Köpfe schlagen Kapital

„Jeder kann gründen!“ – diese These vertritt Prof. Faltins von der FU Berlin in seinem spannenden Buch „Kopf schlägt Kapital“. Dieser Artikel soll seine Ideen aufgreifen, zum Nachdenken inspirieren und natürlich erläutern, was das Ganze mit Crowdfunding zu tun hat.

Faltin sagt, dass es für einen Gründer keineswegs notwendig ist, genial zu sein. Vielmehr kann jeder ein Unternehmer werden, wenn er bestimmte Dinge im Blick behält. Kern des Ganzen ist die Überlegung, dass nicht nur gänzlich neue Erfindungen „neu“ sind, sondern dass auch neue Kombinationen von bekannten Komponenten zu neuen und erfolgreichen Geschäftsmodellen werden können. Daher nennt er diese Art der Gründung auch Komponentengründung.



Faltins Überlegungen bringen einen frischen Blick auf die eine oder andere althergebrachte Sichtweise.

So räumt er zum Beispiel mit dem Mythos auf, dass allein eine geniale Idee der entscheidende Faktor für ein erfolgreiches Unternehmen sei. Die Idee steht zwar am Anfang. Um als Basis für ein erfolgreiches Unternehmen dienen zu können, muss sie aber noch einen weiten Weg durch viele Gehirnwindungen gehen und so präzise wie möglich bedacht und verfeinert werden.

Faltin sagt, die Entwicklung eines tragfähigen Gründungskonzeptes braucht Zeit und ist mehr ein strukturierter Prozess als eine plötzliche Inspiration. Ideen werden geformt, sie fallen nicht in endgültiger und vor allem tragfähiger Form vom Himmel. Eine Idee muss auf die Bedürfnisse des Marktes zugeschnitten werden, um überlebensfähig zu sein. Das kann manchmal eine Weile dauern. Prof. Faltin selbst brauchte mehrere Jahre, ehe seine „Teekampagne“ marktreif ausgearbeitet war.

Ein anderer Mythos über Startups lautet, dass Gründer das Risiko suchen. Erfolgreiche Gründer tun gerade dies nicht. Im Gegenteil, sie minimieren das Risiko, indem Sie eine ausführliche Risikoanalyse machen und viele mögliche Szenarien durchdenken. Kein größeres und neuartiges Projekt ist ohne Risiko. Unternehmertypen (Faltin nennt sie „Entrepreneure“) unterscheiden sich von Nicht-Unternehmern („Managern“) dadurch, dass sie es trotzdem wagen. Nicht, weil sie speziell das Risiko suchen, sondern weil sie bereit sind, ein kalkuliertes Risiko einzugehen, um ihre Vision Realität werden zu lassen. In dem Sinne sind Gründer „Trotzdem-Typen“.


Wie entsteht nun ein tragfähiges Geschäftsmodell?



Die Idee

Die Idee ist laut Faltin eine Art Samenkorn aus dem etwas entstehen kann. Eine Idee alleine macht noch kein Unternehmen. Oftmals durchläuft sie viele Transformationen und ist am Ende nur noch grob erkennbar. Ideen müssen zu Konzepten ausgeformt werden, die eine Lücke im Markt schließen. Der Markt allein bestimmt. Menschen wie Faltin und Ressi sagen, dass es nicht auf die Idee ankommt, sondern auf die marktgerechte Ausarbeitung. Entscheidend ist nicht, was eine Technologie alles kann, sondern ob die Leute sie wollen. Um ein Angebot zu schaffen, das am Markt gefragt ist und Gewinn erwirtschaften kann, sind Vorfeld Marktstudien, Anpassungen, Designproben usw notwendig und all das wiederum braucht viel Durchhaltevermögen. Adeo Ressi, der Gründer des Founder Institute formuliert es so: “Ideas are raised, not born.”



