Warum scheitern Startups?

Das BMWI hat Mitte August eine interessante Studie (PDF) über die Ursachen für das Scheitern junger Unternehmen in den ersten fünf Jahren ihres Bestehens veröffentlicht.

Nun hat vermutlich jeder, der sich mit Startups beschäftigt, eine Meinung dazu, aus welchen Gründen junge Unternehmen am häufigsten scheitern. Meistens werden „das Management“ und „die Marktsituation“ als die Schuldigen identifiziert. Die Studie liefert uns mit Zahlen aus den Jahren 2000-2008 ein paar mehr Details und birgt auch die eine oder andere Überraschung.

Was zunächst wenig überrascht: Die Gründe für das Scheitern eines Startups sind vielfältig und oft gibt es nicht „den“ einen Grund sondern eine Kombination aus verschiedenen ungünstigen Faktoren. Problematisch kann z.B. ein unausgereiftes Unternehmenskonzept sein, zu hohe Erwartungen, geringe Kompetenz der Gründer in bestimmten Bereichen (z.B. Betriebswirtschaft), Probleme bei der Finanzierung, Forderungsausfälle, familiäre Probleme, …

Im Beobachtungszeitraum haben jährlich im Durchschnitt 72.000 deutsche Unternehmen (nicht älter als 5 Jahre) den Markt verlassen. Das ist ein eher kleiner Anteil an den insgesamt durchschnittlich 415.000 Schließungen. Die Zahl der Gründungen in Deutschland unterlag in den letzten Jahren größeren Schwankungen, lag aber bis auf 2008 immer höher als die Zahl der Liquidationen. (Quelle)

Ein interessantes Ergebnis der ZfW-Studie ist, dass nur die wenigsten Unternehmensaufgaben mit einer Insolvenz bzw. zwingenden wirtschaftlichen Gründen einhergehen (26%). 70% der geschlossenen Unternehmen hatten die Gewinnzone erreicht!


Vier Hauptgründe für das Scheitern


1. Finanzielle Probleme

Auch wenn in den Jahren 2006/2007 nur 26% der geschlossenen Unternehmen einen Invsolvenzantrag stellten, benennt die Studie als wichtigsten Grund für Unternehmensaufgaben Finanzierungsprobleme. Folgende Schwierigkeiten wurden dabei am häufigsten benannt:

Finanzierungsprobleme Marktaustritt Startups

Laut KfW Gründungsmonitor 2010 gründen 60% der Gründer ausschließlich mit eigenen Mitteln und mit Kapital von Freunden und Bekannten. Dies bedeutet zumeist, dass sie mit einem Minimum an Kapital auskommen müssen. Auch in der ZEW Studie bemängelten Fokusgruppen aus Gründungsberatern und Insolvenzverwaltern die „chronische Unterfinanzierung“ von jungen Unternehmen. Sie schätzte die Schwierigkeiten, Gründungskapital zu akquirieren als „oft enorm“ ein und benannte den Kapitalmangel als eine „Keimzelle späteren Scheiterns“. Sie beschrieben außerdem, dass Gründer bei der Kreditvergabe von Banken „runtergerechnet“ werden, und so kaum finanziellen Spielraum bei Schwierigkeiten haben. Treten finanzielle Probleme wie bspw. Forderungsausfälle auf, so kommt es schnell zu einer Verschuldung, die die Ablehnung weiterer Kredite zur Ablehnung hat.


2. Unternehmerische Fehlentscheidungen

Je kleiner ein Unternehmen ist, desto mehr hängt sein Erfolg von der Qualifikation und den Entscheidungen des Gründers bzw. Geschäftsführers ab. Viele der befragten Unternehmer räumten als Ursache für ihr Scheitern Fehlentscheidungen in der Unternehmensstrategie ein. Interessant ist, dass die benannten Faktoren zum größten Teil in Wissensbereich Betriebswirtschaft/ Controlling fallen, und eher selten das Produkt oder die technische Expertise als mangelhaft wahrgenommen wurden. Mangelnde betriebswirtschaftliche Kenntnisse wurden vielen Gründern auch von den Fokusgruppen vorgeworfen. Neben strategischen Entscheidungen wie Angebotspalette und –qualität, regionale Abgrenzung des Marktes, etc. wurden wichtige weiche Faktoren in der Studie nicht erfasst (und vermutlich auch schwer zu erfassen): zum Beispiel, die Fähigkeit, Kundenbeziehungen aufzubauen, flexibel auf Kundenwünsche zu reagieren, etc.

unternehmerische Fehlentscheidungen Startups


3. Probleme auf dem Markt

Absatzprobleme kann man kaum losgelöst von den strategischen Entscheidungen eines Unternehmens betrachten. Es ist schwierig zu trennen, wo allein die Marktentwicklung verantwortlich für das Scheitern eines Startups ist, und wo es die mangelnde Anpassungsfähigkeit an die Bedürfnisse des Marktes ist. Die Studie endet im Jahr 2008, so dass die schwerwiegenden Auswirkungen der Wirtschaftskrise noch nicht voll zum Tragen kommen. Erschreckend ist in diesem Bereicht der hohe Prozentsatz an Forderungsausfällen – gerade mit dem Wissen um die geringen finanziellen „Polster“ der Startups.

Marktsituation


4. Freiwillige Unternehmensaufgabe

Gründer, die Unternehmen ohne wirtschaftliche Notlage geschlossen haben, gaben als häufigste Ursache enttäuschte Einkommenserwartungen aus der Unternehmertätigkeit an. Offenbar erwarten junge Unternehmer einen gewissen „Risikoaufschlag“ für die Unsicherheiten gegenüber einer Festanstellung. Des Weiteren spielten oft eine Überlastung bzw. die mangelnde Zeit für die Familie eine Rolle. Bei Teamgründungen kommen als häufige Ursache Unstimmigkeiten im Management hinzu.

Freiwillige Unternehmensaufgabe Startups


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