versuchen bei Seedmatch, die besten Startups zu präsentieren, aber wir wissen, dass auch davon einige scheitern können. Es gibt so viele Gründe, die ein Scheitern verursachen können: Konflikte im Team, eine unausgereifte Idee, der falsche Fokus und natürlich zahlreiche externe Gründe. Aber ohne Menschen, die etwas Neues wagen und bereit sind, dieses Risiko einzugehen, kann es auch keine neuen, innovativen Geschäftsmodelle geben. Wir sind davon überzeugt, dass diese mutigen Vordenker die deutsche Wirtschaft nachhaltig prägen.

 

 

* Artikel des Tagesspiegels: Bei Start-ups ist Erfolg die Ausnahme>>

 

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  1. RalfLippold sagt:

    Vielen Dank für den inspirierenden Artikel.

    Startups benötigen „Futter“ zum Wachsen und zum Leben. In erster Linie ist dies Geld in der einen oder anderen Form, um nötige Dinge umzusetzen (z.B. Ort, Webpräsenz, Telefon, Internetzugang, ….)

    Doch neben den materiellen Finanz- und Wachstumsquellen sind die immateriellen „Finanzquellen“ wie Netzwerke, Support, Mentoren, etc. umso wichtiger, da Geld kaum fließen wird anfangs. Also wird Zeit investiert. Wenn dies in der Art geschieht, wie Eric Ries, Steve Blank, John Shook, Mike Rother, und andere aus dem Lean-Umfeld (mich eingeschlossen) propagieren, indem vorhandene Ressourcen, bzw. Unterstützung in Lean Startup – Fashion eingesetzt werden, kann schnell der notwendige Boden generiert werden, um Finanziers anzuziehen.

    PS.: Wir machen das mit einem Projekt in Dresden durch, dass sich seit 2008 in der Umsetzung befindet und sich größtenteils der Möglichkeiten des Web bedient, um sich für potentielle Mentoren, Investoren und Unterstützer jeglicher Art (auch finanziell) attraktiv zu machen. Es ist kein schneller Weg. Rückschläge sind auch vorprogrammiert. Entrepreneurial Learning along the way is the main outcome 🙂

  2. Anna sagt:

    Ich bin da mit dem Herrn Lippold ganz einer Meinung. Leider hab ich es sowohl in meiner Umgebung als auch bei mir persönlich erlebt, dass viele Startups scheitern, da sie nicht über die richtigen Netzwerke oder über genügend Support verfügen. Es gibt viele Programme, die darauf bedacht sind, um Startups zu helfen einen guten Business Plan zu schreiben oder Investoren zu finden. Das ist sicherlich sehr wichtig aber es müsste auch mehrere Programme geben, die auch mit dem Finden von neuen Kunden oder mit dem Einführen von einem neuen Produkt helfen.

  3. freundbaer sagt:

    Hallo,

    könnt ihr in diesem Zusammenhang etwas zu dem Blogeintrag auf http://thomas.promny.de/archiv/2013/03/19/crowdfunding-hype-take-the-money-and-run/ sagen? Ich habe bei Seedmatch schon in mehrere Unternehmen investiert, aber in diesem Beitrag kommt Crowfunding nicht gut weg und namentlich seid ihr erwähnt.

    Kritisiert wird unter anderen, dass beim Crowfunding nur Unternehmen landen, die bei VC und Business Angels nicht ankommen, also Unternehmen 2. Wahl, weiterhin die schlechten Kapitalerträge bei hohem Risiko (Totalverlust).

    Auf diesen Blog wurde durch http://www.deutsche-startups.de heute verlinkt, und irgendwie klingt das gar nicht gut…

    Liebe Grüße
    Mario

    • Jakob Carstens sagt:

      Danke für den Hinweis. Wir sind dran!

      Viele Grüße
      Jakob Carstens
      Head of Marketing
      Seedmatch

    • Friederike Lanzsch sagt:

      Hallo Mario,

      wir haben den Blogbeitrag kommentiert und sind dabei insbesondere auf die Kritikpunkte sowie auf auch einige falsche Aussagen in dem Artikel eingegangen. Wir hoffen, das beantwortet alle Fragen – ansonsten komm gern wieder auf uns zu! Vielen Dank noch einmal für den Hinweis,

      liebe Grüße,
      Friederike

  4. freundbaer sagt:

    Hallo,

    danke für die gute und schnelle Antwort im Blog!

    Super!

    Eine persönliche Anmerkung: Erstens kann jeder selbst entscheiden, ob und wieviel er investiert bzw. ob ihm die Art der Beteiligung zusagt. Zweitens liest man in allen großen Zeitungen immer, dass Startups in Deutschland zu wenig Anerkennung und finanzielle Unterstützung erfahren. Daher freue ich mich über eure Plattform. Weiter so!

    Genug Lobhudelei: Weiterarbeiten! 🙂

    Liebe Grüße und nochmals Danke für die Reaktion!
    Mario