Funktion statt Konvention

Das Gründungskonzept entsteht also nicht spontan, sondern in einem längeren Gedanken- und Arbeitsprozess. Dabei muss man kreativ über den Tellerrand hinausschauen und unkonventionelle Wege zur Lösung von Problemen durchdenken. Dies geschieht nicht in einem Tag. Faltin zitiert eine Studie „Erfolgreiche Jungunternehmer“ von Peter Goebel. Diese zeigte, dass die völlig unterschiedlichen Befragten nur eines gemeinsam hatten: „Sie brachten eine Idee zum Reifen, indem sie beharrlich immer wieder um das gleiche Problem kreisten, und dies in einer Art und Nachhaltigkeit, die „normalen“ Menschen schon fast als absonderlich erscheint.“ (vgl. Goebel 1990, zit. nach Faltin 2008, S. 15) Adeo Ressi sagt: „Ideas don´t matter. (…) What matters is who you are – what you are passionate about. Your passion will keep you going, not the idea.“ Es kann also kein tragfähiges Geschäftskonzept entstehen ohne den Gründer.



Der Gründer

Der landläufigen Meinung nach muss ein Gründer die sprichwörtliche „eierlegende Wollmilchsau“ sein, um erfolgreich zu sein. Er muss auf seinem Fachgebiet führend sein, daneben aber auch ein Profi in Steuerrecht und Betriebswirtschaft. Außerdem in Buchhaltung, Marketing, Personalführung, Vertrieb usw. Eine Art Übermensch also.

Faltin sagt: das ist ein Irrglaube. Unsere Gesellschaft ist so hoch arbeitsteilig geworden, weil heutzutage jedes einzelne Fachgebiet so komplex ist, dass man unmöglich in allen davon gleichzeitig gut sein kann. Daher sagt er: am besten alles outsourcen, was nicht die eigene Kernkompetenz ist. Ist das nicht teurer? Im Gegenteil. Man selber bezahlt mit der Zeit, die man braucht, um sich (mittelmäßig) in das Thema einzuarbeiten und kann in der Zeit nichts für sein Startup tun.

Es gibt genügend MBAs und Juristen auf der Welt. Delegieren Sie so viel Sie können, an diese Spezialisten. Sie ersparen sich eine Menge Fehler und Nerven.

Der Gründer ist für das Konzept zuständig. Faltin vergleicht die Rolle des Gründers mit der eines Komponisten: er fügt bekannte und neue Komponenten auf eine neuartige Weise zusammen – aber er muss nicht jedes Instrument spielen können.

Diese ganzen Menschen (Expertenleistungen) und Komponenten fügt der Gründer zusammen in das Entrepreneurial Design.



Das Entrepreneurial Design

Das Entrepreneurial Design ist das Endprodukt der Ausarbeitung einer Idee. Es ist das Mosaik aus den verschiedenen Ideen, Komponenten, Prozessen und Menschen, die am endgültigen Produkt beteiligt sind, so wie es dann auf den Markt gebracht wird. Die Herausforderung ist also, aus der Idee ein Konzept zu formen und gestalten, das zeitgemäß ist und von den Menschen nachgefragt wird – genau das ist die Kompetenz des Entrepreneurs.

Ein gutes „Entrepreneurial Design“ zeichnet sich laut Prof. Faltin durch folgende Eigenschaften aus. Es muss:

1. klare und vom Kunden erkennbare Marktvorteile herausarbeiten,

2. einen Vorsprung vor Imitatoren sichern,

3. davor schützen, technologisch schnell zu veralten,

4. davor schützen, wirtschaftlich schnell zu veralten,

5. den Finanzierungsaufwand minimieren,

6. Marketing als integralen Bestandteil sehen.

Wenn man diese Punkte von Prof. Faltin beherzigt, dann schließt das Hightech-Gründungen fast aus. Die Gefahr, von der Konkurrenz überholt zu werden (Punkt 3 und 4), ist in diesem Bereich sehr groß. Außerdem haben diese Gründungen einen wesentlich größeren Kapitalbedarf (Punkt 5) und sind damit mehr abhängig von externen Geldgebern.

Ergänzend zu Faltins Buch möchte ich sagen, dass Hightech-Gründungen natürlich wichtig sind. Sie sind auch wichtig außerhalb von großen Konzernen, weil sie oftmals die wirklich cleveren Innovationen an den Markt bringen (was man u.a. daran erkennen kann, dass die meisten dieser Gründungen (d.h. Ideen) früher oder später von großen Konzernen aufgekauft werden – was nicht passieren würde, wenn die Konzerne selber diese Ideen entwickeln würden). Hightech-Gründungen sind eine andere Art von Gründung. Faltin spricht von Gründungen, die jeder Mensch im Prinzip machen kann. Eine Hightech-Gründung wird fast nie von einer einzelnen Person ausgearbeitet werden, so wie Faltin es vorschlägt. Hightech-Gründungen haben in aller Regel einen Hintergrund in einem Forschungsinstitut, bspw. Fraunhofer oder Leibnitz-Institute. Anders ist schon die vorhergegangene Forschung nicht zu bewältigen, weder infrastrukturell noch finanziell.

Erfolgsfaktoren für Startups Prof. Faltin

Erfolgsfaktoren für Startups (Faltin 2008, S.39)

Ein weiteres Hauptmerkmal eines guten Entrepreneurial Designs ist Flexibilität! Die Umstände, der Markt, die Bedürfnisse der Kunden ändern sich ständig. Außerdem muss das Design drei weitere Bedingungen erfüllen:

• Es muss skalierbar sein, d.h. es muss technisch und infrastrukturell auf Wachstum eingerichtet sein, und „bei Wachstum müssen die Kapazitäten nicht proportional
erweitert werden.“
• Es muss einfach sein, „d.h. die Komplexität wird so weit wie möglich reduziert. Sonst verlieren Sie bei Wachstum schnell den Überblick.“
• Es muss risikominimierend geplant sein, „d.h. die erkennbaren Risiken vorher angehen, denn es werden noch genug unerwartete Risiken auftauchen.“

Wenn Ihr Geschäftskonzept diese Bedingungen erfüllt, dann hat es gute Chancen, erfolgreich zu werden. Sie haben schon eine Idee? Wecken Sie den Entrepreneur in sich und formen Sie ein Konzept daraus, auf das der Markt noch wartet. Falls Sie dann noch Gründungskapital benötigen, bewerben Sie sich unter startups (at) seedmatch.de mit Ihrem Businessplan bei Seedmatch. Wir freuen uns auf clevere und ausgereifte Gründungskonzepte!


Startups, die ihr Gründungskapital über ein erfolgreiches Crowdfunding bei Seedmatch bekommen haben, gehen mit der einer Unterstützung einer vielköpfigen Crowd an den Markt. Jeder einzelne Investor ist von den Startup-Ideen überzeugt, in die er investiert hat, berichtet gern davon und wird so zum Multiplikator. Dadurch entsteht der Multiplikator Value von Crowdfunding-Kapital: Mit den persönlichen Empfehlungen dieser Menge von Multiplikatoren gewinnt ein Startup mehr wertvolle Aufmerksamkeit und Vertrauen als durch eine teure Werbekampagne. Crowdfunding heißt also: „Viele begeisterte Köpfe schlagen Kapital.“


Wer die Ideen von Prof. Faltin und das Thema Entrepreneurship spannend findet, hat am 6.11.2010 die Gelegenheit, ihn und seine Ideen beim Entrepreneurship Summit 2010 kennenzulernen. Das diesjährige Thema ist „Entrepreneurial Design“ und hier haben Sie die Möglichkeit, sich anzumelden.

Zu diesem Anlass wird auch der Sieger des laufenden Wettbewerbs „Kopf schlägt Kapital“ bekannt gegeben. Seedmatch ist einer der Teilnehmer. Unsere Bewerbung können Sie hier mit einem einfachen Klick unterstützen. Vielen Dank!

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  1. StartupMoney sagt:

    Köpfe schlagen Kapital « Seedmatch Blog http://bit.ly/aLNCh5 mehr bei startup25